Wogans Auftrag

4) Wichtelei

>Bernd
Bardón sitzt auf dem Bock des Pferdekarrens neben Gabrok und ist in Gedanken verloren, während er die Zügel hält. Abraxa und Alkermes halten auf der Ladefläche ein Mittagsnickerchen, soweit das bei dem Geschunkelt möglich ist, Rara fliegt ein wenig umher, um sich sein Futter im Wald zu suchen. Atlan sitzt hinten auf der Ladefläche und hält nach rückwärtig Ausschau. Bardóns junger Freund Gabrok macht sich indes ein wenig Sorgen, denn das unerklärbare Verschwinden Jankas hat ihn zu unerwartet getroffen. Zeigt es doch, wie brisant dieses Abenteuer werden könnte. Nun spürt er doch ein wenig mehr Panik aufsteigen, da er nun sieht, in welcher Gefahr er sich unachtsamer Weise begeben hat. Doch sofort kommen ihm die Worte Bardóns in den Sinn, die der Abenteurer zu ihm vor der Weiterfahrt gesagt hatte: "Denk daran, wenn du immer vor der Gefahr davon läufst, holt sie dich irgendwann ein. Es ist besser sich ihr zu stellen und mit ihr zu wachsen, als von ihr feige von hinten erschlagen zu werden!" Dies hatte daraufhin seinen Stolz geweckt und nun beruhigt ihn dieser Satz wieder. "Wie soll es nun weiter gehen?" wendet sich Gabrok Bardón zu. "Wie schon! Wir werden unseren Weg weiterfahren. Ich denke, nachdem jeder vor der Weiterfahrt sein Willen bekundet hat nicht auszusteigen, sollten wir unseren Plan fortführen. Nun aber mit mehr Vorsicht, denn es scheint dieses Mal ein höllisches Abenteuer zu werden. Ich denke, Atlans Idee, sich niemals mehr alleine von der Gruppe zu entfernen, sollten wir als festes Ritual ansehen!"
Der weitere Weg führt sie am Gebirge vorbei, immer am Fuße der aufsteigenden Hänge zu ihrer Rechten und die bewaldete flache Ebene zu ihrer Linken. Bardón führt sie immer im Schatten der Bäume, so dass sie nie von weitem gesehen oder beobachtet werden können. Sie machen gegen Nachmittag eine Rast und vereinbaren bis spät in die Nacht weiter zu fahren, um einen eventuellen Vorsprung vor ihren Verfolgern herauszufahren. Am Nachmittag des darauffolgenden Tages stoßen sie auf den ersten Fluss, den sie an einer sehr seichten Stelle überqueren, nachdem Atlan und Bardón die andere Uferseite erkundet haben. Der Wald hat sich hier merklich gelichtet und bietet nicht mehr so viel Deckung wie zuvor noch. Die Gruppe folgt einem ausgetretenen Pfad, der von Büschen und Hecken gesäumt ist. Ab und zu sieht man ein Feldtier davon sprinten, aber sonst regt sich nichts - nicht mal der Wind ist zu bemerken. Stille allerorten, während die Sonne auf die Freunde heiß niederbrennt - eine Stille, die schon körperlich zu spüren ist. Atlan gefällt diese Situation nicht und so meinte er etwas lauter, als gewollt: "Was ist das hier für ein unheimlicher Ort?" "Wir kommen hier in den Ebene von Wasserkant." erklärt Bardón ruhig "Diese Stille ist hier nichts besonderes, sie ist fast immer vorhanden und so manch Wanderer, den es hierher verschlagen hat ist schon verrückt geworden. Auch soll es hier einer Sage nach ein wenig spuken... von Kobolden und anderen Gefleuchs. Wenn es euch zuviel wird, dann unterhaltet euch leise miteinander." Und Zack - hat Bardón einen kleinen Stein an den Kopf bekommen. Aus der Richtung, aus der der Stein geflogen kam, hörte man ein gackern und giffeln. "Heda! Was soll das? Wer wagt es...?" weiter kam er nicht, denn ein fürchterliches Gezeter überdeckte die Stille:

"Wer wir sind, fragst du so?
Frage nicht wer, sondern frage wo!
Dann wirst du es wissen,
und der Geistesblitz dich küssen.

