Teletext im öffentlich rechtlichen Fernsehen

 

Ein Referat von Simone Dorscheid und Clemens Weins

 

1. Einleitung

 

In Zeiten des multimedialen Internets, das heutzutage fast überall genutzt werden kann und dem User eine Fülle von Bildern, Videos, Texten und Tönen per Mausklick  bietet, wirkt der Videotext mit seinen eingeschränkten Möglichkeiten fast schon ein bisschen altmodisch. Dennoch erfreut er sich immer noch einer großen Beliebtheit und wird von vielen Menschen als Zusatzangebot zum Fernsehprogramm genutzt. Grund genug, sich einmal genauer anzuschauen, wie der Videotext im Einzelnen konzipiert ist. In dieser Arbeit wollen wir uns mit den Videotextangeboten der öffentlich-rechtlichen Anbieter beschäftigen.

Anhand exemplarischer Einzelanalysen wollen wir aufzeigen welche Inhalte die ARD-Anstalten und das ZDF bieten, wie die Tafeln strukturiert und graphisch gestaltet sind sowie auch kritisch Stärken und Schwächen beleuchten. Um unsere Urteile zu belegen, werden wir uns Texte, bzw. Meldungen zum gleichen Thema von verschiedenen Anbietern anschauen und diese einander gegenüberstellen.

In einem zweiten Schritt sollen Rückschlüsse auf die angepeilten Nutzergruppen gezogen werden. Einzelfragen, die innerhalb des folgenden Analyseteils beantwortet werden sollen, sind folgende:

 

Wie ist die Übersichtstafel auf Seite 100 gestaltet?

Welche Themenschwerpunkte sind erkennbar?

Wie ist die Gewichtung von Welt- und Regionalnachrichten sowie von Sportmeldungen?

Welchen Stellenwert haben Service-Themen und eher bunte Meldungen?

Inwiefern wird der Videotext auch als Darstellungsplattform für den jeweiligen Sender bzw. für das jeweilige Programm genutzt?

Wie gut ist die Benutzerfreundlichkeit des Angebots?

 

Natürlich sind wir uns darüber bewusst, dass wir im Rahmen dieser Proseminararbeit keine umfassende Analyse jedes einzelnen Angebots durchführen können – wir können aber eine grobe Übersicht des öffentlich-rechtlichen Textangebots liefern und dabei Tendenzen aufzeigen. Die folgenden drei Kapitel der Arbeit, die sich mit Einzelanalysen beschäftigen, fassen jeweils Angebote zusammen, die aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung des jeweiligen Fernsehprogramms Ähnlichkeiten aufweisen: Im ersten sollen die Textangebote vom ZDF und von „Das Erste“ behandelt werden. Sie wenden sich an einen überregionalen Nutzerkreis. Im zweiten Analysekapitel werden die regionalen Sender behandelt und im letzten die Videotexte von den drei Spartensendern Arte, 3Sat und Kinderkanal.

 

2. Die Überregionalen

a)     Das Erste / ARD

b)     ZDF

3. Die Regionalen

a)     BR

b)     MDR

c)      NDR

d)     SR

e)     WDR

4. Die Spartenprogramme

a)     3sat

b)     Arte

c)      Kika

5. Zusammenfassung / Schluss / Synthese

 

 

2. Überregional

a) ARD und ZDF

 

Beim anwählen der Teletextseite 100 der ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) erscheint, wie jeder Teletextnutzer weiß, die Programmübersicht. Als Überschrift dieser Seite stehen der Name des Anbieters und die Form des Informationsmediums „ARD TEXT/Teletext im Ersten“. Darunter werden dem Leser alle wichtigsten Themen des Tages aus verschiedenen Fachbereichen in Form von Schlagzeilen übermittelt, die zentral auf der Seite zu finden sind. Zu jeder Schlagzeile gehören die entsprechenden Seitenzahlen, auf denen die genaueren Informationen (themenspezifisch) zu finden sind. Doch so läuft es nicht nur auf der Seite der ARD ab. ZDF, Arte, KiKa, der SR und viele andere öffentlich rechtliche Anbieter gestalten ihre Seite, je nach Themenschwerpunkt des Senders, nach diesem Muster. 

Die Teletexte der öffentlichen rechtlichen Anbieter spiegeln in der Regel deren Programmschwerpunkte wieder und richten sich somit an ein spezielles Publikum. Wir wollen nun mit den ersten zwei Fernsehsendern ARD und ZDF beginnen und die Schwerpunkte ihrer Teletexte erörtern.

