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:: musik - Die Toten Hosen

  Die Kulturschickeria nahm sich 1988 die Hosen-
  Jungs zur Brust, als sie in den Bad Godesberger
  Kammerspielen bei der deutschen Bühnen-Erstauf
  -führung von "A Clockwork Orange" "schönen Lärm"
  ("Die Zeit") veranstalteten. Der Song Hier kommt Alex
  aus der LP Ein kleines bißchen Horrorschau (1988)
  kam als erste Hosen-Single in die deutschen Charts.
  Auf dem Kreuzzug ins Glück (1990) überraschte
  mit einem Stich ins Musikalische und fiel dann doch
  wieder in Nordkurven-Klamauk zurück. Ihre Punk-
  Würdigkeit erhöhte die Band 1991, als sie mit
  einigen früheren Mitgliedern britischer und
  amerikanischer Punk-Bands die LP Learning English,
  Lesson One aufnahm, darunter Joey Ramone und
  Johnny Thunders, der wenige Tage nach den
  Aufnahmen starb. Den Hosen-Fans gefiel solcher
  Englischunterricht nicht, die Platte verkaufte
  sich deutlich schlechter. Die Musiker legten eine
  Pause ein: 1991 erschien der Film "Die toten Hosen -
  Drei Akkorde für ein Hallelujah", eine neue LP
  kam erst 1993 auf den Markt. Kauf mich!, so der
  unverblümte Titel, war ehrliches Programm: "Die
  ganzen Bands denken sich tolle Titel für ihre LPs
  aus", wußte Campino, "dabei wollen sie im Grunde
  nur eine Botschaft draufhaben: Kauf mich! Wir
  spielen damit."

  Die Musiker moderierten eigene Radiosendungen
  oder schwangen gegen die Leningrad Cowboys
  die Eishockeystöcke (Niederlage 10:11). 1994
  waren die Toten Hosen mit drei LPs gleichzeitig
  in den deutschen Charts vertreten, Ende des
  Jahres traten sie in den USA im Vorprogramm
  der amerikanischen Band Green Day auf. Dort,
  fern der Heimat, gewann Campino ganz neue
  Einsichten: "Deutschland ist irgendwo richtig
  weinerlich. Die Gesellschaft ist schon von den
  Idealen her krank."

  Den Titel der 1995 auf dem neugegründeten
  eigenen Label JKP veröffentlichten LP Opium
  für das Volk wollte der Vorgröhler gesellschafts
  -kritisch verstanden wissen - oder so: "Letzten
  Endes sind wir auch irgendwie Opium für das
  Volk." Irgendwie schon. Aber the show must go
  on. Campino: "Für uns wäre es eine schöne
  Vorstellung, daß wir mit sechzig als Opas auf
  die Bühne kommen und dann immer noch
  total die Post abgeht. Aus'm Altersheim,
  immer noch voll auf Punk. Vorher noch so
  richtig Baldrian eingelöffelt bekommen, die
  Ärzte hängen dann in der Gegend und zittern
  mit."

  Soweit war es aber noch nicht: Opium für das
  Volk besetzte 1996 vier Wochen lang die Top-
  Position der LP-Charts, das Live-Album Im Auftrag
  des Herrn war vom Start weg gut für Gold, die
  100 Konzerte der "Ewig währt am längsten"-
  Tour durch Deutschland, Schweiz und Österreich
  wurde von etwa 700000 Fans gesehen. 1997
  legte die Band um Campino eine Pause ein und
  trat nur ein einziges Mal auf: Am 28. Juni wollten
  die Toten Hosen im Düsseldorfer Rheinstadion
  zusammen mit ihren Fans den 1000.
  Konzertauftritt feiern. Das Jubiläum wurde
  vom Tod einer 16jährigen überschattet, die
  vor der Bühne zusammenbrach. Tief erschüttert
  sagte die Band sämtliche geplanten Festival-
  Auftritte des Jahres ab. Wie sich herausstellte,
  waren weder Alkohol noch Drogen die Todesursache.
  Campino später: "Bei jeder großen Veranstaltung
  bleibt ein Restrisiko, man kann so etwas nie ganz
  ausschließen. Wir wollen aber trotz dieses schlimmen
  Erlebnisses nicht anfangen, die Leute wie auf
  dem Rindermarkt mit Gittern einzusperren oder
  in bestuhlten Hallen zu spielen. Dann gäbe es
  keinen Grund mehr, die Hosen zu sehen. Unsere
  beste Qualität ist es doch, die Leute zum
  Schwitzen und zum Tanzen zu bringen."


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