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Die Holländer (1598
- 1710)
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts begann im Indischen Ozean die große
Zeit der holländischen Seefahrer. Im Jahre 1598 erreicht eine Expedition
der Holländischen Ostindischen Handelskompanie unter Admiral Wybrand
van Warwyck Mauritius. Die Insel wird für Holland in Besitz genommen,
Moritz von Nassau wird Statthalter. Daher auch der Name Mauritius. Die
Holländer erkannten den ungeheuren Reichtum der Insel (Edelholz).
Sie errichteten Siedlungen und versuchten, auch die Nachbarinsel St.
Apolonia (das heutige La Réunion) zu besiedeln. Seefahrer verschiedener
Nationen begannen sich für Mauritius zu interessieren. Als idealer
Stützpunkt auf dem Seeweg von Südafrika nach Indien gelegen,
erscheint es auf allen Seekarten. Auch Franzosen und Engländer
kamen, um Edelhölzer auf Mauritius zu schlagen. Um dies zu verhindern
und um den Reichtum für sich zu behalten, entschlossen sich die
Holländer für die offizielle Annexion der Insel. Es wird angenommen,
dass um 1638 etwa 200 Holländer und 500 bis 1.000 Sklaven aus Madagaskar,
Afrika und Java auf Mauritius siedelten. Im Jahre 1646 verbannte der
Gouverneur von Fort Dauphin (an der Südspitze von Madagaskar gelegen)
12 Meuterer zur Nachbarinsel St. Apolonia (La Réunion), sie wird
nun „Mascarin“ genannt. Als 1649 der Gouverneur von Madagaskar
– Flacourt - die Insel im Namen des Königs von Frankreich
in Besitz nimmt, erhält sie den Namen „Ile Bourbon“.
Saint Paul wird die Hauptstadt. Bis 1710 bleibt Mauritius holländischer
Besitz. Ein systematischer Raubbau hatte die Wälder und die einheimische
Tierwelt zerstört. Die rasante Ausbreitung der durch Schiffe eingeschleppten
Ratten und regelmäßige Zyklone, die die jungen Plantagen
der Holländer zerstörten, trugen dazu bei, die Insel zu verlassen.
Da inzwischen die neue Kolonie am Kap der Guten Hoffnung große
Entwicklungschancen versprach, wurden alle Gebäude zerstört
und die gesamte Bevölkerung von etwa 300 Personen (außer
einiger Sklaven) nach Kapland gebracht. Um 1700 war im Indischen Ozean
kein Handelsschiff mehr vor Piratenüberfällen sicher. Zeitweise
gründeten die Piraten im Norden Madagaskars eine eigene Republik
namens „Libertalia“. England und Frankreich sandten in jenes
Seegebiet bewaffnete Fregatten zum Schutz ihrer Handelsschiffe.
Die Franzosen (1715 - 1810)
Das französische Schiff „Chasseur“ landete 1715 in
der Bucht des späteren Port Louis. Im Namen von König Ludwig
XIV. wurde das herrenlose Land in Besitz genommen und auf Befehl des
französischen Marineministers „Ile de France“ genannt.
In Frankreich wurde eifrig für die Kolonisierung der Inseln geworben,
doch stieß dies auf wenig Interesse. Eine dauerhafte französische
Besetzung erfolgte erst 1721, nachdem Ludwig XIV. die Insel der Französischen
Ostindischen Handelskompanie übereignet hatte. Damit begann die
Besiedlung der Insel. 1722 wurden gerade 6 Einwohner gezählt. Erst
1735 begann die Kolonisierung durch Bertrand Francois Mahé de
Labourdonnais als Gouverneur von „Ile de France et Bourbon“.
