7.1. Geschichte - 1. Mai MDCCLXXVI

Der Orden der Illuminatenm wurde am 1. Mai
1776 in Ingolstadt von Adam Weishaupt mit insgesamt drei Mitglieder zur
Durchsetzung des »Lichts der wahren Vernunft« gegründet, deren Mitglieder unter
anderem Freiherr von Dahlberg, Herzog Karl August von Weimar, Johann Wolfgang
von Goethe, Herzog Ferdinand von Braunschweig, (Generalpostmeister von Thurn und
Taxis), Freiherr von Knigge, Herder und viele andere, meist Beamte, Literaten
und Adlige waren. Es war der größte und einflußreichste Geheimbund Europas. In
Deutschland, vor allem in Süddeutschland hatte der Orden die meisten Mitglieder
(in München etwa 200). Zunächst hieß der Orden »Bund der Perfekibilisten«,
später »Bienenorden« und zu letzt: Illuminatenorden (von illuminati (lat.) = die
Erleuchteten). Ziel war es, den Staat, die Religion und vor allem die Lehre zu
reformieren. Selbst sahen sie sich als »eine Verbindung, die durch die feinsten
und sichersten Mittel den Zweck erlangt, der Tugend und Weisheit in der Welt
über Dummheit und Bosheit den Sieg zu verschaffen, die wichtigsten Entdeckungen
der Wissenschaften zu machen; ihre Mitglieder zu edlen, großen Menschen zu
bilden, und diesen dann den Preis ihrer Vervollkommnung auch in dieser Welt
schon zuzusichern; sie gegen Verfolgung, Schicksale und Unterdrückung zu
schützen, und dem Despotismus aller Art die Hände zu binden«. Von einer
antijesuitischen Kampfbewegung wandelten sie sich zu einer aufklärerischen
Bewegung mit sozialen, wissenschaftlichen und politischen Zielen.
Weishaupt wollte die Qualität durch Ausschluß der Quantität bewahren, so daß der
Orden im Februar 1778 erst neun und im Dezember 40 Mitglieder zählte. 01.07.1780
trat Adolph Freiherr von Knigge, der Verfasser des berühmten Anstandsbuches dem
Orden bei, der aus den Freimaurerlogen weitere Mitglieder warb. Da er selbst zu
den Freimaurer gehörte, war er der Ansicht, das diese neuen Mitglieder einen
Gewinn für den Orden darstellten, von denen er 500 neu rekrutierte. Damit
erhielten der expandierende Orden eine straffere Organisation, Ränge und
Rituale. Die Mitglieder, die sich vom Novizen zum Minerval und schließlich zum
Erleuchteten Minerval hocharbeiten, erhielten bei ihrer Aufnahme in den Orden
neue Namen. Pseudonyme zeigten deutlich die Wichtigkeit der Geheimhaltung:
Weishaupt war Spartacus, Freiherr von Knigge Philo, Johann Wolfgang von Goethe
Socrates, Ingolstadt Eleusis und Österreich Ägypten. Adolf von Knigge
unterschied in drei Ordensklassen und innerhalb dieser Klassen wiederum zwischen
Ordensgraden (z. B. in Anlehnung an die Freimaurerei in der zweiten Klasse
zwischen Lehrling, Geselle und Meister). Knigge hatte auch erfolgreich unter
Intellektuellen für den Orden geworben.
Am 16. Juli 1782 wurde in Wilhelmsbad das Bündnis zwischen den Freimaurern und
den Illuminaten besiegelt, der somit ca. 3.000.000 Mitglieder der führenden
Geheimgesellschaften verband. Ein Abkommen des Kongresses in Wilhelmsbad
bewirkte die Aufnahme von Juden in die Logen, die zu jener Zeit nur wenige
Rechte hatten. Die enorme Expansion des Ordens führte zu Differenzen zwischen
zwischen Weishaupt und Knigge. Weishaupt war gegen Knigges Methode neue
Mitglieder zu werben, und dieser warf Weishaupt einen despotischen Führungstil
vor.
Was bei diesen Treffen beschlossen wurde, kam kaum an die Öffentlichkeit. Alle
Anwesenden hatten sich der absoluten Geheimhaltung verschworen. Der Comte de
Virieu, einer der Freimaurer auf dem Kongreß, antwortete auf die Frage, ob er
nicht ein paar Beschlüsse enthüllen könnte:
»Ich werde sie Dir nicht anvertrauen. Ich kann Dir nur sagen, daß dies ernster
ist, als Du glaubst. Die Verschwörung, die hier im Gange ist, ist so perfekt
ausgedacht, daß es für die Monarchie und die Kirche kein Entrinnen gibt.«
Knigge konnte seine Reform nicht ganz entwickeln. Ordensmitglieder hatten Teile
einer außenpolitischen Korrespondenz entwendet; versuchten sich in die
Außenpolitik einzumischen. Daraufhin ließ der bayerische Kurfürst Karl Theodor
am 11. Oktober 1785 eine Razzia im Hause des Herrn von Zwack, Weishaupts
Hauptassistenten, durchgeführen, die die Neue Weltordung (Novus Ordo Seclorum)
aufdeckte. Daraufhin war der Orden verboten. Um die europäischen Monarchen zu
warnen, wurden die Originalen Schriften des Ordens und der Sekte der Illuminaten
verbreitet. Weishaupt wurde der Professorentitel aberkannt, mußte öffentlich das
katholische Glaubensbekenntnis aufsagen und schließlich aus Bayern nach
Regensburg fliehe, von wo er im April 1785 aus in einem Rundschreiben den
Illuminatenorden für aufgelöst erklärte. In Gotha gewährte ihm der liberale
Herzog Ernst II., vielleicht in Erinnerung an seinen Vorfahr Friedrich den
Weisen, Zuflucht auf der Wartburg. Ein Vorfahr des Herzoges hatte schon 1521
Martin Luther versteckt, als dieser verfolgt worden war. Später wurde Weishaupt
sogar zum sächsisch-gothaischen Hofrat ernannt und erhielt eine Pension auf
Lebenszeit. Bis in das 19. Jahrhundert war es bei Todesstrafe verboten, den
Orden wieder zu gründen.
Da man davon ausging das der Illuminatenorden zerschlagen wäre, konnte Weishaupt
im Geheimen weiter arbeiten und Mitglieder wirkten in einzelnen Logen fort
Später trat er unter einem neuen Namen auf. Innerhalb eines Jahres trat die
»Deutsche Einheit« an die Öffentlichkeit und verteilte Illuminatenpropaganda
unter den bestehenden Lesegesellschaften. Es entstand der Schlachtruf »Liberté,
Egalité, Fraternité« (»Freiheit, Gleichheit, Glücklichkeit«; daher wurden die
Illuminaten der Ausbruch der Französischen Revolution angelastet). Die
europäischen Monarchen waren sich dieser Gefahr jedoch nicht bewußt. In der
Öffentlichkeit erfuhr der Orden, der vor allem von Jesuiten und Rosenkreuzern
veranstaltet wurde, große Ablehnung in der Öffentlichkeit. Um den Erhalt des
Ordens zu ermöglichen, distanzierte sich Bode von Weishaupt. Der Orden der
Illuminaten fand seinen Fortbestand im Zusammenschluß verschiedener
Gesellschaften im »Bund der Deutschen Freimaurer«, dessen Zentrum Gotha ab 1787
war.