Zum Einstieg schadet es nicht zu wissen, dass der „Videotext […] in der Bundesrepublik seit dem 1.6.1980 zunächst im Rahmen eines mehrjährigen Feldversuchs von ARD und ZDF angeboten [wurde]. Vom 1.1.1990 bis 31.12.1999 haben ARD und ZDF einen gemeinsamen Videotext im Regelbetrieb ausgestrahlt.“ Durch einen Streit der Sender kam es jedoch zu Diskrepanzen, die dafür Sorgten, dass die ARD und das ZDF unabhängig voneinander ihre Teletexte gestalteten. Dennoch sind viele Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Themenschwerpunkte zu erkennen.

 

Beide Sender legen auch heute noch größten Wert auf Seriosität. Dementsprechend sind die Themenangebote auf der Teletextseite der ARD oder des ZDFs. Die Schwerpunkte liegen bei Nachrichten, dem Sport und Wetter. Bei der ARD lässt sich der Grund zurückführen auf die Gründerzeiten ab 1959. Der damalige Programmschwerpunkt war die Tagesschau im Ersten, die die Elemente Nachrichten aus aller Welt, Sport und das Wetter enthielt. Später kam noch Lotto/Toto hinzu. Diese Tradition hat sich bis heute nicht geändert, was sich auf der Videotextseite der ARD widerspiegelt (Nachrichtentext = Tagesschautext) .Das ZDF, was, wie schon erwähnt, in Zusammenarbeit mit der ARD die Teletextseite gründete, hat sich nach der Trennung 1999 ebenfalls nicht von diesen Schwerpunkten abbringen lassen.

 

Das ZDF und die ARD sind für ihre Genauigkeit  bei nachrichtlichen Texten und Sportberichten bekannt. Die Texte sind meist gut zu verstehen und enthalten alle wichtigen Informationen, die ein Nachrichten-  bzw. Sporttext benötigt (Wie, Wer, Wann, Wo, Warum).  Zudem erfüllen sie das Kriterium: So ausführlich wie nötig - so kurz wie möglich.

 

 

 

Ein Nachrichtentext der ARD über die Niederlage des US-Präsidentschaftskandidat John Kerry:

 

 

Hier ein Sporttext des ZDFs über die weiteren Verletzungen beim FC Bayern München:

 Kerry gesteht Niederlage ein

           

 Der demokratische US-Präsidentschafts- 
 kandidat Kerry hat US-Präsident Bush   
 angerufen, um ihm zum Wahlsieg zu gra- 
 tulieren.                           

 Zuvor hatte sich die Republikanische   
 Partei von Präsident Bush trotz des of-
 fenen Wahlergebnisses im Bundesstaat   
 Ohio zum Sieger erklärt.               

 Nach Auszählung der Stimmen von 48 Bun-
 desstaaten liegt Bush mit 254 Wahlmän- 
 nerstimmen knapp vor Kerry mit 252     
 Stimmen. Um zu siegen, muss einer der  
 Kandidaten mindestens 270 Stimmen auf  
 sich vereinigen. Unentschieden sind    
 auch noch New Mexiko und Iowa. 

Weitere Verletzungssorgen bei Bayern

 

Der deutsche Rekordmeister Bayern München muss im Heimspiel gegen Hannover 96 möglicherweise auf Willy Sagnol verzichten. Der französische Nationalspieler hatte sich in der Champions League gegen Juventus Turin (0:1) eine Verletzung am Oberschenkel zugezogen.

 

Magath müsste sich dann auf insgesamt zehn Spieler verzichten. Definitiv fallen die gesperrten Lucio und Thomas linke, die verletzen Jens Jeremies, Ze Roberto, Roque Santa Cruz, Andreas, Andreas Görlitz und Piotr Trochowski sowie die beiden Rekonvaleszenten Alexander und Sebastian Deisler aus.



   

a.1) Graphische Gestaltung von ARD und ZDF

 

An der Hauptseite des Teletextes lässt sich meist der Typ eines Senders erkennen.

 

Auf einem blauen Hintergrund erscheint der Text der ARD – in weiß. Um die Übersicht zu wahren, wird auf graphische Sperenzien verzichtet. Das einzige was graphisch auffallen soll ist das Logo der ARD („oben links“).

Das ZDF wirkt dahingegen etwas verspielter. Während die ARD sich auf zwei Farben besinnt, bedient sich das ZDF mit fünf, was die Seite konfus und unübersichtlich wirken lässt. Der Schwarze Hintergrund gestaltet die Seite düster, was der ARD durch das Blau besser gelungen ist.

In der unteren Hälfte des Teletextes blinken im Zehnsekundenrhythmus das Inhaltsverzeichnis und wichtige Schlagzeilen auf, was dem Zuschauer nicht unbedingt Übersicht verschafft.

 

 

 

 

 

 

a.2) Fazit

 

Die Teletextseiten der ARD und des ZDFs sind allgemeinen Übersichtlich, obwohl beim ZDF den Augen mehr zugemutet werden muss (Schwarzer Hintergrund etc).