Beide Inseln erleben ihren ersten wirtschaftlichen Aufschwung. Port
Louis wird als Hafen- und Handelsstützpunkt ausgebaut. Das heutige
Bild der Stadt mit ihrem rechtwinkligen Straßennetz geht auf Labourdonnais
zurück. Dies gilt auch für einige Gebäude, die heute
noch vorhanden sind, z. B. ein Teil des Government House, das Château
de Mon Plaisir in Pamplemousses, die Line Barracks in Port Louis. Mahé
de Labourdonnais förderte den Erwerb von Sklaven und regte die
Wiederaufnahme des Zuckerrohranbaus an. Solange beide Inseln unter französischer
Verwaltung standen, blieb die landwirtschaftliche Produktion (Zuckerrohr,
Kaffee, Baumwolle) jedoch zweitrangig und war eher auf Subsistenz als
auf Export ausgerichtet. Ein erster Niedergang der Inseln folgt ab 1750,
als der Kaffeeabsatz zurückgeht. Als Folge des Siebenjährigen
Krieges brach die „Compagnie des Indes“ 1767 zusammen und
die französische Krone übernahm ihre Besitzungen. Im Jahre
1787 hatte „Ile de France“ schon fast 40.000 Einwohner,
davon rund 34.000 Sklaven, 4.000 Europäer und 2.300 Freigelassene.
Anfangs begrüßten die Kolonisten die Französische Revolution
mit Begeisterung und bildeten eine lokale Selbstverwaltung. Bourbon
wird zu „Ile de la Réunion“. Dies fand keinen Zuspruch
bei den Sklavenhaltern, sie versuchten die Insel in Il Bonaparte umzubenennen.
Die Abschaffung der Sklaverei 1794 ließ die Kolonisten jedoch
mit Paris brechen. Erst Napoleon konnte nach deren Wiedereinführung
1803 erneut die Kontrolle über die Insel übernehmen. 1810
kam es bei Grand Port zu einer großen Seeschlacht zwischen Briten
und Franzosen. In deren Folge besetzte Großbritannien beide Inseln.
Die Besitzstrukturen, die Privilegien der französischen Grundbesitzer
und den Vorrang der französischen Kultur tasteten die Briten jedoch
nicht an. Lediglich die Verwaltung wurde auf das englische System umgestellt.
Port Louis, das inzwischen in Port Napoleon umbenannt worden war, erhielt
seinen alten Namen zurück. Aus Ile de France wird 1814/15 wieder
„Mauritius“. Im Jahre 1814 wird La Réunion im Abkommen
von Paris an Frankreich zurückgegeben, während Mauritius samt
seiner Außenbesitzungen englisches Herrschaftsgebiet bleibt.
Neuere Geschichte (ab
1814) und politisches System von Mauritius
Neuere Geschichte
Kolonialzeit der Engländer
Am 20. August 1810 können die Franzosen ihren letzten großen
Seesieg über die Engländer in der Bucht von Grand Port - vor
Mahébourg - erlangen. Aber schon am 29. November 1810 landet
ein britisches Expeditionskommando mit 60 Schiffen und 10.000 Soldaten
am Cap Malheureux unter General Abercrombie. Gegen eine derartige Übermacht
hatten die rund 4.000 französischen Soldaten keine Chance und mussten
daher am 2. Dezember 1810 in Port Napoleon (heute Port Louis) kapitulieren.
In den Kapitulationsbedingungen war den französischen Siedlern
eine von englischen Einflüssen weitgehend ungestörte Zukunft
versprochen wurden: sie durften ihre Religion ausüben, ihre Sprache
sprechen, nach ihren Gebräuchen leben und selbst ihre Gesetze behalten.
Der Grund für diese zuvorkommende Behandlung lag darin, dass das
kleine Mauritius für britische Kolonialisierungspläne zu unbedeutend
war. Den Engländern genügte es, von der geostrategischen Lage,
dem Hafen und den Steuern zu profitieren. Es gab lediglich einige Änderungen
auf politischem, administrativem und kulturellem Gebiet - z. B. wurde
die Hauptstadt von Port Napoleon wieder in Port Louis umbenannt und
die Ile de France wurde wieder zu Mauritius. Diese große Toleranz
hat ihre Folgen bis heute: die offizielle Landessprache Englisch wird
längst nicht so beherrscht wie Französisch und Creole, und
der Code Napoleon ist noch immer die gesetzliche Grundlage des Inselstaates.
