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Das liebe Gewicht...
Hier soll nicht die neue ultimative Diät vorgestellt werden, ich denke, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Aber vielleicht ist mein Erfahrungsbericht für manchen hilfreich; zumindest werden sich viele, die sich schon seit Jahren mit Gewichtsproblemen rumschlagen, wiederfinden.
Ich lasse es mir nicht nehmen, für mein Übergewicht eine gewisse Veranlagung, Genetik (mit-)verantwortlich zu machen, die mir in die Wiege gelegt wurde. Auch wenn ich jetzt auf einem guten Weg bin, werde ich wohl Zeit meines Lebens auf meine Pfunde aufpassen und eine gewisse Kontrolle ausüben müssen. Sowohl mütterlicherseits als auch väterlicherseits sind Onkel wie Tanten z.T. extrem übergewichtig. Schon in der Kindheit kämpfte ich mit meinem Vater gegen vermeintliches Übergewicht, erst eine Bemerkung meiner Schwägerin bei der Durchsicht meiner Kinderphotos wies mich darauf hin, dass ich eigentlich nie fett war. Auch nicht mager, normal eben. Nur die stämmigen Wadeln passten nie in die hochschäftigen Stiefel, aber dieses Problem haben z.T. auch Schlanke...
Richtig aufwärts ging es mit dem Gewicht erst, als ich von zu Hause auszog. Und für mein Essen selbst verantwortlich war? Meine Umgebung mit Essen verwöhnen wollte, mitaß und zusätzlich die Reste vertilgte? Als ich neben dem Studium arbeitete und keine Zeit mehr für Sport und ausreichend Bewegung vorhanden war? Das Leben nicht mehr nur Sonnenschein war und Schokolade meine Lieblingsdroge wurde? Und meine Lieblingsausrede: Die vier Schwangerschaften?
1985 wog ich ca. 62 Kilo bei meiner Größe von 160 und fühlte mich ziemlich gut... die Größe ist geblieben;-)) Der ultimative Höhepunkt 2000 waren 118 Kilo, nach der Geburt der jüngsten Tochter und während der Stillzeit. Nach jeder Geburt verliess ich das Krankenhaus genauso schwer als nur ein paar Tage zuvor mit dem Baby im Bauch. Wassereinlagerungen und Riesenbrüste voller Milch wogen den Babybauch wieder auf, mein Körper gab nicht mehr so leicht her, was er einmal drauf hatte...
2003: über 100 Kilo Lebendgewicht 
Verzweifelte Versuche, Sport wieder in mein Leben zu intregieren, gingen sehr bald wieder in den Mühen des Alltags zwischen Windeln, Hausbau, Schulkindern usw. unter und lagen brach. Crash-Diäten, nach denen man hinterher noch mehr ansammelt als man verloren hat, steigerten nur noch die Versagensgefühle. Mein Alptraum während der letzten Schwangerschaft war, dass ein Kaiserschnitt nötig wäre... man stelle sich all die Fettmassen vor, durch die sich die Ärzte wühlen müssen, um mein Baby zu finden! Bis heute blieb auch ein Nabelbruch hpts. aus diesem Grund unoperiert.
Ein paar Kilos fielen nach dem Abstillen von alleine, bei 108 kg blieb die Waage jedoch wieder haften. Ich suchte Hilfe und fand sie im Internet. Ein paar Frauen hatten sich in einem Forum zusammengefunden und tauschten sich über ihre Erfahrungen aus. Eine Zeitlang war ich dort täglich aktiv, holte mir viele Tipps und Ermutigungen und gewann auch noch den ersten Preis im Logowettbewerb. Die Seite gibts es immer noch: www.pfundsweib.de, das Logo ist auch geblieben. Danke, Birgit! Über die Pfundsweiber bin ich auf Susan Powter und ihre Bücher gestossen und konnte so fast 20 Kilo in relativ kurzer Zeit loswerden.
