Antje
Shimor sagte zu Bardon: „Ich schlage vor, dass ich mich mal etwas im
„Untergrund“ von der Stadt umsehe. Ich habe schon ein paar Tricks auf Lager,
wie man sich da unauffällig bewegt und vielleicht noch an ein paar interessante
Informationen kommt.“
Nur
zwei Stunden später saß in der Gasse der Bettler von Smöhre, eine seltsame
Gestalt, die in abgerissene Lumpen gehüllt war, aber alles um sich herum
genauestens beobachtete. Ein paar Meter neben ihm saß ein weiterer Bettler, der
sich mit seinem einem Arm auf eine Krücke stützte, während an der Stelle, an
der eigentlich sein rechtes Bein sein sollte, überhaupt nichts war. Doch in der
Schüssel, die vor ihm stand, häuften sich schon eine stattliche Anzahl an Münzen.
Als
sich in der Gasse gerade keine weiteren Spaziergänger aufhielten, richtete er
plötzlich einen stechenden Blick auf Shimor, der ihn schon seit einiger Zeit
beobachtet hatte und sich in seiner Bettlerkleidung offensichtlich sehr wohl fühlte.
Auf wundersame Weise hatte
der
andere plötzlich sein rechtes Bein wieder geradegebogen, das sich nur in
irgendeinem Versteck in seiner Kleidung befunden hatte, und er war mit wenigen
Schritten bei Shimor:
„He!
Was suchst du hier ? Ich habe dich hier noch nie gesehen! Weiß Tarbor, unser
Bettlerkönig eigentlich von dir? Und entrichtest du ihm den ihm zustehenden
Tribut? Anderenfalls bist du die letzte Zeit in unserer Straße gewesen. Dafür
werden wir schon sorgen.“
Shimor
grinste ihn an: „Heee, immer mit der Ruhe, Kumpel. Ich schätze du hast ganz
schön etwas auf dem Kasten. Warum sollst du deine halben Einnahmen an Tarbor
abgeben? Sieh mal her, ich habe hier etwas für dich...“ Mit diesen Worten
zeigte er ihm
den
Inhalt eines Lederbeutels, in dem es verführerisch blinkte und klingelte.
„Ich
schätze, du kommst hier ganz schön herum in der Stadt und du weißt mehr als
so mancher anderer. Vielleicht kannst du mir ein paar Fragen beantworten.“
Die
Augen des Bettlers leuchteten gierig auf, als er sich Shimor näherte. „Ok.
Ich werde noch mal ein Auge zudrücken und Tarbor nichts von dir erzählen.
Also, was möchtest du wissen?“
Shimor
fragte ihn: „Kannst du für mich in Erfahrung bringen, ob sich hier in der
Stadt ein Mann namens Rapoge’reis aufhält?“ Er hatte allerdings nicht mit
der Reaktion seines Gegenübers gerechnet. Ein Strahlen ging über sein Gesicht.
„Hmmm, das kann ich in der Tat – und dafür brauche ich ausnahmsweise noch
nicht mal zu spionieren.“
„Also
raus mit der Sprache !“
„Erst
her mit dem Geld!“
Der
Bettler streckte verlangend seine Hand nach dem Geld aus und Shimor ließ es
nach einigem Zögern in seine Hand fallen. „Also, ich schätze es wird sich
doch nicht vermeiden lassen, dass du Tarbor kennenlernst... denn ein Mann namens
Rapoge’reis ist bei ihm zu Gast. Ich habe allerdings keine Ahnung, was er von
ihm will. Aber ich kann dich zu ihm
führen.“
Shimor
überlegte. „Einverstanden! Aber ich möchte dich zuerst meinen Gefährten
vorstellen, denn ich möchte gerne noch etwas Verstärkung mitnehmen, wenn wir
zu ihm gehen.“
„Wie?
Nein, keine Chance. Entweder du allein, oder niemand sonst. Oder.. nun gut,
einer kann noch mitkommen...“ Shimor hatte aus seiner Hosentasche noch ein
paar Münzen gezogen und begann, mit ihnen zu jonglieren.
Wenige
Augenblicke später waren die beiden auf dem Weg zu den übrigen Gefährten, die
wenige hundert Meter von der Stadtmauer entfernt ihr Lager aufgeschlagen hatten.