1814 wird im Friedensvertrag von Paris dann Folgendes festgelegt: Réunion
bleibt bei Frankreich; Mauritius, Rodrigues und Seychellen kommen an
England. Mauritius hat zu dieser Zeit eine Bevölkerung von 78.000,
wovon 63.000 Sklaven sind. Wirtschaftlich setzten die Briten auf den
Zuckerrohranbau, der bereits von den Holländern und Franzosen intensiv
betrieben wurde. Zuckerrohr wurde die alles beherrschende Monokultur
mit Auswirkungen auf den Handel und das Sozialgefüge. Mauritius
wurde damals zu Recht als Zuckerinsel bezeichnet. Die Großen Landeigentümer
(„Zuckerbarone“) gaben in Politik und Gesellschaft den Ton
an und kämpften am heftigsten gegen die Sklavenbefreiung. Dennoch
setzten die Engländer zwischen 1835 und 1838 die Sklavenbefreiung
durch. Für jeden freigelassen Sklaven bekamen die ehemaligen Sklavenhalter
eine großzügige Entschädigung. Innenpolitisch war die
Sklavenbefreiung ein sehr bedeutendes Ereignis. Da die ehemaligen Sklaven
für ihre Arbeit von den Zuckerbaronen nur eine geringe Bezahlung
bekamen, zogen sie sich von den Plantagen zurück, erwarben und
bebauten ein Stück eigenes Land. Die Folge war ein Arbeitskräftemangel.
Deshalb wurden in der Folgezeit billige Arbeitskräfte, so genannte
Kulis, aus China und Indien nach Mauritius geholt. Sie stellten bald
die Bevölkerungsmehrheit dar. Ihr Los unterschied sich nur unwesentlich
von dem der ehemaligen Sklaven: sie wurden aus den Elendsvierteln der
indischen Städte gelockt, und oft wussten sie weder wohin die Reise
ging, noch was sie am Ziel erwartete. Viele starben bereits auf der
Überfahrt. Das Geld für den Kulihandel stammte noch immer
aus den Entschädigungen der Sklavenbefreiung. Dank der Arbeitskraft
der Kulis nahm die Anbaufläche von Zuckerrohr bis 1850 enorm zu.
Vom Anfang des 18. Jahrhunderts bis 1860 nahm die Zahl der Zuckerfabriken
von drei auf 300 zu, und die Zuckerproduktion steigerte sich von 300
t auf 130.000 t.
Das Zuckerrohr bedeckte 71 schließlich mehr als 90 % der Fläche,
deshalb mussten auch immer mehr Grundnahrungsmittel, v. a. Reis und
Fleisch, eingeführt werden. 1847 kommt der Fehldruck eines Briefmarkensatzes
in Umlauf – die „Blaue Mauritius“ wird später
weltberühmt. 1860 zählt Mauritius bereits 200.000 Einwohner.
1864 wird die erste Eisenbahnlinie von Port Louis nach Flacq eröffnet.
Kurz danach bereits die zweite von Port Louis nach Mahébourg.
In der Zeit von 1866 bis 1868 fordert eine schlimme Malariaepidemie
ca. 48.000 Todesopfer. In den Jahren 1891 bis 1899 folgen zahlreiche
Epidemien und Umweltkatastrophen aufeinander. Es kommt zu Verwüstungen
auf der Insel und v. a. in Port Louis durch einen Zyklon. Außerdem
fordern Cholera- und Malariaepidemien zahlreiche Todesopfer. Zudem wird
die Hauptstadt durch ein Großfeuer zerstört. So bot Mauritius
in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Bild voller Licht- und
Schattenseiten. Einerseits war Mauritius eine blühende Kolonie
mit allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteilen der europäischen
Oberschicht: man wohnte in prächtigen Villen, vergnügte sich
im Theater von Port Louis, konnte seit 1869 über ein unterseeisches
Kabel mit Europa kommunizieren, hatte Eisenbahnverbindungen und profitierte
von einer Wirtschaftslage, die Mauritius als Zuckerlieferant für
Australien, Indien und Europa zu einer internationalen Drehscheibe des
Exportes gemacht hatte. Andererseits lebte der Großteil der Bevölkerung
unter ärmlichsten Verhältnissen, geprägt von einem zu
starken Import neuer Arbeitskräfte, 500.000 allein aus Indien.