An Aktualität und  Korrektheit von Nachrichten und Sportberichten sind den ersten beiden deutschen Sendern keinerlei Kritikpunkte anzurechnen.

ARD und ZDF will mit seinem Programmangebot, sowie der Art der Berichterstattung eine bestimmte Personengruppe ansprechen. Somit setzt das erste und zweite deutsche Fernsehen eine gewisse Allgemeinbildung Voraus.

 

 

 

 

 

Der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland gebührt ihren Namen daher, da alle Rundfunkanstalten Deutschlands zu einer Arbeitgemeinschaft vereinigt wurden. Gerade anhand des Teletextes lassen sich Parallelen zwischen den Regionalsendern und der ARD erkennen im Bereich der Themenschwerpunkte. Was sich logischerweise von dem Ersten Deutschen Fernsehen abgrenzt, sind die regionalen Themen die sich diese Sender nicht entziehen können. Unterschiede lassen trotz alledem nicht vermeiden, die im Laufe dieses Referats auch in Bezug auf die ARD und des ZDFs noch genauer erörtert werden.

 

 

 

3. Die Regionalen

 

 

a)  Der Bayrische Rundfunk (BR)

 

Beim öffnen der Hauptseite des BR – Textes können Rückschlüsse auf den Videotext der ARD gezogen werden. Ebenfalls seriös und sachlich tritt die Seite in Erscheinung. Dort werden ausschließlich Themen aus eigener Region aufgeführt, wie es jeder öffentlich rechtliche, regionale Sender seines Bundeslandes fabriziert.

Von den regionalen Sendern gehört der BR zu den Größten. Neben den Geschehnissen innerhalb Bayerns hat sich der Bayrische Rundfunk auf deutschlandweite – aber auch weltweite Nachrichten spezialisiert. Damit hebt er sich von einigen anderen Texten regionaler Sender ab, wie z.B. dem SR-Text, der sich ausschließlich mit regionalen Themen beschäftigt (dazu später mehr).

 

Für das Informieren über die Weltnachrichten als dritter Sender scheint es Gründe zu geben. Einer dieser könnte sein, dass der BR sich schon in den Sechziger Jahren für internationale Beziehungen stark machte. Der Bayrische Rundfunk war der erste Rundfunk, der ab dem 22. September 1964 im Fernsehen ein Sprachkurs anbot (italienisch).

Im selben Jahr wurde ein drittes Hörfunkprogramm zur Ausstrahlung von ARD-Sendungen für Ausländer eröffnet. Der BR lieferte dafür Ausstrahlung in Italienisch, Spanisch und Griechisch. Zudem versucht sich der dritte Sender von Bayern von allen anderen regionalen Rundfunkanstalten „abzuheben“.

Auch das Berichten aus dem Sport bleibt beim BR - Text nicht in der Region. Der Bayrische Rundfunk berichtet über Sport aus Deutschland und aller Welt.

 

Für den Servicebereich bietet der BR einen besonders guten Einblick. Schon auf der Hauptseite werden z.B. Haushaltstipps wie Rezepte und die Stellenangebote aufgeführt.

Der Bayrische Rundfunk stellt sich besonders ausführlich vor. Wie alle lokalen Sender hat man auch in Bayern Seiten im Teletext, wo man sich vorstellt. Doch fällt die hier besonders ausführlich aus. (Die Meinung des Schreibers kommt hier ein bisschen zum Ausdruck!!!)

 

Die inhaltliche Qualität des BR - Textes lässt keinerlei negative Kritik zu - akkurat und genau.

 

 

 

a.1)  Graphische Gestaltung

 

Die Farben blau, schwarz und weiß dominieren den Bayerntext. Durch die aufeinander abfolgende Farbkombination blau und schwarz wirkt die Hauptseite sehr übersichtlich. Während die Hintergrundfarbe Blau die Überschrift und das aktuelle Programmangebot präsentiert, ist die Farbe schwarz, jeweils dazwischen, den Schlagzeilen der Nachrichten und den wichtigsten Inhaltsangaben bestimmt.

 

a.2)  Fazit

 

Allein der Videotext des Bayrischen Rundfunks lässt Ruckschlüsse auf deren Organisation zu. Graphisch sehr übersichtlich, wie auch die Kategorisierung.

Als Besonderheit sind die Weltnachrichten und der Sport zu erwähnen, womit sich der BR von anderen Rundfunkanstalten inhaltlich absondert. 