Als Shimor ihnen die Lage erklärt hatte, fragte er: „Also los, wer von euch
kommt mit und begleitet uns?“
Adrian
Während Shimor in der Stadt als Bettler unterwegs war, betätigt sich auch
Kissmett, allerdings auf anderem Wege und zu anderem Zweck. Er erleichtert
einige wohlhabende Bürger dieser Stadt um ihre Geldkatze und kauft sich von dem
Geld ein gutes Bier und einige Wurfdolche bei einem Waffenschmied. Dann kümmert
er sich auf dem Markt noch um Proviant und geht langsam zum Lager zurück. Dort
angekommen lacht er die anderen erheitert an und versucht Taraks Blicken aus dem
Weg zu gehen, während er das neu erworbene Material und das Geld verstaut.
Kurz darauf kommt Shimor in seiner Bettlergestalt mit einem anderen ebenfalls
wie ein Bettler aussehenden Fremden zum Lager zurück. Shimor beginnt zu erzählen
und nach der Frage wer mitkommen würde, runzelt Kissmett die Stirn, geht auf
Bardón zu und flüstert ihm ins Ohr: "Das klingt mir stark wie eine
Bettlergilde. Ich habe genug Erfahrung in diesen Dingen um das zu wissen. Ich
werde mit ihm gehen und mir zur Sicherheit noch etwas mitnehmen."
Auf Bardóns verdutztes Gesicht hin - nach der Flüsterei - zwinkert ihm
Kissmett nur noch zu. Dann geht er zu seinem Pferd, streichelt es kurz, während
er unauffällig ein sehr kleines Messer aus der Satteltasche nimmt; ebenso zwei
Dolche, die er gerade eben erst gekauft hatte. Diese lässt er in seine Ärmel
gleiten, dann verstaut er sein Schwert auffällig auf dem Pferd und streichelt
es zum Schluss noch einmal. Schnurstracks geht Kissmett auf Shimor zu, klopft
ihm auf die Schulter und meint: "Komm Shimor, mein Freund, lass uns zu
Tarbor, dem König aller Bettler, gehen."
Der andere Bettler setzt sich in Bewegung, Shimor und Kissmett folgen ihm durch
die Stadt in eine von allen Göttern verlassene Gegend, dann dreht sich der
Bettler zu den beiden um und geht auf sie zu: "So, ab hier müssen euch die
Augen verbunden werden sonst kommt ihr nicht weiter."
"Wenn's denn sein muss, aber ich werde auf mein Zeug aufpassen und ich
warne dich, ich kann jedem, der mir irgendwas wegnimmt auch mit verbundenen
Augen den Kopf abschlagen", grummelt Shimor ernst, dann lässt er sich die
Augen verbinden.
"Bei meinem eigenen Kopf, ich schwör' euch, keiner von uns wird euch etwas
stehlen - nicht hier", kichert der Bettler. Nachdem auch Kissmett die Augen
verbunden sind, zwinkert
dieser so lange mit den selbigen, bis seine Augenbinde ein wenig nach oben
gerutscht ist und Kissmett zumindest den Boden sehen kann. Dann spürt er wie
sich eine Hand auf seine Schulter legt und er vorwärts geschoben wird.
Kissmett
blinzelt durch den Schlitz und lässt sich nicht anmerken, dass er etwas sieht -
auch dann nicht als er eine Faust auf sich zurasen sieht, die testen soll, ob er
noch sehen kann. Mit sicherem Schritt läuft er der ihm führenden Hand nach.
Kissmett hört ab und an Shimor fluchen, der wohl stolpert, weil er wirklich
nichts sieht. Nach einer Weile werden ihm die Augebinden abgenommen und sie
stehen vor einem improvisierten Thron. Um sie herum steht eine Schar von
Menschen, Zwergen und Elben in zerlumpter Kleidung. Auf dem Thron sitzt ein
Zwerg mit ergrauten Haaren und einem langen Bart, der wohl unter Zwergen
seinesgleichen sucht. Neben dem Thron steht ein Mensch mit ebenfalls
abgerissener Kleidung, die aber doch etwas besser aussieht, als es scheinen
soll. Dieser hält ein Stab in den Händen, der genau auf Wogans Beschreibung
des Kobold-Königsstabes passt, und zielt damit auf den Zwerg, der wohl Tarbor
sein muss.
"Der hat wohl Tarbor unter seiner Fuchtel", flüstert Kissmett zu
Shimor, der daraufhin nickt
"Wir ersuchen euch, weil wir hörten das in eurem Schutz ein Mann namens
Rapoge'reis steht und wir in dringenden Maße der Ergebnisse unserer
Forschung...." Tarbor unterbrach
"Ich weiß wie ihr und eure Untertanen zu einem Stand kommt, den ihr euch
schon lange erträumt habt. Ihr könnt es endlich all denen zurückzahlen, die
euch früher mit Füßen getreten haben. Aber um euch das zu sagen, brauche ich
eine weitere Information und diese hat Rapoge'reis. Lasst mich mit ihm unter
sechs Augen alleine sprechen...."