Die Einwohnerzahl von Mauritius stieg innerhalb von 65 Jahren um das
Vierfache. Hinzu kamen die dadurch verursachten Ernährungsprobleme.
Durch eingeschleppte Krankheiten, wie Malaria oder Cholera, verschlimmerte
sich die Situation zusätzlich. Es ist erstaunlich, wie lange sich
die polarisierte Gesellschaft halten konnte. Es wurde zwar vereinzelt
versucht, die Macht der Zuckerbarone zu brechen und die soziale Lage
der Arbeiter zu verbessern, aber im Großen und Ganzen verharrte
Mauritius bis nach dem 2. Weltkrieg auf dem Stand des 19. Jahrhunderts.
Trotz der enormen Einkommensgegensätze zwischen Arbeitern/ Bauern
und Landarbeitern bestimmten nicht die Klassengegensätze, sondern
ethnische Gegensätze die Politik auf Mauritius. Die Einwohner des
Landes fanden sich mit einer Identität als Angehöriger einer
der vier ethnischen Hauptgruppen ab – Franko-Mauritianer, Schwarzafrikaner
und Kreolen, Chinesen, Inder. Im Jahre 1901 besuchte Mahatma Gandhi
für drei Wochen Mauritius. Er tat viel für das politische
Selbstbewusstsein der indischen Bevölkerung, die mittlerweile 2/3
der gesamten Einwohner ausmachte. Der Weltmarkt für Zucker verlagerte
sich immer mehr in die Karibik. Außerdem baute man jetzt verstärkt
in Europa Zuckerrüben an. Auch die Handelsrouten gingen immer mehr
an Mauritius vorbei. Vom internationalen Geschehen war Mauritius weitgehend
ausgeschlossen und die Verkehrsverbindungen beispielsweise mit Afrika
gab es nur noch sporadisch. Beim Ausbruch des 1. Weltkrieges (1914)
hat sich die Bevölkerung durch Krankheiten und Auswanderung fast
halbiert. Handel und Wirtschaft sind stark zurückgegangen und das
Land ist fast verarmt.
Zwischen den beiden Weltkriegen
erlebte Mauritius dann wieder einen kleinen Aufschwung, der auch von
sozialen Fortschritten begleitet wurde. Vor allem die Inder erkämpften
sich während der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren mehr und
mehr Rechte, z. B. die Erweiterung des Wahlrechts auf alle Männer,
die lesen und schreiben konnten, wodurch erstmals Indern politische
Rechte zuerkannt wurden. Durch den 2. Weltkrieg wurde der kurze Aufschwung
wieder unterbrochen. Im Jahre 1936 erfolgte dann die Gründung der
ersten politischen Partei: Parti Travailliste (Arbeiterpartei), unter
Führung von Maurice Cure. Es schlossen sich hier Angehörige
verschiedener Gruppen zusammen, an deren Spitze Angehörige des
Kleinbürgertums standen. Die Forderungen lauteten: allgemeine Wahlen,
ein Recht auf Gründung von Gewerkschaften und Mindestlöhne
für Docker und Zuckerarbeiter. Aufgrund von Streiks wurde 1938
den meisten Forderungen nachgegeben. Die Partei hatte Erfolg errungen
und fand breite Unterstützung. Im Jahr 1942 eröffnet die britische
Air Force für den 2. Weltkrieg im Indischen Ozean den Militärflughafen
Plaisance, der ab 1946 zivil genutzt wurde, und hatte somit eine ausschlaggebende
Bedeutung für die Entwicklung des Tourismus auf Mauritius. Der
Zweite Weltkrieg machte sich bei der Bevölkerung v. a. durch Mangel
bemerkbar. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam es endlich zur längst
überfälligen Verbesserung der Infrastruktur und in der Politik.
