Können die Niagarafälle zufrieren?
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Einem "lauten Getöse" beim Ontariosee folgte im Jahre 1678 der französische
Missionar, Pionier und Schriftsteller Louis Johannes Hennepin - und entdeckte so
flussaufwärts die Niagarafälle. Hier stürzen auf dem Weg vom Erie- in den Ontariosee
jede Minute Wassermassen herab, mit denen man 150 Olympia-Schwimmbecken füllen
könnte. Doch am Morgen des 29. März 1848 passierte das Unglaubliche, die Bewohner
der Stadt Niagara Falls, direkt bei den Fällen, glaubten ihren Ohren nicht zu
trauen. Denn es war still. Von dem "lauten Getöse" war absolut nichts mehr zu
hören. Die Frauen und Männer strömten auf die Straße. Und konnten kaum glauben,
was sie an der Felswand vor ihrer kleinen Ansiedlung sahen: eine bizarr-schöne,
gigantische Eisskulptur. Die Niagarafälle waren zugefroren, zum ersten und bisher
einzigen Mal, seit Menschen Aufzeichnungen führen. Wie konnte das geschehen?
Immerhin bedeutet das indianische Wort "Niagara" soviel wie "donnerndes Wasser",
und die Fälle mit 790 Meter Breite auf der kanadischen und 350 Meter auf der
amerikanischen Seite gelten als die Drittgrößten der Welt*. Ursache für das bislang
einmalige Naturschauspiel an den Niagarafällen war ein Eisstau im Oberlauf des
Niagara River. Große Eisschollen hatten sich gebildet und ineinander verkeilt und
ließen kaum noch Wasser durch. Und dieses geringe Wasservolumen, das noch über die
Kammlinie der Felswand in Richtung Ontariosee tröpfelte, erstarrte schließlich bei
minus acht Grad. Die Bevölkerung überwand ihre Verblüffung schnell und ging auf
Entdeckungstour in das tiefe Becken des sonst unzugänglichen Fallbereichs. Dort
fanden sie historische und archäologische Artefakte, Säbel und Musketen aus dem
amerikanischen Bürgerkrieg. Etwa dreißig Stunden lang herrschte in und um Niagara
Falls der Ausnahmezustand. Dann setzte das vertraute, gischtstiebende Donnern der
Fälle wieder ein.
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