Glandorf

Familienwappen
Beckmann

Familienstamm von
Theodor Franz Bernhard Beckmann sen.
49219 Glandorf

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Aufzeichnungen von Bernhard Beckmann sen.

Ganz im Süden des Kreises Iburg liegt das schöne Kirchspiel Glandorf, überaus reich an geschichtlichen Erinnerungen. Schlank ragt der alte Kirchturm empor. Seine meterdicken Mauern widerstanden sieben Jahrhunderte allen Stürmen, sie erzählen von stillen und sonnigen Tagen, von rauhen und blutigen Kriegszeiten, vom steten Wechsel der Zeit.

Schon in den ersten Jahrhunderten war die Gegend, wenn auch nur spärlich besiedelt. Bei Kolon Winterberg in Averfehrden fand man 1872 ein altgermanisches Gräberfeld. Einzelurnen mit Knochenresten und Brandstellen wurden auf dem Donnerbrink ausgegraben und die ersteren im Heimatmuseum des Kreises sichergestellt.

Älteste Urkunden gehen bis ins zehnte Jahrhundert zurück. 970 wird der Name Glandorf zuerst erwähnt, wo der Besitzer des Helfer Hofes in Lienen das Recht besaß, 30 Schweine und einen Eber in die Eichelmast der Glandorfer Mark zu treiben.

30 Vollerben mit nicht 500 Seelen wohnten um 1000 auf den sandigen Höhen. Die Niederungen waren vollständig versumpft und vermoort. Bis 1800 holten die Bewohner Jahr für Jahr ihren Torf und ihre Stallstreu hierher, dann war das Moor abgebaut und das gewonnene Neuland wurde in den Markenteilungen 1793 bis 1806 von den Eingesessenen verlost.

Bis 1200 siedelten sich 51 Halberben an, damit stieg die Bevölkerung auf über 1000. Um das Jahr 1500 waren 69 Erbkötter selbständig geworden. Glandorf zählte 218 Häuser und 1950 Einwohner. 85 Markkötterfamilien kamen bis 1600 hinzu. Von 1655 an sind die Geburten- und Sterberegister geführt. 1665 wohnten in Glandorf 204 Familien mit 2175 Einwohnern. 1790 finden wir 240 Häuser und 2811 Einwohner. Im Schnitt also 12 Personen in der Familie.

Weiter stieg die Bevölkerungszahl. Im Jahre 1832 sind es 3538 Bewohner und um 1840 ist der vorläufige Höchststand mit 3741 Seelen erreicht. Durch Abwanderung nach Amerika (441 Bewohner) und durch Abzug nach den Städten (143 Einwohner) sinkt die Bevölkerungszahl bis 1890 auf 3188, dann steigt sie wieder gleichmäßig an. 1900 umfaßt die Samtgemeinde 3326 Seelen, 1929 - 3900, 1939 - 4000 Einwohner. Nach der Aufnahme der Evakuirten und Flüchtlinge wohnen in Glandorf über 6000 Menschen.

Die Samtgemeinde umfaßte früher die Bauerschaften Glandorf, Averfehrden (früher Narendorf), Schwege, Sudendorf, Westendorf , Schierloh, Ostendorf (jetzt Mersch) und Laudick. Laudick und Mersch gehören jetzt zur Ortsgemeinde Glandorf. Das Gut Oedingberge war einst ein münsterischer Schultenhof, der nach einer Grenzregulierung zwischen Osnabrück und Münster nach Glandorf gekommen ist.

In den ersten christlichen Zeiten mußten die Bewohner des Kirchspieles nach Remsede zur Kirche. Dann wurde Glandorf eine Filiale von Laer. Nach der Volksüberlieferung soll schon in diesen Jahren in Westendorf, beim Bauer Lehmkuhl eine kleine hölzerne Kapelle erbaut sein.

Etwa um 1200 wurde das erste Gotteshaus aus Laerschen Steinen auf der jetzigen Stelle errichtet. Der Unterbau des Turmes stammt noch aus dieser Periode. Zwischen 1275 und 1285 wurde Glandorf eine selbstständige Pfarre. 1566 erbaute die damals wohlhabende Gemeinde ein neues Gotteshaus. Das alte Gebäude wurde verlängert und um sechs Meter verbreitert. 1636 brannten Schweden die Kirche nieder, doch schon in demselben Jahre begann man mit dem Wiederaufbau. Da warf 1653 ein starker Sturm das Dach der Kirche auf das durch den Brand schadhaft gewordene Gewölbe, so daß es einfiel. 1820 wurde das Gotteshaus abermals um sechs Meter verbreitert und vollständig erneuert, nur der Turm blieb stehen, doch wurde dieser 1934 erhöht und neu ausgebaut.