Es erfolgte beispielsweise 1948 die Einführung des erweiterten
Wahlrechts für alle, die ihren Namen schreiben konnten und nicht
mittellos waren. Die lange Vorherrschaft der Franko-Mauritianer war
somit gebrochen und der Weg für den politischen Erfolg der indischen
Bevölkerungsmehrheit frei. Durch großen finanziellen und
technisch-chemischen Aufwand können 1952 Cholera und Malaria besiegt
werden. Dadurch erfolgte ein neuer explosionsartiger Anstieg der Bevölkerung.
Im Jahr 1958 wurde das uneingeschränkte allgemeine Wahlrecht eingeführt,
das der Arbeiterpartei (Labour Party) unter dem Inder Sir Seewoosagur
Ramgoolam zu großen Erfolgen verhalf. Zunehmend wurden eine Loslösung
von Großbritannien und die Installierung eines unabhängigen
Mauritius gefordert.
Die Unabhängigkeit
Im Jahr 1965 wird auf einer Verfassungskonferenz in London die Unabhängigkeit
des Landes vorbereitet, die 1966 in die neue Verfassung mündet.
Bei den Wahlen 1967 stimmen 58 % der Mauritianer für die Parteien,
die die Unabhängigkeit wollen. Somit stand der Unabhängigkeit
nichts mehr im Weg. Nach 150 Jahren englischer Herrschaft fand am 12.
März 1968 die feierliche Proklamation der staatlichen Souveränität
in Port Louis statt. Der 1. Premierminister wurde Seewoosagur Ramgoolam
– er ist wohl die bedeutendste politische Gestalt und als „Vater
der Unabhängigkeit“ wohl jedem Bürger des Landes bekannt.
Er war bis 1982 Regierungschef und hatte großen Anteil an der
erfolgreichen Entwicklung des Landes. Die Verfassung nach englischem
Modell bestimmte die Königin zum Staatsoberhaupt, vertreten durch
einen Generalgouverneur. Gleichzeitig wird der neue Staat als 73 Mitglied
im Commenwealth of Nations aufgenommen. Anfang der 60er Jahre erreichte
die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes einen weiteren
kritischen Punkt. Missstände, wie Übervölkerung, Arbeitslosigkeit
und eine Monokultur von der nur die Oberschicht profitiert, während
ein immer größerer Bevölkerungsteil unter der Armutsgrenze
lebt, führten 1965 zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Hindus
und Kreolen. Durch die Etablierung einer Freihandelszone kurbelt Mauritius
1971 die heimische Industrie, besonders die Textilwarenherstellung,
an und animiert ausländische Investoren. Das bedeutet, die wesentlichen
wirtschaftlichen und sozialen Änderungen gingen von der Industrieproduktion
und vom wachsenden Tourismus aus. Im Jahr 1982 gewinnt die MMM (Mouvement
Militant Mauricien), eine militante Bewegung, die Wahlen mit absoluter
Mehrheit und alle Parlamentssitze. Neuer Premierminister wird ihr Parteivorsitzender,
der Rechtsanwalt Anerood Jugnauth. Wegen der Spaltung der MMM kommt
es 1983 bereits zu Neuwahlen. Jugnauth jedoch – nun Führer
der neuen Partei Mouvemant Socialiste Militant (MSM) – konnte
innerhalb einer Koalitionsregierung bis 1991 wichtigste politische Gestalt
bleiben. Im Jahr 1987 bestätigen die Parlamentswahlen die Mehrheit
der Koalition. Die Industrie und der Tourismus sind auch weiter auf
dem Vormarsch. Im Jahr 1987 übersteigt der industrielle Exportanteil
bereits den Erlös aus dem Zuckerexport, das spiegelt sich auch
in der Verteilung der Arbeitsplätze wieder: 85.000 Beschäftigte
in Industrie, das sind mehr als doppelt so viele wie in der Zuckererzeugung.
