"Wir könnten Bonn einfach überstimmen"
Kreis und Flieger sind für eine längere Landebahn in Hangelar - Bonn ist dagegen, und Sankt Augustin hat noch nicht entschieden - Der Ausbau soll rund drei Millionen Euro kosten
Von Ingo Eisner
Sankt Augustin. Diskutiert wird sie schon lange, die Verlängerung der Landebahn des Hangelarer Flugplatzes (der GA berichtete). Ginge es nach dem Willen von Willi Dalmus, Aufsichtsratsvorsitzender der Flugplatzgesellschaft, und den beiden Geschäftsführern Klaus Karcher und Peter Hardt, könnten die Bagger schon am nächsten Tag anrollen.
Um 400 Meter soll die Landebahn in Hangelar
verlängert werden, damit dort auch künftig Flugzeuge mit einem
Maximalgewicht von 5,7 Tonnen aufsezten können. Foto: Eisner
Allerdings müssen die drei noch ein paar Warteschleifen ziehen, bis die Landebahn um 400 auf 1 200 Meter verlängert wird. Während von den vier Gesellschaftern des Flugplatzes der Rhein-Sieg-Kreis und die Fliegergemeinschaft bereits ihr Einverständnis signalisiert haben, hat die Stadt Bonn sich gegen eine Verlängerung ausgesprochen. Die Entscheidung des vierten im Bunde, der Stadt Sankt Augustin, steht indes noch aus.
Wichtig sei die Verlängerung vor dem Hintergrund, dass seit Januar neue EU-Richtlinien gelten, so Dalmus, Karcher und Hardt. Die besagen, dass die Landebahn in Hangelar um 400 Meter verlängert werden muss, damit dort auch künftig größere Maschinen landen und starten dürfen. "Hier geht es aber nicht um einen Airbus, sondern um Flugzeuge bis zu einem Gewicht von 5,7 Tonnen", sagt Karcher.
"Das ist unsere Obergrenze, für mehr haben wir gar keine Betriebserlaubnis." Nur rund 200 Starts pro Jahr erfolgten bisher mit diesen Maschinen, die seit Anfang des Jahres am Boden bleiben müssen.
Es geht aber auch um begehrte Fördergelder. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Gutachten in Auftrag gegeben, das für Hangelar positiv ausfiel. Der Flugplatz gilt nach Meinung der Fachleute als förderungswürdig und stach ähnliche Landeplätze wie Aachen, Marl und Bielefeld aus. "Wenn wir die Landebahn nicht verlängern, sind wir nur noch ein unbedeutender Flugplatz für Sportflieger. Dann werden auch die Beihilfen vom Land gekürzt", sagt Karcher.
Zudem würde das Land wahrscheinlich
nicht mehr das Tower-Personal stellen. Hardt: "Das würde ein teurer
Spaß, wenn wir das Personal bezahlen müssten." Auch für
den Grenzschutz mit seinen 2 000 Angehörigen hängt laut Karcher
die Standortsicherheit vom Flugplatz ab. Das gelte auch für die vielen
Firmen, die sich auf dem Gelände angesiedelt haben.
"Wir wollen den Flugplatz als wichtigen Faktor für den Wirtschaftsstandort Bonn/Rhein-Sieg auch für kommende Generationen erhalten", sagt Dalmus. Neben der wirtschaftlichen Bedeutung spreche auch die Verbesserung des Lärmschutzes für eine Verlängerung der Landebahn. "Die Flieger würden mit 255 Metern rund 55 Meter höher über Wohngebiete fliegen", so Karcher. Das verringere den Lärm um bis zu zwei Dezibel. Auch die Naturschützer hätten signalisiert, dass sie mit einer Verlängerung einverstanden seien.
Auf rund drei Millionen Euro beziffert Peter Hardt die Baukosten. 65 Prozent trage das Land, der Rest müsse von den Gesellschaftern mit einer jährlichen Belastung von rund 131 000 Euro abgetragen werden.
Eine Anfrage beim Bundesfinanzministerium habe ergeben, dass der bis 2012 geltende Pachtvertrag um 25 Jahre verlängert wurd. "Der Standort ist also bis 2037 gesichert. Das haben wir schriftlich", sagt Hardt. Bis die Bagger rollen, können aber noch Jahre vergehen. "Wir könnten als Gesellschafter Bonn überstimmen. Schöner wäre aber ein einstimmiges Votum, um dann in das Genehmigungsverfahren zu gehen."
(05.03.2005)