Der Friedhofsplatz an der Kirche war in den ältesten Zeiten bedeutend größer. Im Mittelalter wurde er eingeengt und mit einer vier Meter hohen Mauer umgeben. Zwei Tore gewährten Einlaß. Innerhalb der Mauern erbaute man im Laufe der Zeit die vier Kirchhöfer und zwölf Kirchhofspeicher. Das Haus des Kirchhöfers Dirk Stahl, später August Wibbelsmann, ist das Geburtshaus des 1858 geborenen, weitbekannten Professors Franz Jostes.

Auf dem Kirchhofplatz ruhen im Schatten der gewaltigen Linden über 35000 unserer Vorfahren. Er war früher mit einem hölzernen Stankett eingezäunt. Leider sind die ältesten Aufzeichnungen bei dem großen Schwedenbrand 1636 vernichtet. Doch von 1655 an wurden die Kirchenbücher lückenlos geführt.

Der Tod forderte ganz andere Opfer als heute. So waren die Jahre 1719 bis 1731 ausgesprochene Seuchenjahre. Einer Geburtenzahl von 967 Personen stehen 1150 Sterbefälle gegenüber. Die Pocken und die Ruhr forderten Jahr für Jahr große Opfer. 1812 starben 173 Personen. Darunter waren 62 Kinder im Alter von 1 bis 5 Jahren und 35 im Alter von 5 bis 20 Jahren. Welch ein Jammer muß in diesen Zeiten im Dorfe geherrscht haben.

Als am 25. Oktober 1648 von der Rathaustreppe in Osnabrück der Westfälische Friede verkündet wurde, atmeten die Bewohner wieder auf. Unendlich viel hatte das Land gelitten. Die Einwohnerschaft unseres Ortes war um die Hälfte gesunken. Erst waren es die Abgeben, Steuern ohne Ende, Kopfschatzsteuern, Viehschatzungen, Erbschatzungen, Türkenschatzungen, monatliche Reichsschatzungen und Beihilfen usw., die das Volk in Armut brachten.

Seuchen forderten ihre Opfer, so 1574, 1595 und 1625 die Pest. Mißernten und Hungersnöte kamen hinzu (1529, 1579, 1580 und 1586), dann begannen die Truppendurchzüge und Plünderungen. Phillipp Magnus überfiel den Ort 1534, nun ging es laufend weiter, Jahr für Jahr, zehn, bald zwanzig Durchzüge und Erpressungen sind keine Seltenheit. Bald waren es die Spanier, bald staatliche Truppen, bald Räuberbanden, bald Einzelgänger. Noch schlimmer war es in den Jahren 1606 bis 1609. Und dann begann der dreißigjährige Krieg. Wieder Durchzüge, Kontributionen, Plünderungen ohne Ende. Christian von Halberstadt und Tilly durchzogen den Ort. 1625 brach die Pest aus. 1631 kamen die Schweden. Noch heute erzählt man im Volksmund, wie die Unholde auf dem Schultewerthschen Hofe ein Mädchen kreuzigten und eine andere Tochter über dem Herdfeuer erstickten, wie 1636 das ganze Dorf abgebrannt wurde und die Kirche durch brennende, fliegende Speckseiten Feuer fing und ausbrannte. So wurden die Zeiten bis 1648 immer trüber und die Gemeinde war total verarmt, aber sie brach nicht zusammen. Niedersächsische Zähigkeit, treuer Fleiß und stete Sparsamkeit waren der Ansporn zu neuem Aufbau, wenngleich einzelne Höfe noch bis ins 19. Jahrhundert mit Schulden belastet waren.

Der siebenjährige Krieg 1756 bis 1763 brachte dem Dorf viele Truppendurchzüge, während die Städte mehr in Mitleidenschaft gezogen wurden. Besonders das Handwerk hatte schwer zu leiden, so daß z.Bsp. in Osnabrück eine gewöhnliche Tischlerarbeit nicht mehr zu haben war, und diese in Glandorf oder Essen ausgeführt werden mußte. Die napoleanischen Kriege brachten außerordentlich viele Durchzüge und Einquartierungen. Das Gut Bohlen hatte im Sommer 1813 schon 264 Mann Einquartierung, der Pastor Ossenbeck bis 1809  472 Mann. Sieben Glandorfer starben in den Freiheitskriegen den Heldentod, 1870 - 71 waren es 12, im ersten Weltkrieg 156 und im letzten Kriege weit über 200 Söhne der Heimat.