Zwar kontrolliert die franko-mauritianische Oberschicht auch in den
90er Jahren noch die Zuckerproduktion, aber diese ist neben der Industrie
und dem Tourismus zweitrangig geworden. Im Jahr 1989 kommen mehr als
270.000 Besucher, davon mehr als 100.000 aus Westeuropa, um ihren Urlaub
auf Mauritius zu verbringen. Heute wird v. a. der Luxustourismus auf
Mauritius gefördert, der aber national auch die Preise der Lebensmittel
in die Höhe treibt. In dieser Zeit war die politische Szene von
Skandalen geprägt: höchste Würdenträger waren in
den internationalen Drogenhandel verstrickt, auch Korruptionsfälle
kamen ans Tageslicht. Das Ergebnis der Wahlen von 1991 ist eine Koalitionsregierung
zwischen dem MMM und Jugnauth.
Am 12. März 1992 wird Mauritius
in eine unabhängige Republik umgewandelt. Damit ging auch die Rolle
der Königin als Staatsoberhaupt - bislang Queen Elisabeth II.-
verloren. Außenpolitisch verfolgt Mauritius den Kurs einer Anlehnung
an die europäische Union bei guten Beziehungen zu afrikanischen
und asiatischen Ländern und setzt sich für die Entmilitarisierung
des Indischen Ozeans ein. In der Vergangenheit kam es dabei zu Auseinandersetzungen
mit den USA, die von Großbritannien die eigentlich von Mauritius
zu verwaltende Insel Diego Garcia übernommen und vielleicht zur
größten atomar bestückten Militärbasis des gesamten
Raumes gemacht haben. Die mehr als 1.000 Einwohner der Insel wurden
in den 1960er Jahren einfach nach Mauritius zwangsevakuiert und drängen
auf Rückkehr. 1992 erklärte die Regierung nochmals den Anspruch
auf die Insel – ohne Lösung. Somit wird auch in Zukunft die
Beziehung zu den USA belastet sein. Wirtschaftlich steht Mauritius mit
einem Wirtschaftswachstum von 5 - 6 %, einer Inflation knapp über
7 % und einer Arbeitslosenquote von 1,6 % Mitte der 90er Jahre in einer
nicht nur für Afrika ungewöhnlichen Situation. Aber das Problem
der Übervölkerung ist drängender denn je. Die stärksten
Gegner der Geburtenkontrolle sind die Moslems und die römisch-katholischen
Christen.
Politisches System
Mauritius ist eine präsidiale Republik. Das Staatsoberhaupt ist
der Staatspräsident – seit 1992 ist das Cassam Uteem. Der
Regierungschef ist der Premierminister – das ist seit 1995 Navinchandram
Ramgoolam. Die Legislative wird gebildet durch die Nationalversammlung.
Sie besteht aus 62 Abgeordneten, die auf fünf Jahre gewählt
werden, wobei zwei Abgeordnete die Bewohner der Insel Rodrigues vertreten,
sowie bis zu acht zusätzlichen Mitgliedern als Vertretung der Minderheiten.
Das Gerichtswesen besteht aus einem Obersten Gerichtshof, einem Appellationsgericht,
zehn Distriktgerichten und einem Sondergericht. Die Streitkräfte
werden gebildet von 8.500 Polizisten, die auch für die Verteidigung
zuständig sind. Administrativ ist Mauritius in neun Distrikte gegliedert:
Riviere du Rempart, Pamplemousses, Port Louis, Moka, Flacq, Black River,
Plaines Wilhelms, Grand Port und Savanne
Neuere Geschichte (ab
1814) und politisches System von La Réunion
Rückkehr der Insel zu
Frankreich
Am 6. April 1814 dankte Napoleon Bonaparte ab. Die Bourbonen nehmen
die Macht in Person Louis XVIII. wieder an sich. Aufgrund des Vertrages
von Paris vom 30. Mai 1814 wird die Insel Bourbon an Frankreich zurückgegeben.
