Kapitel 4




Die Legende des Merlin

Der Merlin, Berater dreier Könige, Prophet, Magier und Weiser, ist eine besonders geheimnisvolle Gestalt innerhalb der Artus- Legende. Ein Kommentator hat ihn einen "Gott der alten Eingeborenenstämme Britanniens" genannt; seine Heimat in Maridunum war demnach gleichzeitig Schauplatz seines Kults. Andere haben ihn als Schamanen oder "wilden Mann" bezeichnet ,als einen inneren Wächter des Landes oder als einen Seher, dessen Prophezeiungen auch für unsere Zeit hohen Wert haben . Geoffrey von Monmouth (Pseudohistoriker des zwölften Jahrhunderts) berichtet, dass er in der Stadt Carmarthen als der Sohn einer walisischen Prinzessin geboren wurde. Ähnlich der Jungfrau Maria gab auch diese an, stets ein keusches Leben geführt zu haben. Ihr Sohn sei von einem goldenen Wesen gezeugt worden, das sie in ihrer Kammer besucht habe. Schon als Kind fällt er in Visionäre Trancen und verkündet Furcht erregende Zukunftsvisionen.

In der Artus- Saga spielt er eine wichtige Rolle. Zunächst ermöglicht er die Zeugung des künftigen Königs, indem er Uther Pendagron die Gestalt des Herzogs von Cornwall verleiht, damit er Igraine, dessen Gemahlin, in ihrem Schlafgemach besuchen kann. Er dient zunächst König Ambrosius Aurelianus, später dann seinem Nachfolger Uther und dessen Sohn König Artus als Berater. Der Legende nach soll er auch einen Ring aus magischen Steinen, den "Tanz der Riesen" von Irland mittels Zauberkraft auf die Ebene von Salisbury verlegt haben, wo er heute als "Stonehenge" bekannt ist.

Sein Leben endet durch Nimue, eine schöne Jungfrau von der Insel Avalon, zu der der alternde Magier in Leidenschaft entbrennt. Es gelingt ihr durch verführerische Worte, ihn in den Bann seines eigenen Zaubers zu locken und so unter einem großen Stein einzusperren. Ritter Gawain, der an dem Felsen vorbeikommt, unter dem der Zauberer gefangen liegt, ist der letzte, der seine Stimme hört. Später wird sein Grab als Merlins Stein "Perron de Merlin" zum Treffpunkt der Ritter der Tafelrunde, von dem aus sie zu ihren Abenteuern aufbrechen.


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