 

 

 

b) WDR

 

Der West Deutsche Rundfunk konzentriert sich in seinem Videotext auf Nordrhein-Westfalen und berichtet in diesem geographischen Bereich über Geschehnisse in Sport, Nachrichten und Wetter.  Bei besonderen Anlässen werden auch weltweite Schlagzeilen gezeigt (z.B. Bush zum Präsidenten gewählt)

Eine Besonderheit des Videotextes stellt sich hier im Servicebereich. Sehr Übersichtlich wirkt die Seite 500, auf der von Stellenangeboten über Flughäfeninformationen bis zu Verkehrsinformationen vieles mehr zu finden ist. Dem Leser wird hier die Suche nach seiner Wunschinformation sehr leicht gemacht, da für jede Person ein mindestens ein persönlich interessanter Informationsbereich vorhanden ist.

 

 

 

b.1) Graphische Gestaltung

 

Schlicht und abgespeckt lässt sich die Seite des WDR beschreiben. Blau, Weiß und Schwarz sind auch hier wieder dominierend. Das eigene Fernsehzeichen erkennt man beim zweiten Hinsehen in der linken Ecke der Hauptseite (Zum Thema Schlicht!!!). In Gelb werden die Seitenzahlen angezeigt, was bei einer Seitensuche für eine gute Übersicht sorgt.

 

 

 

b.2) Fazit

 

Der WDR – Text ist ein sehr benutzerfreundlicher Teletext und das Serviceangebot sehr gut ausgebaut. In der Graphik lässt sich das Motto schlicht, unauffällig,  aber übersichtlich erkennen, was den Text im Gegensatz zu vielen anderen sympathisch wirken lässt.

 

 

 

c) MDR

 

Der Mitteldeutsche Rundfunk „ […]enthält Informationen zu Politik, Wirtschaft, Kultur, liefert schwerpunktmäßig regionale Sport-, Wetter- und Serviceinformationen sowie umfangreiche Übersichten und Hinweise zum Fernseh- und Hörfunkprogramm […].“

Dieser öffentlich rechtliche Sender nennt man auch den „Ostsender“. Vorwiegend aus dem Osten Deutschlands berichtet der MDR, obwohl sein Name „mitteldeutsch“ groß im Namen steht.

Nachrichtlich berichtet der MDR regional über Sachsen, Sachsen – Anhalt und Thüringen. Aber auch deutschlandweite und Weltweite Nachrichten gehören zum Metier des MDR. Im Sport dennoch liegen die Themen gänzlich  innerhalb Ostdeutschlands.

Der Servicebereich wurde gut gestaltet. In vier Bereichen gliedert der MDR das „Zuschauerbonbon“: Haushalt, Gesundheit, Allgemeines und Kultur.

MDR intern heißt die Seite, die als Darstellungsplattform des Mitteldeutschen Rundfunks dient. Wirkt schlicht aber informierend.

 

c.1) Graphische Gestaltung

 

Graphisch ist die Teletextseite des MDR sehr auffällig gestaltet. Rot und Schwarz sind die dominierenden Farben, die dem Leser einen prägnanten Eindruck hinterlassen. Als erstes springt der Name des Senders direkt ins Auge.  Darunter fein säuberlich gegliedert, wie es jeder Sender der öffentlich rechtlichen Sender versucht, Nachrichten, Inhalt und das Fernsehprogramm.

 

 

c.3) Fazit

 

Die Seite des MDR ist sehr freundlich gestaltet. Durch die schillernd rote Farbe wirkt der Eindruck, dass man hier auf der richtigen Seite gelandet ist.

Gut gelungen auch das Serviceangebot.

Inkonsequent wirkt das Berichten der Nachrichten gegenüber dem Sport. Während der MDR zusätzlich Nachrichten aus aller Welt liefert, beschränkt er sich im Sport nur auf Ostdeutschland.

 

 

 

d) SR

Die Startseite des „Saartexts“ – so ist der Name des Teletextangebots des Saarländischen Rundfunks - ist in zwei Teile untergliedert: Hauptteil ist eine Art Inhaltsverzeichnis des Teletexts, das die Hauptrubriken enthält und auch die Nummer der jeweiligen Tafel(n). Dieser Teil nimmt etwa ein Drittel der Seite ein. Das untere Drittel bietet Informationen zum aktuellen Programm des „SR SÜDWEST Fernsehen“. Angegeben sind die zum jeweiligen Zeitpunkt laufende Sendung und die darauffolgende. Auch diese Sendungen sind mit Tafel-Nummern versehen.

Auffällig im Vergleich zu den anderen beobachteten Seiten wird bereits an dieser Stelle, dass der SAARTEXT keine aktuellen Nachrichten auf der Seite 100 bietet – bei fast allen anderen Angeboten, die wir untersucht haben, war das der Fall.

