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Madagaskar (die viertgrößte Insel der Erde) ist ein Paradies für kleine
Saurier. Die afrikanische Insel beherbergt über ein Drittel der weltweit 160
bekannten Chamäleonarten. Der "Erdlöwe" so die Übersetzung der griechischen
Bezeichnung, scheint ein Fabelwesen aus einer längst vergangenen Welt zu sein:
Seine Augen peilen in völlig verschiedene Richtungen, sein Gang erinnert uns an
den Wiegeschritt eines Tangotänzers und nicht zuletzt steht es in dem Ruf jederzeit
farblich mit seiner Umgebung verschmelzen zu können. Doch die Vermutung, dass sich
die Tiere beliebig färben können, ist schlicht falsch. Sie bleiben immer im
Farbspektrum ihrer Art. Ein Riesenchamäleon hat beispielsweise nur weißliche bis
bräunliche Tönungen - die Farben seiner madagassischen Wüstenheimat. Das
Pantherchamäleon dagegen, das im Tropenwald der Insel lebt, ist grün. Außerdem
verfärben sie sich weniger aus Gründen der Tarnung, sondern vielmehr, um
Geschlechtspartner anzulocken oder Rivalen zu beeindrucken. Paarungsunwillige
Weibchen, die von einem sexlüsternen Männchen bedrängt werden, können beispielsweise
im wahrsten Sinne des Wortes "vor Wut rot anlaufen", konkurrierende Männchen
dagegen sich schwarz ärgern. So farbenfroh die Chamäleons bei Tag sind - nachts
wenn es kalt ist, bleiben sie blass. Denn niedrige Temperaturen verhindern jede
Art von Verfärbung. Taucht die Sonne auf, werden die Tiere erst ganz dunkel, um
die Sonnenstrahlen besser anziehen zu können. Später, wenn die Hitze sie schwitzen
lässt, wechseln sie zu einer helleren Farbe. Verantwortlich für das beeindruckende
Farbspiel sind bewegliche Zellen, die zwischen Leder- und Oberhaut sitzen und
von denen jede einzelne über einen kleinen Raum mit eigenen Pigmenten herrscht.
Zum Beispiel über Karotin für die verschiedenen Rotabstufungen oder Melanin für
die dunkleren Farben. Übrigens verhält es sich mit den Farbmustern der Chamäleons
wie mit Fingerabdrücken: Sie sind alle Einzelstücke.
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