Du sprachst von Kobolden und Gefleuch,
na, ich denke, nun dämmert es euch.
Vom Gefleuch kam der Stein,
ich bedaure, er könnte gar größer sein,

denn beleidigend ist was du sagtest,
und das HIER, wohin du dich wagtest,
unvorsichtig wie ein Tropf
sei froh, denn du hast noch deinen Kopf!

Dies ist mein Revier
und ich regiere hier
und - ich heiße nicht 'Gefleuch'
so, und nun entschuldigt euch!"

Der Sprecher ist nun, zwischen einigen Büschen hervorlugend, zu sehen: es war ein kleines, halbmenschenhohes, dürres Männlein mit langem Bart und stechenden Augen. Und wütend sah er auch noch aus. Bardón sieht das Männlein, seinen Kopf reibend, erstaunt an, aber bevor er etwas sagen konnte, sprach Alkermes zu dem Wicht.

Steffen
Alkermes, der die Szene genau mitverfolgt hatte erkannte den Wicht sofort als Kobold, denn dieser war nicht der erste den er gesehen hatte. Alkermes entschließt sich auf den Kobold einzugehen und ihm etwas zu schmeicheln, was eigentlich immer funktionierte, also antwortet er sofort: "Verzeiht die Unwissenheit meines Begleiters, aber er konnte ja nicht ahnen, dass dies euer Gebiet ist, ihr solltet es ausschildern, damit auch jeder sofort merkt, dass ihr hier das Sagen habt." Alkermes macht eine kurze Pause und betrachtet wie der Kobold voller Stolz gleich ein paar Zentimeter größer ist, also redet er weiter "Wir sind aber nicht gekommen um euch zu besuchen, sondern wollen euer Gebiet durchfahren, wenn ihr uns die Erlaubnis erteilt. Vielleicht könntet ihr uns dann auch gleich die beste Route zeigen, ihr kennt euch doch sicherlich so gut aus wie kein zweiter." Der Kobold hüpf auf Alkermes zu und meint dann viel freundlicher als vorher "Natürlich kenne ich dieses Gebiet und ich führe euch gerne." und zu Bardón blickend fügt er hinzu "Aber wehe ich höre noch mal solche Worte." Damit nimmt der Kobold neben Bardón Platz und der Karren setzt sich wieder in Bewegung. Gegen Abend baut die Gruppe zusammen ihren Lagerplatz auf, bis auf den Kobold, der noch auf dem Karren liegt und sich in der Abendsonne reckt. Bardón ist sichtlich von dem kleinem Kerl genervt und geht mit Atlan Holz fürs Feuer sammeln, während Gabrok wohl noch nie einen Kobold gesehen hat. Er nimmt seinen ganzen Mut zusammen und setzt sich neben ihm auf die Ladefläche und beginnt ein Gespräch.