 

An erster Stelle findet sich die Rubrik „Nachrichten“, die – auch was die Tafelbelegung angeht – offenbar Priorität hat. Diese sind in Schlagzeilenform auf Seite 110 zu finden. Hinter jeder Schlagzeile findet sich wieder eine Tafelnummer, die man anwählen kann, um die gesamte Meldung zu lesen. Die Schlagzeilen sind mit sogenannten „Spitzmarken“ versehen – d.h., Ortsangaben am Anfang. Die Meldungs-Seiten selber verzichten dann auf die Spitzmarken und haben eine knappe Überschrift, die den Kern der Meldung wiedergibt, und weiterhin einen Meldungstext, der circa 10 bis 14 Zeilen umfasst. Die Nachrichten sind neutral formuliert, so dass die Meinung des Autors in den Hintergrund tritt. Häufig finden sich – wie bei Nachrichten üblich – Quellenangaben der Art „Nach Angaben von...“, die als Belege fungieren. Wenn wir im Folgenden von „Nachrichten“ oder „Meldungen“ sprechen, dann sind diese entsprechend der genannten formalen Merkmale – wir verzichten aus ökonomischen Gründen darauf, bei jedem Textangebot noch einmal neu zu beschreiben, was eine Meldung ist.

Thematisch handelt es sich bei den Nachrichten ausschließlich um regionale Informationen aus dem Saarland. Weltnachrichten sind im gesamten SAARTEXT-Angebot nicht zu finden. Zur angepeilten Nutzergruppe gehören also vor allem Menschen, die im SaarLorLux-Raum leben und den Videotext dazu nutzen möchten, sich darüber zu informieren, was in ihrer Region passiert ist. Auf Weltnachrichten wurde offenbar bewusst verzichtet, denn das zugrundeliegende Konzept scheint eher darauf ausgerichtet zu sein, dem Zuschauer eine schnelle Möglichkeit zu geben, sich über das zu informieren, was auch örtlich „nah an ihm dran“ ist.

Die zweite Rubrik, die auf der „Startseite“ angegeben ist, ist das Wetter – ab Seite 160 kann man es nachlesen – damit trägt der SAARTEXT dem Service-Aspekt Rechnung. Auch das Wetter ist auf das Sendegebiet des SR bezogen und bietet neben aktuellen Temperaturen auch die Aussichten, Angaben über Wasserstände und Ozonwerte. Die Rubrik „Service“ wird ebenfalls auf der Startseite angegeben, sie findet sich auf Seite 500: Themen, die dort behandelt werden, sind Tipps zu Haushalt und Garten, Stellenangebote, außerdem Veranstaltungshinweise, Verkehrslage und Informationen zu Bahn- und Flugverbindungen.

Weitere wichtige Rubrik, sie folgt an dritter Stelle auf der Startseite, ist der Sport – auch dieser Themenbereich konzentriert sich auf regionale Sportereignisse.  Die 300er-Tafeln widmen sich dem Fernsehprogramm, die 400er enthalten Informationen zu den vier Radioprogrammen des Saarländischen Rundfunks. Außerdem wird schon auf der Startseite auf die Tafel 470 verwiesen, die sich mit Informationen zum Saarländischen Rundfunk befasst und sich „SR Intern“ nennt. All diese Informationen sind gleichzeitig auch ein Mittel der Selbstdarstellung und der Bewerbung des Saarländischen Rundfunks – wir können  vermuten, dass dieser Aspekt beim Konzept des Saartexts auch von großer Wichtigkeit ist.

Graphisch beschränkt sich der Saartext auf wenige Farben und hat ein eher nüchternes Layout – im Vergleich zu aktuellen Teletexten kommerzieller Sender. Die Navigation ist relativ übersichtlich und geht schnell vonstatten – kleiner Nachteil ist, dass keine Meldungen auf der Startseite zu finden sind und dass man daher, um zur eigentlichen Meldung zu kommen erst einmal den Weg über eine Übersichtsseite wählen muss. Gerade wenn man bedenkt, dass heutige Text-Nutzer die Vorzüge und die Schnelligkeit des Internet gewöhnt sind, und entsprechend wenig Verständnis für „Ladezeiten“ aufbringen, könnte das ein „Abschaltfaktor“ sein. Positiv ist hingegen die thematische Ausrichtung: Der Teletext ist damit ein schnelles Informationsmedium für Menschen aus der SaarLorLux-Region, die über das Wichtigste aus ihrer Region informiert werden möchten.

