head> Greyhound von der Saalmühle

Rennen, Rennen, Rennen...

Erinnert ihr euch noch, dass ich am Anfang der Geschichte erzählt habe, dass ich gerne ausreiten gehe?
Da ist mir gerade eine Geschichte eingefallen, die muß ich euch erzählen.
Gaby, eine Freundin meines Frauchens, kam eines Tages auf die Idee, dass ich mehr Bewegung vertragen könnte. Offensichtlich hatte sie den Eindruck, ich würde mich langweilen. Womit sie nicht ganz Unrecht hatte. Denn meine Kammeraden sind für meinen Geschmack viel zu faul und ich bin normalerweise für jeden Schabernak zu haben.

Nur, wie die Art der mehr Bewegung aussehen sollte, hat mich dann doch ganz schön schockiert. Ich muß zugeben, am Anfang hatte ich "dazu" überhaupt keine Lust. Mit der Zeit, d.h. nach ca. einer halben Stunde war ich dann trotzdem total begeistert.

Gaby kam also mit der Leine ins Wohnzimmer und rief mich. Ich hab mich natürlich total gefreut und bin ewig um sie herumgesprungen. Sie sagte, ich solle schön brav sein, denn sie hätte eine Überraschung für mich. Ich bin mit ihr freudestrahlend aus der Wohnung gegangen und wollte wie immer zur Haustür raus.
Aber Gaby meinte, das sei der falsche Weg und bog mit mir nach rechts, Richtung Stalltür ab. Ich wollte eigentlich gar nicht so recht mit, denn der Pferdestall war bis dahin für mich verboten. Das hatte seinen Grund, denn ich hatte schnell raus, dass man hinter dem Stall über die Koppeln Richtung Wald rennen konnte, ohne dass ein enger Zaun den Weg verstellt. Diese Möglichkeit, mich mal so richtig auszurennen, hatte ich schon ab und an mal genutzt. Das war jedesmal eine riesen Aufregung, dabei bin ich doch immer gleich wiedergekommen, wenn ich mir die Füße vertreten hatte.
Naja, versteh` einer die Zweibeiner, gönnen uns garkeinen Spaß!

Ja, und heute sollte ich doch tatsächlich das Heiligtum betreten. Also gut, schauen wir mal, was uns da erwartet.


Ich ging also ziemlich skeptisch mit und hab mich total erschrocken, als Gaby mich ganz nah an so ein Pferd heranführte. Die Dinger sind riesengroß und ich wollte erst mal nur schnell wieder weg.
Kehrt Marsch! - und hoppla, ich hatte die Leine total vergessen und wurde prompt recht unsanft gestoppt. Also blieb mir nichts anderes übrig, als der Dinge zu harren, die da noch kommen würden.
Gaby hievte sich doch tatsächlich auf dieses Ungetüm und ließ die Leine dabei einfach nicht los. Als sich das Ungeheuer in Bewegung setzte, wollte ich geradewegs in die entgegengesetzte Richtung türmen. Gaby war mal wieder schneller und eh ich mich versah, hatte sie mich von oben in die, von ihr und dem Pferd gewünschte Richtung dirigiert.
Also ging ich mit! Aber immer mit so viel Abstand, wie es die Länge der Leine zuließ. Ich mußte rechtsrum, linksrum, geradeaus und wieder rechts. Dabei hatte ich höllische Angst, unter die Hufe des Pferdes zu geraten und paßte deshalb besonders gut auf, was Gaby von mir wollte. Dann lief das Pferd plötzlich schneller. Trab, wie ich jetzt weiß und ich mußte noch mehr aufpassen. Aber anscheinend machte ich alles besonders gut, denn Gaby lobte mich immer wieder ganz toll.

Und dann hat´s auch richtig Spaß gemacht, denn ich merkte schnell, dass Pferde viel schneller laufen als Zweibeiner und ich konnte mich mal richtig bewegen. Dabei war das noch nicht mal alles, denn als Gaby merkte, dass ich mich entspannte und ganz locker in jede Richtung mitlief, schlug sie plötzlich die Richtung ein, in der man den Hof verlassen konnte. Und schon waren wir zwischen den Feldern und Wiesen unterwegs. Die erste Zeit nur im Schritt, so das ich bequem mittraben konnte. Dann auch mal im Trab, aber so richtig losrennen konnte ich nicht, denn noch immer dirigierte mich Gaby vom Pferd aus mit der linken Hand, während sie mit der rechten Hand das Pferd lenkte. Dabei hatte sie die Leine noch am Sattelknauf festgemacht, damit sie auf gerader Strecke auch mal loslassen konnte, ohne dass ich ihr weglief.
Dass das so gut funktionierte, lag wohl daran, dass das Pferd ein westerngerittenes Quarterhorse war, auf das man sich auch im Gelände hundertprozentig verlassen kann.

Nach `ner Weile meinte Gaby, wir könnten es auch mal im Galopp probieren. Auf einer rechts und links von Wald abgeschlossenen Strecke galoppierte sie dann an und endlich konnte ich mich so richtig strecken. Ich versuchte ein Wettrennen mit dem Pferd, aber das lief gleichmäßig und ruhig.
Plötzlich kam mir der Weg bekannt vor! Hier war ich schon öfter beim gassigehen vorbeigekommen. Deshalb wollte ich in dem tollen Tempo, das wir draufhatten nach links abbiegen. Dabei hatte ich mal wieder die Leine total vergessen und schwups stand ich wieder neben dem Pferd, das sofort angehalten hatte.
Bei meiner Aktion hätte ich Gaby fast aus dem Sattel gezogen und nur dem gut ausgebildeten Pferd war es zu verdanken, dass dabei nichts Schlimmes passiert ist.
Das habe ich mir gut gemerkt, denn ich bin auch ganz toll erschrocken. Seit dem funktioniert das Ausreiten bestens und ich freue mich immer,
wenn Gaby mit der Leine kommt.

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