Sehr fettarmes Essen und viel Sport ist das Geheimnis. Wie eine Verrückte versuchte ich jedem Grämmchen Fett in der Nahrung auf die Spur zu kommen und trieb Sport zu Hause, Susan Powters Videos (die ich immer noch für das Beste halte, das Übergewichtigen passieren kann! Ich wünschte, die Fitnesstudios würden sich mehr auf diese Art von Fettverbrennung konzentrieren, statt Muskelmänner und -frauen noch muskulöser zu machen), Walken auf dem Trampolin oder auch mal im Morgengrauen unerkannt über die Felder, am besten zweimal täglich, fast bis zum Exzess... Aber das Ganze war schwer durchzuhalten, die Ernährung empfand ich als zu extrem, um damit den Alltag und die Abweichungen davon (Einladungen, Restaurantbesuche usw.) auf Dauer bestehen zu können, es war nie einfach, soviel Sport mit den kleinen Kindern und dem Haushalt zu vereinbaren und ein Unfall, bei dem ich mir beide Knie schwer verletzte und längere Zeit ausser Gefecht gesetzt war, setzte auch den sportlichen Ambitionen wieder ein aprubtes Ende.
Immerhin war ich in ca. einem halben Jahr wieder fast bei 90 Kg angekommen, aber schleichend sammelten sich die Pfunde wieder an und der Zeiger der Waage bewegte sich wieder in die falsche Richtung, dreistelligen Ziffern entgegen...
Bis mein Schwesterherz mich zu den Weight Watchers schleppte... Begeistert war ich davon nicht, irgendwie hatte dieser Begriff für mich immer etwas von Sekte und Hausfrauenvereinigung... Anonyme Fresssüchtige? ;-))Aber man kann ja mal schauen...
Ein bisschen verwirrt war ich anfangs schon, aber die nette Gruppenleiterin und auch die Sorgen und Nöte von denen die Frauen im Treffen erzählten und mir nur allzugut bekannt waren, machten mir Mut und weckten meine Neugierde. Versuchen kann frau es ja mal... Wenn ich jetzt an die ersten Wochen zurückdenke, muss ich immer noch Schmunzeln, irgendwie wartete ich immer noch auf eine strenge Anleitung, wie ich eine bestimmte Diät einzuhalten habe, aber das kam nie.... ich war ganz allein für die Zusammenstellung meiner Ernährung zuständig, das Einzige was vorgegeben war, ist die Zahl der Punkte, die ich täglich zur Verfügung habe. Mein Rüstzeug ist der Einkaufsführer, die Bibel der Weight Watchers, indem sämtliche Lebensmittel aufgeführt sind und die Punkte dazu, die ihnen zugeordnet sind. Zuerst empfand ich es schon reichlich mühsam, das alles zusammensuchen zu müssen, aber mittlerweile ist mir dieses System nahezu in Fleisch und Blut übergegangen.
2004: wieder bei 90 kg...Tendenz sinkend!
Der Erfolg:
Anfangsgewicht: 101,8 kg
aktuelles Gewicht: 75 Kg
Ende 2004 - unter 80 kg: Formen und Lebensfreude werden wiederentdeckt;-))
Es liegt ganz allein bei mir, etwas aus diesem Konzept zu machen und durchzuhalten. Das Treffen mit der Gruppe und der Druck wöchentlich auf die Waage zu müssen, sind für mich wichtigster Bestandteil, um auf lange Frist dranzubleiben. Und es ist noch eine lange Wegstrecke vor mir, bis zum Zielgewicht fehlen immer noch einige Kilo. Aber ich habe das Gerüst dazu ja jetzt in meiner Hand und obwohl ich manches mal schlucke, wenn Goldmitglieder ausgezeichnet werden, die "nur" einen Erfolg von 7 oder 8 Kilo haben und damit bereits im Zielgewicht sind, während ich bei einer Abnahme von 20 Kilo nochmal soviel vor mir habe... der Weg ist das Ziel. Das Übergewicht hatte seinen Grund in jahrelanger Fehlernährung und jetzt habe ich die Möglichkeit, das zu korrigieren und täglich einzuüben, bis mir eine für mich zuträgliche Ernährungsweise in Fleisch und Blut übergeht. Wenn ich im Zielgewicht bin, habe ich mich eigentlich fast halbiert, und trotzdem bin ich über mich hinausgewachsen. Es lohnt sich!
Zwischen diesen Photos liegen 3 Jahre - und fast 40 Kilo