"NEIN" schreit Rapoge'reis in panischer Angst. "Nein, nein und
nochmals nein! Ich werde nicht mit euch sprechen. Ihr, Tarbor, werdet die beiden
für eine Weile festhalten, bis ich aus der Stadt bin - es gibt keine
Information, die ich hätte, womit ich zu Reichtum kommen könnte."
Während er sprach hielt er den Stab auf Tarbor den Bettlerkönig, der daraufhin
nur noch ein
Antje
"Mein Gott, stinkt das hier," denkt Shimor, dessen Nase eigentlich
sonst überhaupt nicht empfindlich ist, als die beiden Wachen sie durch die düsteren
Gänge schleppen.
"Heee, du. Wie lange dauert das noch? Ich muss mal austreten," brummt
Shimor zum Soldaten, der recht behäbig vorwärtsgeht, während er seinen nicht
unansehnlichen Bauch vor sich herträgt.
"Da hast du Pech, Bursche. Eure Zelle liegt ganz im anderen Gebäudetrakt.
Das dauert noch mindestens 15 Minuten."
"So lange kann ich aber nicht warten. Hier kommt es ja wohl auf ein wenig
Gestank mehr oder weniger auch nicht an, oder?" Die Wache brummt etwas vor
sich hin und zeigt schließlich auf eine kleine Nische.
"Hier, los. Aber mach schnell. Wir haben nicht ewig Zeit."
"Das musst du gerade sagten," denkt Shimor. Laut sagt er: "Willst
du mir nicht die Hände losbinden oder hast du Lust, meine Hose
runterzuziehen?" Die Wache sieht ihn misstrauisch an, richtet den Speer auf
ihn und bindet seine Handfesseln los.
"Na gut, aber mach keine Dummheiten, Freundchen." Kaum sind seine
Handfesseln los, versucht Shimor die Vorteile seiner Zwergengestalt zu seinem
Vorteil einzusetzen und taucht unter der Lanze durch, greift die Beine der Wache
und reißt ihn so aus seinem Gleichgewicht bis er mit einem lauten Plopp zu
Boden fällt. Kissmett und seine Wache sind
gerade um die nächste Ecke gebogen, so dass sie nicht mehr zu sehen sind.
Shimor haut seinem Bewacher geistesgegenwärtig die Lanze über den Schädel, so
dass er für ein paar Augenblicke ausgeschaltet ist. Leise schleicht er den Gang
entlang und es gelingt ihm tatsächlich auch Kissmetts Wache mit einem gezielten
Schlag außer Gefecht zu setzen.
In Windeseile laufen sie zurück und ziehen der anderen Wache, der immer noch
betäubt auf dem Boden liegt seine Uniform aus, die für Shimor natürlich viel
zu groß und für Kissmett viel zu weit ist. Aber für beide passt sie wie
angegossen!
Shimor
erklärt Kissmett seinen Plan und er kann sich das Lachen gerade noch
verkneifen, als sich Shimor an seinem Bauch festklammert und Kissmett die
Uniform über sie beide zieht. Kissmett versucht besonders würdig auszusehen,
als er den Gang zurückgeht und an den anderen Wachen vorbeikommt, die sie ihm
Halbdunkeln glücklicherweise nicht erkennen können. Gerade als sie fast den
Ausgang erreicht haben, legt sich eine Hand auf ihre Schulter.
"Nicht so voreilig, meine Lieben. Wollt ihr uns etwa schon wieder
verlassen?" Shimor und Kissmett drehen sich um und sehen in die Augen einer
anderen Wache, der ihnen kurz vor Shimors ehemaligem Bewacher entgegenkommt,
welcher heftig gestikulierend hinter ihm herläuft und versucht, seinen üppigen
nackten Körper in einer Decke zu verstecken.
Nachdem ihnen die Waffe abgenommen wird und sie wieder gefesselt die Gänge
entlanggeführt werden, brummt Shimor: "Naja, es war jedenfalls einen
Versuch wert."
Bernd
(ISL)
Während dessen erleben die anderen auch ihre eigene Überraschung:
Alexander
Der Himmel hat sich ein wenig zugezogen. Es sieht so aus, als würde es jeden
Moment regnen, doch noch hält sich der nasse Schauer zurück. "Suchen wir
Horvath," meint Bardón und sie machen sich auf den Weg, in den Straßen
von Smöhre nach ihm Ausschau zu halten. "Sollen wir uns trennen?"
fragt Tarak, doch Bardón schaut ihn an. "Besser erst mal nicht."