Ein Schub in der Geburtenrate, der mit der Europäerankunft verbunden
ist, ließ die Bevölkerungszahl beachtlich anwachsen: von
65.000 Einwohnern im Jahre 1804 auf 110.000 Einwohner 1848.
Abschaffung der Sklaverei
Als 1815 auf dem Wiener Kongress die Abschaffung des Sklavenhandels
in der ganzen Welt beschlossen wurde, musste Louis XVIII. diese Entscheidung
auch auf seine Kolonien anwenden. Dies führte allerdings bis 1840
zur Entwicklung eines sehr lukrativen heimlichen Sklavenhandels auf
Bourbon, dessen Rückgang ab 1831 aufgrund verstärkter Sanktionen
einsetzte. In Folge der ausgerufenen „Zweiten Republik“
fand 1848 die offizielle Abschaffung der Sklaverei statt, die Ile Bourbon
erfährt ihre letzte Namensänderung, die bis zum heutigen Tage
gültige Bezeichnung Ile de la Réunion. Am 13. Oktober 1848
lässt der Generalkommissar der Republik Sarda Garriga das Abschaffungsdekret
offiziell verkünden, um die 60.000 Sklaven zu befreien und aus
ihnen französische Bürger zu machen. Daraufhin verlassen viele
ehemalige Sklaven die Felder, zu einem Zeitpunkt, als sich die Kolonisten
auf eine höchst spekulative Kultur ausrichten: das Zuckerrohr.
Um dennoch über billige Arbeitskräfte zu verfügen, führten
die Kolonisten Arbeitskräfte aus anderen Teilen der Welt ein. Von
1849 bis 1859 sind es etwa 30 000 Arbeiter aus Afrika, Madagaskar und
den Komoren, die nach Réunion kommen. Die Einwanderung indischer
und chinesischer Arbeiter wurde intensiviert. Die Wirtschaftsentwicklung
erfuhr dank diesem massiven Zustrom ausländischer Arbeitskräfte
einen Aufschwung. Die Ausdehnung der Anbauflächen sowie Zusammenlegungen
von kleinen und mittelgroßen Anbauflächen erbrachten enorme
Steigerungen im Zuckerrohranbau. Die Jahre 1850-1860 sind die "goldenen
Jahre" des Zuckerrohrs. Die Bevölkerung erreichte einen gewissen
Wohlstand, hauptsächlich die Landeigentümer und die Kaufleute;
die Infrastrukturausstattung Réunions entwickelte sich. Ab 1860
stürzte die Zuckerproduktion dramatisch ein, bedingt durch die
kubanische Konkurrenz sowie die Ausweitung des Zuckerrübenanbaus
in Europa. Die von der Monokultur abhängige Insel erlitt eine schwere
wirtschaftliche Krise. Versuche, die landwirtschaftliche Produktion
zu diversifizieren, erwiesen sich aber als wenig effizient. Da sich
mit dem Bau des Suezkanals ab 1870 der Seeweg nach Indien nordwärts
verlagerte, verringerte sich die Bedeutung der Kolonie für das
Mutterland. Somit ist am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
die wirtschaftliche Lage der Insel sehr schlecht.
Die Zeit der Weltkriege und die Zwischenkriegszeit
Etwa 10.000 Soldaten aus La Réunion zogen für Frankreich
in den Ersten Weltkrieg. Der wohl berühmteste war Roland Garros,
ein Pionier der Luftfahrt. Er profilierte sich im Laufe zahlreicher
Luftkämpfe. Er starb am 5. Oktober 1918 in Vouziers. Auf der Insel
wurde eine deutsche Intervention befürchtet. Hinzu kamen harte
Entbehrungen: die Nahrungsmittelversorgung und der Export brachen zusammen,
man war fast ausschließlich auf Frankreich angewiesen. Der Waffenstillstand
im Jahre 1918 brachte Erleichterung. Die Nachkriegszeit war durch Krankheiten
und Epidemien geprägt. Einer Grippeepidemie fielen 1919 zwischen
20.000 und 70.000 Menschen zum Opfer. Im Jahre 1926 gab es einen neuen
Alarm, aber die Interventionsgeschwindigkeit der Behörden und die
Ergreifung von wirksamen Maßnahmen (z. B. Impfung) bremsten die
Epidemie. Bis zum Jahre 1945 litt La Réunion an den Folgen mehrerer
Krankheiten, wie z. B. der Tuberkulose und dem Paludismus (typhusartiges
Fieber). Nach dem ersten Weltkrieg waren die Absätze des Zuckerrohrs
steigend. In Frankreich herrschte Mangel, die Rübenernte wurde
bei den Kämpfen verwüstet. Die Insel exportierte ihren Zucker
und erreichte einen neuen Wohlstand trotz eines Mangels an Arbeitskräften.
