Eine Feuersbrunst wie im Mittelalter
Mit allen Kräften kämpfen 200 Feuerwehrleute gegen Flammen und Funkenflug
Großeinsatz in Lutter: Der Brand erforderte am Sonntag ein Großaufgebot an Feuerwehren und Übersicht in der Einsatzleitung

Das Wort Mittelalter machte mehrfach die Runde, der Vergleich mit damaligen Feuersbrünsten, denen ganze Dörfer zum Opfer gefallen sind. So ähnlich wie am Sonntag in Lutter mag es damals gewesen sein, mit einem Unterschied: Statt mit einer mittelalterlichen Eimerkette gingen die Brandbekämpfer am Sonntag in einer Material- und Wasserschlacht gegen die Flammen an.

Gegen die Flammen und - vor allem - die Funken. Die Scheune samt Inhalt war nicht zu retten, auch das zweite Haus wurde zum Nebenkriegsschauplatz. Es galt in erster Linie, weitere in Sturmrichtung stehende Häuser, Ställe und Scheunen zu schützen. Und da war die Feuerwehr mit ihrer Technik fast am Ende.

"Die Wasserversorgung im Ortskern ist für den Normalfall völlig ausreichend", stellte Stadtbrandmeister Detlef Schünemann am Montag fest. Doch am Sonntag lag kein Normalfall vor. Aus fünf B-und 20 C-Strahlrohren (mind. 3500 Liter Wasserdurchfluss / Minute! Anm. d. Webmaster) gaben die Wehren Wasser auf die Brände und bedrohte Gebäude, um zu kühlen. Da musste das beste Wasserversorgungsnetz zusammenbrechen.
Mit Tanklöschfahrzeugen wurde Wasser aus Laderholz geholt, das in das endlos scheinende Leitungsnetz der Druckschläuche eingespeist wurde. 15 Wehren aus der Kernstadt und fast allen Stadtteilen westlich der Leine waren am Nachmittag in Aktion, 22 Fahrzeuge und mehr als 200 Feuerwehrleute mußten eingesetzt werden.

Erstaunlich, wie die Einsatzleitung um Hans-Jürgen Grigat die Oberhand behielt und mit ruhigen, aber deutlichen Befehlen über Handsprechfunkgeräte die Gruppenführer instruierte - mit einem Ohr immer im Kontakt zum Einsatzleitwagen, aus dem Rolf Simon Fahrzeuge steuerte, Verstärkung oder Material anforderte.

Einen "herrvorragenden Eindruck" habe er von der Arbeit der Wehren gehabt, sagte Polizei-Aussendienstler Manfred Henze. Seine Mannschaft - 14 Beamte und acht Fahrzeuge - komplettierte mit drei Rettungsfahrzeugen des DRK die Großmacht an Hilfskräften.

Gegen 19 Uhr legte sich der Sturm, die Hauptgefahr war gebannt. Nachbarn an der Einsatzstelle hielten für die Helfer heiße Getränke und Brote bereit, die die längst durchgeregneten Feuerwehrleute gern annahmen.

Und allmählich durften auch die Anlieger aufatmen, deren Häuser bedroht waren. Selbst hatten sie mit Gartenschläuchen, Eimern und Handfeuerlöschern in ihren Häusern ausgeharrt, soweit das bei dem stechenden Qualm, der das Dorf durchzog, überhaupt möglich war.

Für die Einsatzleitung bedeutet die Entspannung, die nächsten Schritte zu durchdenken: Wer bleibt von den Wehren über Nacht, wer wird alarmiert. Schließlich heißt es für die Aktiven in Esperke und Vesbeck: "Um 21 Uhr in Lutter antreten". Zeit genug, sich warm anzuziehen und die Thermoskannen mit Kaffee zu füllen. vw

(Leine-Zeitung - (vw) von Werder (???) ( http://www.Leine-Zeitung.de ))