>Bernd
Bardón sitzt auf dem Bock des Pferdekarrens neben Gabrok und ist in Gedanken
verloren, während er die Zügel hält. Abraxa und Alkermes halten auf der
Ladefläche ein Mittagsnickerchen, soweit das bei dem Geschunkelt möglich ist,
Rara fliegt ein wenig umher, um sich sein Futter im Wald zu suchen. Atlan sitzt
hinten auf der Ladefläche und hält nach rückwärtig Ausschau. Bardóns junger
Freund Gabrok macht sich indes ein wenig Sorgen, denn das unerklärbare
Verschwinden Jankas hat ihn zu unerwartet getroffen. Zeigt es doch, wie brisant
dieses Abenteuer werden könnte. Nun spürt er doch ein wenig mehr Panik
aufsteigen, da er nun sieht, in welcher Gefahr er sich unachtsamer Weise begeben
hat. Doch sofort kommen ihm die Worte Bardóns in den Sinn, die der Abenteurer
zu ihm vor der Weiterfahrt gesagt hatte: "Denk daran, wenn du immer vor der
Gefahr davon läufst, holt sie dich irgendwann ein. Es ist besser sich ihr zu
stellen und mit ihr zu wachsen, als von ihr feige von hinten erschlagen zu
werden!" Dies hatte daraufhin seinen Stolz geweckt und nun beruhigt ihn
dieser Satz wieder. "Wie soll es nun weiter gehen?" wendet sich Gabrok
Bardón zu. "Wie schon! Wir werden unseren Weg weiterfahren. Ich denke,
nachdem jeder vor der Weiterfahrt sein Willen bekundet hat nicht auszusteigen,
sollten wir unseren Plan fortführen. Nun aber mit mehr Vorsicht, denn es
scheint dieses Mal ein höllisches Abenteuer zu werden. Ich denke, Atlans Idee,
sich niemals mehr alleine von der Gruppe zu entfernen, sollten wir als festes
Ritual ansehen!"
Der weitere Weg führt sie am Gebirge vorbei, immer am Fuße der aufsteigenden Hänge
zu ihrer Rechten und die bewaldete flache Ebene zu ihrer Linken. Bardón führt
sie immer im Schatten der Bäume, so dass sie nie von weitem gesehen oder
beobachtet werden können. Sie machen gegen Nachmittag eine Rast und vereinbaren
bis spät in die Nacht weiter zu fahren, um einen eventuellen Vorsprung vor
ihren Verfolgern herauszufahren. Am Nachmittag des darauffolgenden Tages stoßen
sie auf den ersten Fluss, den sie an einer sehr seichten Stelle überqueren,
nachdem Atlan und Bardón die andere Uferseite erkundet haben. Der Wald hat sich
hier merklich gelichtet und bietet nicht mehr so viel Deckung wie zuvor noch.
Die Gruppe folgt einem ausgetretenen Pfad, der von Büschen und Hecken gesäumt
ist. Ab und zu sieht man ein Feldtier davon sprinten, aber sonst regt sich
nichts - nicht mal der Wind ist zu bemerken. Stille allerorten, während die
Sonne auf die Freunde heiß niederbrennt - eine Stille, die schon körperlich zu
spüren ist. Atlan gefällt diese Situation nicht und so meinte er etwas lauter,
als gewollt: "Was ist das hier für ein unheimlicher Ort?" "Wir
kommen hier in den Ebene von Wasserkant." erklärt Bardón ruhig
"Diese Stille ist hier nichts besonderes, sie ist fast immer vorhanden und
so manch Wanderer, den es hierher verschlagen hat ist schon verrückt geworden.
Auch soll es hier einer Sage nach ein wenig spuken... von Kobolden und anderen
Gefleuchs. Wenn es euch zuviel wird, dann unterhaltet euch leise
miteinander." Und Zack - hat Bardón einen kleinen Stein an den Kopf
bekommen. Aus der Richtung, aus der der Stein geflogen kam, hörte man ein
gackern und giffeln. "Heda! Was soll das? Wer wagt es...?" weiter kam
er nicht, denn ein fürchterliches Gezeter überdeckte die Stille:
"Wer wir sind, fragst du so?
Frage nicht wer, sondern frage wo!
Dann wirst du es wissen,
und der Geistesblitz dich küssen.
Du sprachst von Kobolden und Gefleuch,
na, ich denke, nun dämmert es euch.
Vom Gefleuch kam der Stein,
ich bedaure, er könnte gar größer sein,
denn beleidigend ist was du sagtest,
und das HIER, wohin du dich wagtest,
unvorsichtig wie ein Tropf
sei froh, denn du hast noch deinen Kopf!
Dies ist mein Revier
und ich regiere hier
und - ich heiße nicht 'Gefleuch'
so, und nun entschuldigt euch!"