 

 

e) NDR

Auch hier beginnen wir mit einem Blick auf die Startseite 100. Im oberen Drittel finden sich vier Weltnachrichten in Schlagzeilenform. Auffällig ist, dass es keine direkten Verweise zu den jeweiligen Meldungstexten gibt, sondern nur den Hinweis auf den Nachrichtenüberblick ab Seite 157. Dort sind die Meldungen nach thematischen Schwerpunkten geordnet. Diese  Form der Darstellung mutet etwas umständlich an. Hier drängt sich die Frage auf, warum man die Weltnachrichten auf der Startseite nicht schon dort mit Tafelnummern versieht – das würde die Navigation erheblich beschleunigen.  Die regionalen Nachrichten sind - getrennt von den Weltnachrichten - ab der Seite 109 zu finden und sind nach den Bundesländern, die zum Sendegebiet des NDR gehören, geordnet. Außerdem ist wieder eine Übersicht der verschiedenen Rubriken im zweiten Drittel und das aktuelle Fernsehprogramm im unteren Drittel zu sehen. Wie auch beim SR sind hier die Top-Rubriken Nachrichten, Wetter und Sport. Ein Angebot zu Servicethemen und Ratgebern lässt sich ebenfalls finden.

Die graphische Darstellung ist wiederum eher schlicht und sachlich und beschränkt sich auf nur wenige Farben und  Elemente. Was die Nutzbarkeit des Textes angeht, lässt sich sagen, dass manche Seiten etwas überladen wirken; zum Bespiel die Serviceseite 600, die aufgrund zu vieler dicht gedrängter Zeilen etwas schwierig zu lesen ist. Weiterer Kritikpunkt ist wiederum die Navigation bei den Nachrichten, die erst über den Umweg der Seite der Themenschwerpunkte bei den Weltnachrichten und über den Umweg der Seite der Bundesländer bei den Regionalnachrichten läuft. Wer also auf die Schnelle wissen will, was überregional und regional passiert ist, muss mit Schlagzeilen Vorlieb nehmen oder sich eben doch mehr Zeit nehmen und mehrere Seiten durchforsten.

 

 

4. Die Spartenprogramme

 

a) 3sat

Betrachtet man die Startseite 100 des Senders 3sat, findet man direkt unter dem Logo eine aktuelle Meldung. Diese bezieht sich jedoch auf den Bereich Kultur. Damit wird schon gleich deutlich, welche Zielgruppe von diesem Videotextangebot angesprochen werden soll: Menschen, die sich für Theater, Bücher, Kino und Musik interessieren. Sonstige aktuelle Meldungen sind nicht direkt auf der Startseite zu finden. Direkt im Anschluss wird ein Überblick über die einzelnen Rubriken gegeben. Dies sind: Nachrichten / Finanzen, Sport / Gewinnzahlen, Programm, Wetter /Reiseverkehr, Kultur / Kulturzeit, Forschung / nano und Unterhaltung / Service.

Unter der Übersicht ist ein dynamisches Feld, in dem wiederum Verweise zu den Themen aus einer Rubrik zu finden sind.  Dieses ändert sich alle fünf Sekunden und gleichzeitig färbt sich die Tafelnummer der jeweiligen Rubrik oben rot. Bespiel: Wenn die Nummer der Tafel, unter der Kulturthemen zu finden sind, rot gefärbt ist, erscheinen im unteren dynamischen Feld die Verweise Bühnen / Musik S.525 und Kulturzeittipps S. 580. Ganz unten auf der Startseite ist das aktuelle Fernsehprogramm eingeblendet. Dass der Name 3sat wegen drei Ländern entstanden ist, lässt sich natürlich auch im Videotext erkennen. Unter der Rubrik Nachrichten finden wir sowohl Meldungen aus Deutschland, aus Österreich als auch aus der Schweiz. Des weiteren ist hier eine Besonderheit, dass man EU-Nachrichten aufrufen kann, die jedoch nicht immer im Programm sind.

Inhaltlicher Schwerpunkt ist eindeutig die Kultur – dies entspricht auch der Ausrichtung des 3Sat-Fernsehprogramms. Zweites Relevanzkriterium für die 3Sat-Textmacher auch bei den Kulturmeldungen: Die Ausrichtung auf die drei Länder. Die Navigation geht relativ schnell – man könnte jedoch kritisieren, dass das dynamische Feld auf der Startseite von manchen Nutzern als zu unruhig empfunden werden könnte – aber das ist ein Problem, das man heute auch von vielen Internetseiten kennt. Dynamische Elemente machen das Angebot auf der einen Seite interessanter und lebendiger – auf der anderen können sie jedoch auch kontraproduktiv sein.