Der Mittelpunkt des Ortes ist der Thieplatz. Früher lag er etwa einen Meter tiefer. Der alte Dorfbrunnen war offen und mit einer Mauer umgeben. An seiner Südseite stand der Schandpfahl. In der Löwenherberge (jetzt Stapel) und in der Adlerherberge (jetzt A. Hälker) übernachteten die durchreisenden Gesellen. In Kellinghausens Garten tagte das Freigericht, hier war der Stuhlgarten. Auf dem Averfehrdener Esch stand der Galgen des Glandorfer Freigerichtes. Das Gefängnis in dem alten Högemannschen Speicher war noch lange erhalten.

Der letzte Weltkrieg zog auch unseren Ort, trotz seiner Abgeschiedenheit, stark mit in das Kampfgeschehen ein. Im Gebiet der Samtgemeinde fielen 527 schwere Bomben. Brandplättchen in großer Zahl an 17 Stellen, Brandbomben an fünf Orten. 71 Benzintanks fielen vom Himmel, 17 trafen den Ort. Zehn Flugzeuge und vier Sperrballone wurden abgeschossen oder mußten notlanden. Über 70 Tieffliegerangriffe auf den Landstraßen sowie auf die arbeitende Bevölkerung sind zu verzeichnen. Es gab Tote und viele Verwundete. Großer Schaden enstand am zweiten Ostertage 1945, als eine amerikanische Panzerspitze von 26 Panzern den Ort erreichte, der nur von wenigen Soldaten gehalten werden sollte. Der große Bauernhof Schräder-Flake mit seinen Stallungen brannte ab. Wördemanns, Lehmkuhls und Peters Wohnhäuser, die alten Pferdeställe von Kellinghausen, die Scheunen der Brennerei Jostes, sowie Gülker-Forsthoffs Scheune wurden ein Raub der Flammen. Viele Häuser wurden durch Volltreffer beschädigt, auch das Kirchendach erhielt einen Einschuß. Der aufopfernden Tätigkeit der Glandorfer Feuerwehr ist es zu verdanken, daß nicht der gesamte Ort niederbrannte.

Glandorf machte infolge seiner abgeschiedenen Lage und als Ruheort für den Durchgangsverkehr eine besondere Entwicklung durch. Große Industrien entstanden nicht. Das Seilerhandwerk gelangte zu großer Blüte. Von drei einst bestehenden Blaufärbereien hat sich die chemische Reinigungsanstallt von Karl Maag zu einem bedeutenden Betrieb entwickelt. Tischlereien liefern wertvolle Arbeiten bis ins weite Hinterland. Die Brennerei von Schierhölter in Averfehrden wurde 1765 gegründet, die von L. Jostes im Jahre 1824. Auf dem Schierhölterschen Hofe entstand nach dem letzten Kriege die chemische Fabrik Schiwa. Der Landwirtschaftliche Konsum-Verein von 1897 führt jetzt den Namen Bezugs- und Absatz-Genossenschaft. Die Molkerei ist zu einem Großbetrieb ausgebaut.

Noch vieles wäre zu erzählen aus der Geschichte des Dorfes, aus alten, geschichtlichen Zeiten, aber auch aus der jüngsten Vergangenheit, von altem Brauchtum und von alten Sitten, vom Handel und Verkehr, vom Salzschmuggel und von den Hollandgängern, von alten Bauerngeschlechtern und von tüchtigen Männern, aber auch von Glandorfer Originalen. Wahrlich, Glandorf kann stolz auf seine Geschichte sein.

Wer aber seine Heimat liebt, der lerne sie kennen.


Glandorfs Entwicklung im letzten Vierteljahrhundert.