Bernd
"Hallo!" beginnt der junge Zauberlehrling unbeholfen sein Gespräch "Ich heiße Gabrok, deinen Name habe ich bislang noch nicht gehört..." "Welch Wunder auch, man fragte mich nicht. Man hält mich wohl für 'nen armen Wicht. Man denkt wohl, kann mir leisten keinen Namen. Aber wenigstens du fragst und hast Erbarmen. Ich höre auf den Namen Krickebein und spreche nur im einfachen Reim." Gabrok lacht fasziniert auf und meint: "Ist das nicht anstrengend immer einen Reim bilden zu müssen, wenn man etwas sagen will?" Krickebein schaut ihn erstaunt an und meint: "Ach es ist einfacher, als du denkst, ich zeigt's dir, wenn du mir was schenkst!" damit zeigt er auf Gabroks Rucksack. "Heda, pass auf, dass er dich nicht über's Ohr haut." ruft Bardón seinem Freund zu, als er gerade vom Holzsammeln wieder kommt. Der Wicht zischt kurz in Bardóns Richtung, aber bevor er wieder nach Steinen greifen kann, spricht Gabrok: "Lass gut sein, ich habe was für unseren Gast..." Damit nimmt er seinen Rucksack, öffnet ihn und wühlt darin herum - heraus holt er einen langen Kamm. Krickebein schaut verwundert drein, und so sagt Gabrok: "Dies ist ein edles Instrument, mit dem man sich seine Zeit vertreiben kann, schau her!" So setzt der Zauberlehrling den Kamm an seine Lippen und plötzlich erklingt eine markante Melodie. Der Wicht ist sehr erfreut und nimmt den Kamm entgegen und nachdem Gabrok ihm gezeigt hat, wie er darauf spielen kann läuft Krickebein musizierend durch das Lager. "Wie gut, dass Janka jetzt nicht hier ist..." sagt Bardón.
Am nächsten Morgen fahren die Reisenden weiter, Krickebein zeigt ihnen kammblasend den Weg in Richtung Süden, vorbei an den Bergen, den Blick immer frei nach Osten. Als sie dann an dem zweiten Fluss ankommen, verabschiedet sich der Wicht wieder von den Abenteurern mit den Worten: "Ab hier müsst ihr alleine zieh'n, ich kann nicht mehr mit euch geh'n. Zuende ist hier mein Reich, so verabschiede ich mich gleich. Euren Weg findet ihr bestimmt alleine, habt nur viel Geduld und lange Beine. Geht immer nur in diese Richtung, dann findet ihr den Hof auf einer Lichtung." Damit weist Krickebein in eine Richtung auf die Berge zu. Die Gruppe verabschiedet sich und geht auf den Fluss zu, dieser erweist sich aber als ein reißendes Gewässer.

Georg
Der Fluss stellt sich als reißendes Gewässer heraus.
Gabrok, stellt niedergedrückt fest: "Mit unserem Wagen kommen wir da nie hinüber."
Alkermes beruhigt ihn: "Erstens müssen wir nicht genau an dieser Stelle den Fluss überqueren. Zweitens, nicht alle Waren dieser Gegend werden per Schiff über die Nordsüdroute transportiert. Allein, weil die Küste hier vielerorten zu Steil ist um einen Hafen zu bauen. Folglich drittens, wird es an diesem Fluss eine Brücke geben. Und viertens, wies und Krickebein den Weg Richtung Berge zu nehmen. Dies werden wir tun."
Dem Flusslauf entgegen Richtung Mittelgebirge kommt man nur mühsam voran. Die Wege durch Wasserkant sind steinig. Beharrlich schleift die raue Seeluft die Gefährten. Das triste Grau der blanken Felsen wird unterbrochen, von dunkelgrünen Moosen, vernarbten Wiesen und kleinwüchsigen Sträuchern. Abraxa gibt in einfachen Worten die Geschichte der Elben über dieses Land wieder: "Einst hinterließen durchziehende Menschen kahlen, ausgelaugten Boden. Diejenigen, die blieben, nannten sich fortan Nene'Ad und schändeten große Teile der Wälder, als sie die Seefahrt für sich entdeckten."
Alkermes: "Unzweifelhaft gelangten die Nene'Ad jedenfalls durch Schiffbau, Schifffahrt und Handel zu Wohlstand. Und dies trotz der Schwierigkeit an dieser Steilküste viele Häfen zu Errichten und zu Betreiben. Sie befahren die große Handelsroute von Neander über Smöhre, Tauh'Eff und Brööd bis hinunter nach Tojo'Hata." Alkermes schaut über seine Schulter zurück Richtung Meer. Ein Schiff am Horizont zieht langsam vorüber. "Ach, wieviel unbeschwerlicher könnte unsere Reise als Passagier eines Schiffes jetzt sein."
Gabrok: "Seht! Das Schiff hält genau auf die Küste zu. Ist dort ein Hafen?"
Abraxa:" "Ja! Aber ich glaube nicht, mein Freund Gabrok, dass das ein Ort für uns sein sollte.
"Wieso, was ist mit diesem Ort," Gabrok sieht Abraxa mit hoch gezogenen Augenbrauen an, "ist er -- verflucht?"
Ein Schmunzeln zeigt sich auf Abraxas Lippen: "Nein. Nu ja, jedenfalls nicht direkt. Es ist eher das Fehlen vor Recht und Gesetz, das dort regiert und ihn zu keinem Ort für uns werden lässt."

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