"Ich schick Rara." Abraxa gibt dem schwarzen Vogel ein kurzes Zeichen,
Rara erhebt sich und fliegt den Abenteurern voraus.
Diese schweifen derweil durch die Gassen, um irgendeinen Zipfel von Horvaths
Gewandung zu entdecken. Dies gestaltet sich jedoch schwieriger, als sie
angenommen hatten. Zwei Stunden vergehen ereignislos, in denen sie immer wieder
Leute ansprechen und nach dem Halunken Horvath fragen. Doch keiner scheint ihn
zu Gesicht bekommen zu haben.
"Vielleicht ist es besser, wir trennen uns doch. So erreichen wir sehr
wahrscheinlich mehr," nimmt Gabrok nach langer Zeit das Gespräch auf.
"Dann laufen wir aber auch in die Gefahr, ein leichtes Ziel zu sein. Wenn
Horvath uns beschatten lässt - er weiß schließlich, dass er verfolgt wird -
wartet er nur auf einen günstigen Augenblick."
Bei diesen Worten denkt Bardón wieder an Alkermes, Atlan und Wogan.
"Dieser Verbrecher geht mit einer solchen Grausamkeit vor, dass wir mit
allem rechnen müssen. Deshalb bin ich nicht für trennen. Aber wir können
gerne abstimmen." Bardón sieht die anderen an. Sie stehen an einer Häuserecke
und halten weiterhin die Umgebung im Auge. "Stimmen wir ab," meint
Tarak.
Da plötzlich taucht Rara wieder auf. Ein schwarzer Schatten, unglaublich
schnell taucht er hinter dem Dach auf, geht in einen Sturzflug und landet krächzend
neben ihnen auf einem Fensterbrett.
"Hab' ihn gesehen, rara," krächzt er sofort und plustert sich auf,
"müsst nicht weit gehen, rara. Im Hafen, am Kai, da sind die drei, rara.
Dolche gezogen, ungelogen." Dann erhebt sich der Rabe wieder und fliegt den
Abenteurern ein Stück voraus. "Na endlich. Ich dachte schon wir bekommen
ihn gar nicht mehr. Also los." Dann machen sich die Gefährten auf den Weg
hinter Rara her zum Hafen. Mit schnellen Schritten eilen sie los. Abraxa folgt
ihnen so gut sie kann.
Und schon nach drei weiteren Häuserecken sitzt Rara wieder vor ihnen und warnt
sie zur Vorsicht. So schleichen sie sich langsam vor und spitzen ihre Ohren.
Gesprächsfetzen sind zu hören. Eine abgelegene Gasse, mit kaum Menschen, die
sich umeinander kümmern, liegt vor den Abenteurern. Bardón gibt mit einem
Zeichen zu verstehen ruhig zu bleiben. Dann geht er einen Schritt näher an die
Ecke, um besser hören und sehen zu können. Sein Blick erfasst drei Gestalten,
von denen einer Horvath ist, die mit einem weiteren Hafenarbeiter 'reden'. Dabei
strecken sie dem Mann ihre Waffen in eindeutiger Haltung entgegen. Leider sind
sie jedoch zu weit entfernt, denn kein einziges Wort ist deutlich zu verstehen.
Abraxa
kommt keuchend um die Ecke gelaufen. "Sind sie's?" "Seid leise.
Ich verstehe kein Wort."
Tarak
steht ebenfalls an der Wand und hält seine Waffe ungeduldig umklammert.
"Wir sollten eingreifen, sonst bringen die den Mann noch um."
"Gleich." Gabrok überlegt sich derweil einen Zauberspruch, den er überraschenderweise
über die Banditen kommen lassen wird. Vorsichtig sehen jetzt alle Gefährten um
die Häuserecke, und keiner der
Horvath kitzelt den verängstigten Mann mit seinem Dolch an der Haut, während
die anderen beiden ihn an den Armen festhalten.
"Okay," sagt Bardón und sieht zu Gabrok, der nickt - hoffentlich hat
er sich etwas einfallen lassen. "Wir greifen ein."
"Das würde ich an eurer Stelle nicht machen!"
Erschrocken wirbeln alle herum, denn die dunkle Männerstimme ist an der anderen
Hausecke hinter ihnen aufgeklungen. Vor ihnen steht eine Gestalt in einen
dunklen Umhang gehüllt, einen gespannten Bogen auf sie gerichtet. Dahinter
steht eine weitere Gestalt mit