 

b) Arte

Auf dem oberen Drittel der Arte-Startseite findet man das aktuelle Fernsehprogramm, direkt darunter eine Übersicht über die Rubriken und am unteren Rand erscheint alle fünf Sekunden eine anderer Verweis auf verschiedene Rubriken. Auch die Themen der Rubriken, die auf der Startseite zu finden sind, zeigen sofort die Themenschwerpunkte auf die sich dieses Teletextangebot konzentriert: Neben den Weltnachrichten und dem Wetter folgen direkt im Anschluss die Rubriken Zuschauerpost, Kino-Start und CD-Tipps. Die Zielgruppe dieses Videotextangebotes sind kulturell interessierte Menschen, die im Videotext nicht nur Meldungen erfahren möchten, sondern auch Interesse an kulturellen Servicethemen haben. Hier lassen sich kurze Kino-Kritiken und kleine CD-Rezensionen finden. Dies ist eine Besonderheit, wenn man bedenkt, dass im Videotext üblicherweise fast ausschließlich Texte in Nachrichtenform erscheinen, die den Anspruch haben, ohne Wertung zu sein. Positiv ist unserer Meinung nach die Darstellung der Nachrichten-Überblicksseite 112 gelungen: Hier finden sich aktuelle Schlagzeilen, die jeweils unter der zugehörigen Tafelnummer angeordnet sind. Die Zahl ist dabei weiß auf rotem Grund geschrieben und erleichtert so die eindeutige Zuordnung zur Schlagzeile. Auffällig ist, dass (laut Angabe im Teletext) die Meldungen ausschließlich von der Nachrichtenagentur AFP stammen – offenbar verzichtet man bei Arte auf eine eigene Nachrichtenredaktion für das Textangebot und übernimmt die Meldungen direkt von der Agentur.

Das Design des Arte-Textes ist fast schon  minimalistisch – ein Blick auf die Startseite zeigt, dass hier verhältnismäßig wenig Text und verhältnismäßig viel weiße Fläche zu finden ist. Wir können vermuten, dass die Nüchternheit auch Teil einer gezielten Ansprache des kulturell interessierten Publikums ist, das kein Interesse an „Spielereien“ hat.

 

c) KiKa

Auf der Startseite des Kinderkanal-Teletexts erscheint zunächst in der rechten oberen Ecke das große KiKa-Logo in bunten Lettern. Darunter ist das Inhaltsverzeichnis zu finden, welches die Rubriken „KiKa LIVE“ , Programm, „Dies & Das“ sowie „KiKa-BRAIN“ enthält. Auf der linken Seite der Tafel wechseln diverse Verweise auf andere Seiten alle drei Sekunden. Über dem Hinweis befinden sich auch jeweils kleine Bilder, die mit dem Thema im Zusammenhang stehen. So kann man über der Rubrik „Wir wollen dein Rezept!“ einen Kochtopf sehen oder über dem Verweis zu „Grüße einmal anders“ einen Briefumschlag.  Am unteren Rand der Tafel ist wiederum der Titel der aktuell laufenden Sendung und der darauffolgenden eingeblendet. Schon die Strukturierung der Startseite lässt erkennen, dass sich dieser Text doch entscheidend von den bisher betrachteten abhebt. Nachrichten oder Sportmeldungen sind innerhalb dieses Teletextangebotes nicht zu finden. Man findet ausschließlich Themen, die besonders Kinder interessieren – auch dies eine Entsprechung zur Ausrichtung des Fernsehprogramms. Es lassen sich Seiten finden, die sich mit Rätseln, der Comic-Figur „Bernd das Brot“, Gewinnspielen, Kummerkasten und Sorgentelefon, Gute-Nacht-Geschichten etc. beschäftigen. Eine Übersicht über das Fernsehprogramm ist auch gegeben. Auffällig ist, dass man auf der Startseite Rubriken findet unter denen man sich als Erwachsener bzw. als nicht in das Fernsehprogramm Eingeweihter spontan überhaupt nichts vorstellen kann. Solch eine Kategorie könnte „KiKa Brain“ sein. Wirft man einen Blick auf die entsprechende Tafel, merkt man, dass es sich hierbei um ein Gewinnspiel für Kinder handelt, bei dem man einen Code knacken muss. Die sehr allgemein formulierte Rubrik „Dies & das“ enthält Rätsel, Spiel- und Buchtipps, die von Kindern eingereicht werden können, sowie Tafeln, auf denen Brieffreunde gesucht werden etc. Auch dies ist eine Besonderheit des Textes: Dadurch, dass die Kinder Buchtipps, Spielvorschläge und Annoncen für Brieffreundschaften bei dem Teletext zur Veröffentlichung einreichen können, wird der Text zum interaktiven Medium. Die Zielgruppe hat also Einfluss auf die Gestaltung und kann den Inhalt selbst mitgestalten. Auch die graphische Gestaltung des Textes lässt darauf schließen, dass diese Angebot besonders Kinder ansprechen soll. Es wird im Vergleich zu den anderen öffentlich-rechtlichen Teletextangeboten mit sehr vielen Farben gearbeitet, es sind viele kleine Bilder und auch Animationen vorhanden. Insgesamt gibt es – für Videotextverhältnisse (!) - viel Dynamik und Bewegung. Hier steht eher die Unterhaltung im Vordergrund als die Informationsvermittlung. Auch der Stil der Texte ist kindgerecht – kurze Sätze, einfache Sprache und möglichst griffige, jugendliche Formulierungen. Damit hebt sich der KiKa-Text deutlich vom nüchternen, nachrichtlich geprägten Stil ab, der durchgängig bei allen anderen Angeboten zu finden ist.