Dominierend ist heute in Glandorf das mittelständische Gewerbe. Von der Kornbrennerei über das Bauunternehmen bis zum Zimmermann finden qualifizierte Handwerker und Geschäftsleute ihr Auskommen. Das Bild wird vervollständigt durch Einzelhandelsgeschäfte, Banken und Gastronomiebetriebe. Größter Arbeitgeber, im Ortsteil Averfehrden der Gemeinde Glandorf, ist mit rund 440 Beschäftigten die "Schiwa" in der Gruppe Fresenius als pharmazeutischer Betrieb. Auf dem Haarkamp bietet die Gemeinde Flächen für Gewerbe- und Industrieansiedlungen an.
Die früher hauptsächlich von der Landwirtschaft und dem Handwerk geprägte Südkreisgemeinde hat sich zum interessanten Standort für Handel und Gewerbe "gemausert". Die geographische Lage, umgeben von Heilbädern im Städtedreieck Osnabrück-Münster-Bielefeld, machte die Entwicklung möglich.
Gutes Handwerk setzt eine gute Schulbildung voraus. Das hat man in Glandorf schon frühzeitig erkannt. Darum wurde weder im Dorf noch in den Bauerschaften an Schulbauten und Lehrergehalt gespart. Schon im frühen Mittelalter muß es in Glandorf eine Lateinschule gegeben haben; denn eine ganze Reihe von Geistlichen, Juristen und Lehrern ging von hier in das Osnabrücker- und benachbarte Münsterland.
Jetzt hat Glandorf eine Grundschule in Schwege und Glandorf, eine Hauptschule in Glandorf und eine Orientierungsstufe in Glandorf mit insgesamt 592 Schülerinnen und Schülern. Weiterführende Schulen stehen in Bad Iburg, Georgsmarienhütte, Ostbevern und Warendorf zur Verfügung.
Die Gemeinde ist 59,93 qkm groß und hat 6.365 Einwohner. Die Bevölkerungsentwicklung stieg in den letzten 5 Jahren allein um 500. Nicht nur der Geburtenüberschuß, sondern auch ein positives Wanderungssaldo trugen dazu bei.
Glandorf liegt am Schnittpunkt der Bundesstraßen 51 und 475, fast gleich weit von den Universitätsstädten Osnabrück, Münster und Bielefeld entfernt. Glandorf besitzt mit dem Theresien-Hospital ein modernes Krankenhaus, ein nach neuestem Stand eingerichtetes Altenwohnheim, drei Kindergärten, Sporthallen, Sport- und Tennisplätze und ein modernes Hallen-Gartenbad mit Sauna und Solarien. Der Flughafen "FMO" Münster-Osnabrück ist nur 20 km entfernt. Ausgebaute Rad- und Wanderwege und viel Grün bieten Möglichkeiten zur sinnvollen Freizeitgestaltung.
Preisgünstige Wohnbauflächen verhelfen Glandorf immer mehr zu einer attraktiven Wohngemeinde. Familienfreundliche Sozialklauseln bei der Festsetzung von Erbpachtzinsen für Wohngrundstücke bis zu 100 % Ermäßigung tragen hierzu bei. Neue Wohngebiete in Glandorf und Schwege sind ausgewiesen.
Im Rahmen der Gemeinde- und Gebietsreform mußte Glandorf im Jahre 1972 eine "Zwangsehe" mit der Nachbargemeinde Laer (heute Bad Laer) eingehen. Nach neun Jahren fruchtbaren, gemeinsamen Arbeitens und Verwaltens wurde dieser Zusammenschluß, nicht zuletzt aufgrund des tatkräftigen Einsatzes des damaligen Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten August Knemeyer rückgängig gemacht:
Glandorf war wieder eine selbstständige Gemeinde.
Das war ein Grund für die Glandorfer, am 1. Mai 1981 auf dem Thie, im Beisein des Landrates Josef Tegeler und des Oberkreisdirektors Wolfgang Kreft, des MDB Reinhard von Schorlemmer und der Räte aus Bad Laer und Glandorf, ein rauschendes Fest zu feiern.
Liebenswert, lebendig und leistungsfähig präsentiert sich heute die Gemeinde Glandorf. Wohnen in Glandorf bedeutet ein Stück Lebensqualität, ohne den Bezug zur Landschaft zu verlieren. Das Freizeitangebot lebt vor allem von der intakten und regen Vereinsstruktur. Die Bandbreite der Vereine reicht von der Abstinenzler-Gruppe über die Schützenvereine bis zu den "Naturfreunden". Ob Trachtenkreis oder Blaskapelle, Jagdhornbläser oder Gesangvereine, sie sind beliebt und bieten volkstümliche Dorfkultur.
Wer Glandorf besucht, sollte nicht versäumen, die alte Windmühle zu besuchen. Auch sollte man nicht versäumen, das Naturschutzgebiet "Vennepohl" in der Sudendorfer Heide aufzusuchen. Es handelt sich um ein urtümliches Niederungsmoor, das 1949 als Naturdenkmal erklärt und 1954 unter Naturschutz gestellt wurde.
Von Mitte April bis Ende Juni wird von zahlreichen Landwirten frisch gestochener Spargel ab Hof verkauft. Auf den humosen Sandböden gedeiht das "königliche Gemüse" besonders gut. Glandorf ist daher auch als Spargelort bekannt.