Größter Brand in Neustadt seit Gebietsreform macht Familie obdachlos
Acht Tage danach: Ein Dorf in Trauer
 
Stadtbrandmeister Detlef Schünemann
(Bild links) koordinierte die Löscharbeiten
an dem Wohnhaus (Mitte).
Die Feuerwehr setzt Atemschutzgeräte ein (rechts).
(Fotos: Wimmel)
Lutter (awi)
Schwarzer Tag in Lutter: Am 24. Januar vernichtete ein Großfeuer ein Wohnhaus und eine Scheune. Weitere Gebäude wurden durch Flammen und Rauch beschädigt. Doch Lutter leidet nicht nur unter dem Schock des größten Brandes seit der Gebietsreform. Das Dorf trauert um Heinz Rotermund. Der 57jahrige brach während der Löscharbeiten vor der brennenden Scheune tot zusammen.

Zum ersten Mal seit Jahren hat es in Neustadt bei einem Feuer einen Toten gegeben, wenn auch noch immer unklar ist, ob der Tod des Lutteraners in direktem Zusammenhang mit dem Brand steht. Die Feuerwehrkasse will das jedoch untersuchen lassen. Ob Herzversagen oder Rauchvergiftung ist aber nicht die einzige offene Frage bei diesem Feuer, das mindestens eine Million Schaden angerichtet hat: Wo soll die Familie Helfers wohnen, bis das Haus, in dem sie zur Miete wohnten und das durch Funkenflug entzünet wurde, wieder aufgebaut ist? Zur Zeit ist die vierköpfige Familie in einer Bordenauer Wohnung untergebracht, die die Stadt eigentlich für Asylbewerber angemietet hat.
Wie ist das Feuer entstanden, das in der Scheune am Poggepohl ausgebrochen ist? Was ist dran an den Gerüchten, daß Bastelarbeiten an den in der Scheune untergestellten Autos den Brand verursacht haben? Von Brandstiftung geht die Kriminalpolizei inzwischen aus. Aber ob sie fahrlässig oder vorsätzlich ist, vermag sie noch nicht zu sagen. Schließlich gibt der Schaum, mit dem das Dach des hundert Meter von der Scheune entfernten Hauses isoliert war, der Feuerwehr Rätsel auf. Ist der Schaum dafür verantwortlich, das sich die Flammen so schnell ausgebreitet haben? Sollte es sich tatsächlich um den von der Dachdeckerinnung verbotenen Polyuretanschaum handeln, könnte das versicherungsrechtliche Folgen haben. Eines steht für Ortsbrandmeister Horst Rabe und Abschnittsleiter Hans-Jürgen Grigat, die sich die Einsatzleitung mit Stadtbrandmeister Detlef Schünemann teilten, fest: Die 17 Wehren mit insgesammt 230 Feuerwehrmännern haben ihr Möglichstes getan, erstklassige Arbeit geleistet und eine größere Katastrophe verhindert.

(Rundblick am Sonntag(???) vom 24.01.93)