 

 

 

 5. Zusammenfassung                                                                                                   (SD)

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass viele Gemeinsamkeiten in den Videotextangeboten der öffentlich – rechtlichen Sender zu finden sind. Zum einen ist die Struktur der Texte oft sehr ähnlich: Nachrichten haben meist Vorrang gefolgt von Sportmeldungen und Programminformationen. Servicethemen und Ratgeber sind auch fast überall vertreten. Ein weiteres Kennzeichen aller öffentlich-rechtlichen Teletextangebote ist, dass in keinem Text Werbung vorhanden ist. Es wurde deutlich, dass die Angebote von ZDF und ARD sich an eine Zielgruppe wenden, die am aktuellen Zeitgeschehen interessiert ist, die sich eher für Politik als für Buntes interessiert. Ähnlich gilt dies – mit Einschränkungen – auch für die regionalen Sender. Sie haben vor allem gemeinsam, dass sie Informationen aus dem jeweiligen Bundesland oder den jeweiligen Bundesländern bzw. der jeweiligen Region bieten.  Oft finden sich hier auch interne Informationen des Senders wie das Hörfunkprogramm oder Infos über Veranstaltungen. Bei den regionalen Teletexten fällt auf, dass bei den Nachrichtenkriterien die politische Relevanz nicht so stark gewichtet ist wie bei den Texten von ARD und ZDF – Meldungen aus der Region decken in großem Maße auch nicht-politische Ereignisse ab, die die Menschen im Sendegebiet betreffen (etwa auch Verbrechen, Unfälle, sonstige Ereignisse).

 

Die Spartenprogramme haben ihren Videotext überwiegend auf eine eng definierte Zielgruppe ausgerichtet, die auch durch das Fernsehprogramm des Senders angesprochen werden soll. Besonders anschaulich ist das am KiKa-Text zu sehen, der sich in Anmutung und inhaltlicher Ausrichtung vollkommen an Kindern orientiert. Weiteres plastisches Beispiel dafür sind vor allem auch die „Kulturtexte“ 3Sat und Arte, bei letzterem fiel besonders auf, dass teilweise der neutrale Nachrichtenstil verlassen wird und CD- und Buchrezensionen zu finden sind.  Außerdem ist eine Besonderheit von Arte, dass es sich um einen zweisprachigen Text handelt – viele Angebote sind sowohl in Deutsch als auch in Französisch abrufbar.

Weiterhin haben wir festgestellt, dass bei den „Großen“ regionalen Sendern ein gewisses Bestreben besteht, auch Weltnachrichten abzudecken – Beispiele dafür sind NDR und BR, die sich beide nicht auf das Regionale beschränken, sondern auch das Themenspektrum behandeln, das vom ARD Text abgedeckt wird.

Sprachlicher Stil und Seriosität der einzelnen öffentlich rechtlichen Angebote sind unserer Meinung nach auf einem gleich hohen Niveau. Wirkliche Unterschiede zeigen sich, wie wir gesehen haben, in der Nutzerfreundlichkeit – d.h. der Navigation der einzelnen Texte: Hier ist es aber oft auch der persönliche Geschmack, der den Nutzer Dinge positiv oder negativ empfinden lässt. Als Hauptkritikpunkte haben wir genannt: teilweise ist die Farbwahl etwas düster geraten, so dass manchmal Seiten überladen und zu eng „bedruckt“ wirken und vor allem dynamische Elemente teilweise eine gewisse Unruhe auslösen. Weiterer Malus, der bei einigen Angeboten zu finden war: Manchmal sind Informationen nur über Umwege zu erreichen und die Navigation zu verschachtelt. Gerade bei den Top-Nachrichtenmeldungen, bei denen es auf Schnelligkeit und Aktualität ankommt, sollte so etwas nicht vorkommen. 

 

Unserer Meinung nach hat sich das System von ARD Text und ZDF Text bewährt, die Schlagzeilen der Topmeldungen an prominenter Stelle, an der Seite 100 zu bringen. Denn es ist davon auszugehen, dass Teletext neben der Information über das Fernsehprogramm vor allem auch zum schnellen Abrufen aktueller Meldungen genutzt wird.