Der Sprecher ist nun, zwischen einigen Büschen hervorlugend, zu sehen: es war
ein kleines, halbmenschenhohes, dürres Männlein mit langem Bart und stechenden
Augen. Und wütend sah er auch noch aus. Bardón sieht das Männlein, seinen
Kopf reibend, erstaunt an, aber bevor er etwas sagen konnte, sprach Alkermes zu
dem Wicht.
Steffen
Alkermes, der die Szene genau mitverfolgt hatte erkannte den Wicht sofort als
Kobold, denn dieser war nicht der erste den er gesehen hatte. Alkermes entschließt
sich auf den Kobold einzugehen und ihm etwas zu schmeicheln, was eigentlich
immer funktionierte, also antwortet er sofort: "Verzeiht die Unwissenheit
meines Begleiters, aber er konnte ja nicht ahnen, dass dies euer Gebiet ist, ihr
solltet es ausschildern, damit auch jeder sofort merkt, dass ihr hier das Sagen
habt." Alkermes macht eine kurze Pause und betrachtet wie der Kobold voller
Stolz gleich ein paar Zentimeter größer ist, also redet er weiter "Wir
sind aber nicht gekommen um euch zu besuchen, sondern wollen euer Gebiet
durchfahren, wenn ihr uns die Erlaubnis erteilt. Vielleicht könntet ihr uns
dann auch gleich die beste Route zeigen, ihr kennt euch doch sicherlich so gut
aus wie kein zweiter." Der Kobold hüpf auf Alkermes zu und meint dann viel
freundlicher als vorher "Natürlich kenne ich dieses Gebiet und ich führe
euch gerne." und zu Bardón blickend fügt er hinzu "Aber wehe ich höre
noch mal solche Worte." Damit nimmt der Kobold neben Bardón Platz und der
Karren setzt sich wieder in Bewegung. Gegen Abend baut die Gruppe zusammen ihren
Lagerplatz auf, bis auf den Kobold, der noch auf dem Karren liegt und sich in
der Abendsonne reckt. Bardón ist sichtlich von dem kleinem Kerl genervt und
geht mit Atlan Holz fürs Feuer sammeln, während Gabrok wohl noch nie einen
Kobold gesehen hat. Er nimmt seinen ganzen Mut zusammen und setzt sich neben ihm
auf die Ladefläche und beginnt ein Gespräch.
Bernd
"Hallo!" beginnt der junge Zauberlehrling unbeholfen sein Gespräch
"Ich heiße Gabrok, deinen Name habe ich bislang noch nicht gehört..."
"Welch Wunder auch, man fragte mich nicht. Man hält mich wohl für 'nen
armen Wicht. Man denkt wohl, kann mir leisten keinen Namen. Aber wenigstens du
fragst und hast Erbarmen. Ich höre auf den Namen Krickebein und spreche nur im
einfachen Reim." Gabrok lacht fasziniert auf und meint: "Ist das nicht
anstrengend immer einen Reim bilden zu müssen, wenn man etwas sagen will?"
Krickebein schaut ihn erstaunt an und meint: "Ach es ist einfacher, als du
denkst, ich zeigt's dir, wenn du mir was schenkst!" damit zeigt er auf
Gabroks Rucksack. "Heda, pass auf, dass er dich nicht über's Ohr
haut." ruft Bardón seinem Freund zu, als er gerade vom Holzsammeln wieder
kommt. Der Wicht zischt kurz in Bardóns Richtung, aber bevor er wieder nach
Steinen greifen kann, spricht Gabrok: "Lass gut sein, ich habe was für
unseren Gast..." Damit nimmt er seinen Rucksack, öffnet ihn und wühlt
darin herum - heraus holt er einen langen Kamm. Krickebein schaut verwundert
drein, und so sagt Gabrok: "Dies ist ein edles Instrument, mit dem man sich
seine Zeit vertreiben kann, schau her!" So setzt der Zauberlehrling den
Kamm an seine Lippen und plötzlich erklingt eine markante Melodie. Der Wicht
ist sehr erfreut und nimmt den Kamm entgegen und nachdem Gabrok ihm gezeigt hat,
wie er darauf spielen kann läuft Krickebein musizierend durch das Lager.
"Wie gut, dass Janka jetzt nicht hier ist..." sagt Bardón.
Am nächsten Morgen fahren die Reisenden weiter, Krickebein zeigt ihnen
kammblasend den Weg in Richtung Süden, vorbei an den Bergen, den Blick immer
frei nach Osten. Als sie dann an dem zweiten Fluss ankommen, verabschiedet sich
der Wicht wieder von den Abenteurern mit den Worten: "Ab hier müsst ihr
alleine zieh'n, ich kann nicht mehr mit euch geh'n. Zuende ist hier mein Reich,
so verabschiede ich mich gleich. Euren Weg findet ihr bestimmt alleine, habt nur
viel Geduld und lange Beine. Geht immer nur in diese Richtung, dann findet ihr
den Hof auf einer Lichtung." Damit weist Krickebein in eine Richtung auf
die Berge zu. Die Gruppe verabschiedet sich und geht auf den Fluss zu, dieser
erweist sich aber als ein reißendes Gewässer.