Trekking in Nepal

(ein Reisebericht von Reinhold Fürst - im Mai 1995)

Im Frühjahr 1995 konnte ich endlich einem langersehnten Wunsch nachkommen

einer mehrtägigen Wanderung zum Fuße des mit 8.848 Metern höchsten Berges der Erde -

dem Sagarmatha (nep.), Chomolungma (chin.) oder Mount Everest (engl.) !

Mit der Royal Nepal Air ging es von München über Dubai nach Kathmandu.

Dort hatte ich für die erste Nacht ein Zimmer im Hotel Marshyangdi gebucht, zum Glück nicht länger; denn wie ich schnell feststellen durfte, gab es gleich nebenan mehrere einfache Hotels, bei denen die Unterkunft statt 100 DM nur 6-10 DM kostete. Ausserdem war sogar ein German Bakery gegenüber, so brauchte ich mir auch um das Frühstück keine Sorgen zu machen !!!

Also bin ich gleich am nächsten Morgen umgezogen und hab dann erst mal in Ruhe Kathmandu besichtigt.

Thamel im Zentrum von Kathmandu ist voll auf den Tourismus eingestellt.    ein Tempel in Patan / Kathmandu 

In Thamel gibt es viele kleine Läden mit tollen Pullovern aus Schafs- oder Yak-Wolle, wobei

die Yakwolle zwar etwas kratzt, aber unheimlich warm macht.

Außerdem kann man natürlich auch alle mögliche Reiselektüre zu niedrigen Preisen bekommen, falls man bis dahin nicht schon damit eingedeckt ist.

Was aber auch nicht zu übersehen ist, vor allem wenn man das Zentrum Kathmandus mal verlässt ,und sich in die Aussenbezirke wagt, ist die unheimlich grosse Armut der Bevölkerung.

(Nepal gehört leider auch zu den ärmsten Ländern der Erde, das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt hier bei ca. 150 DM !!!)

Trotzdem sind die Nepalis sehr fröhliche Menschen und jeder Besucher wird sehr gastfreundlich aufgenommen.

Auch schon die Kinder haben immer ein Lachen auf den Lippen.

Strassenkinder in Nepal    als Spielzeug dient hier ein ausgedienter Regenschirm ...

Nach 3 Tagen hatte ich hier eine Tour ins Khumbu-Tal (Everest) organisiert,

(von Deutschland aus hätte ich das doppelte bezahlt) und flog mit meinem Führer

per Hubschrauber nach Lukla im Osten Nepals. Es gibt auch Flugzeuge die dort landen,

aber da der Hubschrauber nur 10 DM mehr kostete, habe ich mich für die m.E. sicherere Variante entschieden.

Dort heuerte mein Guide noch 2 Träger und einen Koch an, und nach 1 Stunde konnte es losgehen.

Hier in dieser herrlichen Bergwelt wurde mir erst richtig bewusst, wie öd und grau es in Kathmandu doch war.

Der Weg verlief mal rauf mal runter, immer tiefer ins Khumbutal hinein - aber immer wieder mit

großartigen Ausblicken auf Fünftausender und Sechstausender !

Unterwegs begegnete mir ein Heidelberger, der deprimiert eingestand, das er ausser Nebel

und Schnee die letzte Woche nichts gesehen hat - d.h. auch keinen einzigen Berg.

Das betrübte mich zwar ein wenig, aber man sollte die Hoffnung nie aufgeben !

Nach 3 Tagen machten wir in Namche Basar - der heimlichen Hauptstadt der Sherpas - Rast.

Hier auf gut 3.500 Metern wurde die Luft schon erheblich dünner,

und so kam mir der Ruhetag in Namche gerade recht.

Am Nachmittag führte mich mein Guide zu einem Art 'Heimatmuseum' auf einen Hügel

und plötzlich tat sich vor uns das ganze Panorama auf (mit Nuptse, Everest, Lhotse und Amai Dablang).

Everest, Lhotse und Ama Dablam

Am nächsten Tag gings dann gleich bei Sonnenaufgang los - ich wollte ja noch zum Kloster Tsengpoche auf 4.600 M.

Unterwegs machten wir bei einer Hütte Rast und die Sherpafrau lud uns zu einem Glas Tee ein, ich habe vorher und nachher nie mehr einen so guten Tee getrunken wie hier (schon allein deshalb würde es sich lohnen hierher zu kommen).

der Weg ins Khumbutal

Nach einem kurzen Abstieg von 3.700 auf 3.300 Meter ging es nochmal steil bergauf, doch knapp 3 Stunden später war das Kloster Tengpoche endlich erreicht. Gleich wurde das Zelt aufgeschlagen und der Koch machte mir einen kleinen Happen zu Essen. Die Nacht wurde dann ziemlich kalt (-20 C), so daß ich sogar im Schlafsack noch Pullover und Mütze anziehen musste.

Im Morgengrauen machte ich mich dann auf um mal zu sehen, wo meine Träger und mein Koch schliefen.

Da saßen sie in einer Hütte ohne Fenster und Tür - und wärmten sich notdürftig an einem kleinen Campingkocher !

Mein Guide hatte seinen eigenen Kocher dabei und saß etwas abseits von ihnen. Ich hatte den Eindruck, er wurde von ihnen wie ein König behandelt - vielleicht hofften sie dadurch etwas mehr vom Spesentopf abzubekommen.

Sherpa-Kinder in Namche Bazar (barfuß - selbst bei Frost)

Das Trinkwasser war über Nacht zwar eingefroren, aber als dann die Sonne rauskam wurde es schnell angenehmer, d.h. so etwa 0 Grad Celsius. Ich packte daraufhin meine Ersatzhandschuhe aus dem Rucksack und schenkte sie dem Träger, der am verfrorensten aussah.

Jetzt riss auch die Nebelwand auf und Everest und Lhotse lagen in ihrer ganzen Schönheit vor uns.

Schnell machte ich noch ein paar Bilder und dann ging es über Khumjung, der grössten Sherpasiedlung

nach Shyangboche - dem mit 3750 m höchstgelegenen Flughafen der Erde.

der Götterberg Amai Dablang (6856 m)

Die Start- und Landebahn sah aus wie ein leicht verlängertes Fussballfeld und war wohl kaum groesser,

deshalb starten die Flugzeuge hier auch bergab und landen immer bergauf !

Der Flughafentower ist hier eine Almhuette, und ausser Ziegen und jungen zotteligen Hunden

war auch niemand zu sehen. Trotzdem kam eine Stunde später unser Helikopter (russ.Fabrikat)

und die Reise ging leider schon zurück nach Kathmandu.

   

Ich denke, das war bestimmt nicht mein letzter Besuch in diesem herrlichen Land !!!

Zurück  - - -  Back

Counter