Osterlauf Paderborn 2004


Anfang des Jahres stand für mich fest, der Osterlauf in Paderborn sollte mein erster Halbmarathon sein. Durch die Laufberichte der vergangenen Jahre erschien mir der Osterlauf für einen Anfänger gut geeignet zu sein: viele Läufer, viele Zuschauer, viele Runden (na ja, immerhin 3). Also Trainingsplan aus dem Internet (Laufcampus) besorgt, ihn etwas für mich zurechtgebogen, und dann fleißig trainiert. Ziel für den HM: mit der 10 km-Zeit vom Weser-Werre-Lauf (51:38) muß man doch unter 2 Std. laufen können!! Doch die Woche danach, der lange Lauf stand an, ganz böse Muskelprobleme mit der “Problemwade”. Lauf abgebrochen, eine Woche Pause. Dann neuer Versuch, und wieder ziemliche Schmerzen. Die Enttäuschung war ziemlich groß. Also wieder Pause. Ich sah mich am Ostersamstag schon auf dem Sofa sitzen. Mein Trainer, in Personalunion Betreuer, Koch, Arzt, Motivator, Krankenpfleger, Wasch- und Ehefrau, verbot mir das Training. Dann, am Karfreitag, nach einer mehrwöchigen Mobilat-Orgie, durfte ich den entscheidenen Test machen: Lockere 5 km, mit 1 km Tempo. Die Wade hielt. Die Anspannung vor dem Testlauf ging nahtlos über in Unsicherheit, ob ich nach den trainingsarmen Wochen überhaupt in der Lage wäre, 21 km zu laufen, an einem Tag, am Stück. Immerhin war mein längster Lauf nur 18,5 km. Aber egal, ich war sicher, das ich es schaffe würde. Allerdings hatte ich die 1:59 std. abgehakt und ein neues Ziel gesetzt: 6 Min./km, also 2:06.
Dann am Samstag morgen pünktlich nach Paderborn, manche behaupten überpünktlich, Startunterlagen abgeholt und dann nur noch 3 Stunden warten. Dann war es endlich soweit. Nach langem Dehnen und kurzem Warmlaufen stand ich in der Startaufstellung. Natürlich recht weit hinten, ich wollte niemandem im Weg stehen. Ca. 2 Minuten nach dem Startschuß, habe auch ich die Startlinie überquert. Mein erster Halbmarathon sollte beginnen. Die ersten 3 km war ich auf der Suche nach dem Rhythmus und dem richtigen Tempo. Bei km 5 standen 31 Minuten auf der Uhr, also mußte ich etwas zulegen, was aber auch ohne Probleme möglich war. Nach der ersten Runde, also 7 km, standen 42 Minuten auf der Uhr. Da ich die ersten km deutlich über 6 Min/km gelaufen bin, war ich zufrieden. Ich fühlte mich gut und habe versucht noch etwas zuzulegen. Ich hatte meinen Rhythmus gefunden und es lief sehr gut. Für 10 km hatte ich 59 Minuten gebraucht. Das sah gut aus. Ich fing an zu rechnen: wenn ich das Tempo noch etwas anziehe, könnte das evtl. ja doch mit der magischen 2-Stunden-Grenze klappen. Bei km 14 dann 1:21:xx. Noch einmal 7 km mit diesem Tempo und die 2 Stunden sind fällig.
   
Doch als ich bei km 16 noch einmal etwas zulegen wollte, rebellierten meine Waden und rieten mir eindringlich, es nicht zu übertreiben. Ich erklärte meinen Waden, das es für einen Krampf noch deutlich zu früh sei, außerdem sollten sie doch etwas Geduld aufbringen und dem gerade zugenommenen Elektrolytgetränk Zeit geben zu wirken. Wir, meine Waden und ich, einigten uns auf einen Kompromiß: wenn ich mich bereiterkläre, das Tempo nicht weiter zu verschärfen, würden sie mit dem Krampf bis nach dem Wettkampf warten. Das funktionierte auch relativ gut, von einigen Warnstreiks der Waden einmal abgesehen. Die letzten 3 km waren wirklich hart. Doch spätestens beim Einbiegen auf die Zielgerade, beim Anblick der vielen Zuschauer, die einen wirklich toll unterstützten, spürte ich die Schmerzen nicht mehr und lief, zwar nicht mit einem Lächeln, aber doch glücklich, nach 2:03:47 ins Ziel. Mein Lächeln kam erst nach dem Genuß des im Zielraum angebotenen alkoholfreien Weizenbieres zurück.
Dort traf ich dann auch meine Frau, die als erstes ein Foto von mir machte, um den Daheimgebliebenen zu zeigen, wie “scheisse” (Zitat) ich nach den 21 km aussah. Die erste Stunde nach dem Lauf war wirklich schlimm, besonders das Treppensteigen tat sehr weh. Aber nach dem Duschen und einigen weiteren Getränken, ging es mir immer besser. Auch der Muskelkater am Tag danach, hielt sich in Grenzen. Alles in allem ein tolles Erlebnis. Zwar konnte ich mir direkt nach dem Lauf nicht vorstellen, jemals einen Marathon zu laufen, aber am Tag danach sieht das schon wieder ganz anders aus...
Vor dem Bier... Beim Bier... Nach dem Bier...

 

 

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