The Girl Group Is Back

By Stefan P. Dressel
TV Today, Germany, March 2006

Bananarama: "Drama"

Ihre Karriere ist älter als viele aktuelle Top-Ten-Stars. Doch Bananarama, die erfolgreichste Girl-Group der 80er, kann sich auch nach 25 Jahren noch sehen und hören lassen. Als Trio startete Bananarama 1981 und machte kurz darauf mit Hits wie "Venus", "Robert De Niro's Waiting" oder "Cruel Summer" Weltkarriere. Vor 15 Jahren zum Duo geschrumpft, spielen Keren Woodward und Sarah Dallin (beide Jahrgang 1961) noch immer auch die alten Hits. Oldiehaft klingen sie und ihr aktuelles Disco-Pop-Album "Drama" aber gar nicht.

Mittlerweile seid ihr beide Mitte 40. Warum tut ihr euch das noch an?
Keren Woodward: Wenn wir keine Lust mehr hätten, könnten wir von einem Tag auf den anderen hinwerfen und zu Hause bleiben! Finanziell abhängig sind wir von Bananarama jedenfalls schon lange nicht mehr. Aber wir lieben unsere Arbeit und brauchen die Knochenmühle.
Sarah Dallin: Man wird süchtig nach Applaus. Der ist wie ein Jungbrunnen, der hält uns frisch. Was soll ich denn zu Hause? Wäsche waschen und kochen? Dazu habe ich keine Lust.

Du klingst wie eine 20-Jährige, die einen TV-Songcontest gewonnen hat.
Sarah:Warum wird bei Frauen immer das Alter diskutiert? Das geht mir auf die Nerven. Einen Bon Jovi oder Bruce Springsteen fragt man schließlich auch nicht, wann er gedenkt, sich in Pantoffeln vor den Kamin zu setzen. Ich finde das ganz schön respektlos.

Macht es denn noch Spaß, immer wieder die alten Hits zu singen?
Keren: Wer ein Bananarama-Konzert besucht, will die alten Hits hören, das wissen wir, da machen wir uns nichts vor. Wichtig ist die Mischung - ein alter Song, dann ein neuer, das mögen die Leute. Und wir auch. Natürlich ist es aber auch seltsam, wenn wir backstage bei einer TV-Show zwischen diesen ganzen Britney- und Kelly-Clarkson-Klonen auf unseren Auftritt warten. Die neuen Sängerinnen sind eben doch eine ganz andere Generation.

Inwiefern?
Keren: Die sind viel offener als wir früher. Bei einigen Bühnenoutfits, die die Mädchen heute tragen, hätte meine Mutter mich früher geohrfeigt. Für meinen Geschmack machen einige mangelndes Talent mit waghalsigen Outfits wett.

In Sachen Marketing hat sich in den letzten Dekaden viel getan. Seid ihr neidisch auf die Spice Girls oder Britney Spears, die neben der Musik mit Werbeverträgen Millionen verdienten?
Keren: Die haben das clever gemacht, aber so eine Rundum-Vermarktung birgt auch Nachteile. Man ist nicht mehr Herr seiner eigenen Entscheidungen. Was nützt mir das Geld, wenn ich nicht mehr frei wählen kann, ob ich eine Pepsi oder Coca-Cola trinken möchte?

Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr eure alten Videos von vor zwanzig Jahren anschaut?
Sarah: Ich gucke dann einfach weg. Wir sahen damals aus wie wandelnde Mülltüten, wie Kartoffelsäcke. Das war keinesfalls sexy. Aber so war nun mal die Mode in den Achtzigern.
Keren: Am schlimmsten waren aber die Frisuren und die Hüte. Auf dem Kopf ein Wagenrad, darunter eine Dauerwelle - mein Gott, hatten wir damals einen schlechten Geschmack.

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