Eine erneute Einfuhr von Arbeitern war die Folge (komorische Somalis,
Rodriguais), die jedoch mit einem Misserfolg endete: viele gaben ihren
Arbeitsplatz auf und verlangten ihre Rückführung ins Heimatland.
Parallel kamen Chinesen aus Kanton und der Provinz von Huischien und
muslimische Inder der Provinzen von Surat und Goudjérat auf die
Insel. Damit wurde die Grundlage für die heutige Bevölkerungszusammensetzung
gelegt und eine starke Rassenmischung begann. Die Besetzung Frankreichs
im Zweiten Weltkrieg drängte Réunion 1940 eine Entscheidung
auf: weiterhin am Krieg teilzunehmen, wie es General de Gaulle wünschte
oder sich den Reihen des Marschalls Pétain anzuschließen
und den Waffenstillstand zu unterzeichnen. Von 1940 bis 1942 ging Réunion
Pétains Weg und das aus mehreren Gründen: - das Vorgehen
des Gouverneurs Aubert und seiner Autorität - die verführenden
Aspekte „der nationalen Revolution“, die von Marschall Pétain
vorgeschlagen wurden, beruhen auf dem Slogan "Arbeit, Familie,
Vaterland ". Das Vichy-Regime errichtete eine Diktatur auf der
Insel. Die Wahlen wurden abgeschafft, die politischen Vertreter wurden
von Männern ersetzt, die dem Marschall Treuepflicht schworen. Die
Presse, das Radio und das Kino wurden abgeschafft, bis Réunion
im Jahre 1942 dem „freien“ Frankreich angeschlossen wurde.
Auf wirtschaftlicher Ebene herrschten katastrophale Zustände auf
der Insel. Die Verbindung mit dem Mutterland war unterbrochen, Réunion
musste erneut fast in Autarkie leben. Der Zucker, der nicht mehr exportiert
werden konnte, stapelte sich in den Lagerhallen. Im Jahre 1943 herrschte
eine Hungersnot.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Im Jahre 1945, nach der Kapitulation Deutschlands, wurden Wahlen organisiert.
Die Linke mit Raymond Vergès und Léon de Lepervanche in
ihren Reihen triumphierte, beide waren Kommunisten, die die Insel in
der Nationalversammlung vertraten. Im März 1946 schlugen sie der
Versammlung die Umwandlung Réunions in ein Département
von Frankreich vor. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Im Jahre
1959 statteten General de Gaulle und sein erster Minister Michel Debré,
der 1963 zum Abgeordneten Réunions gewählt wurde, der Insel
einen Besuch ab. Mit dem Anstieg der Investitionen verbesserten sich
die Lebensbedingungen und die Bevölkerungszahl wuchs beträchtlich.
Fortschritte wurden vor allem auf sanitärer und sozialer Ebene
erzielt. Die Gesundheitsvorsorge wurde entwickelt, Impfungen wurden
zwingend und Krankenhäuser erbaut. Außerdem bekämpfte
man die Unterernährung. Es wurde die allgemeine Einführung
der Schulkantinen durchgesetzt. Die Familien profitierten von einer
Hilfspolitik und erhielten Zuwendungen, um sich ausreichend ernähren
zu können. Infolge all die77 ser Maßnahmen ging die Sterblichkeitsrate
von 11,4 Promille im Jahre 1960 auf 6,3 Promille im Jahre 1978 zurück.
Parallel dazu setzte eine Politik der siedlungsräumlichen Erneuerung
ein. In deren Gefolge wurden Wohnungen in den Städten bereitgestellt,
um der Landflucht zu begegnen. Weiterhin legte man nachdrücklichen
Wert auf eine Steigerung der allgemeinen und beruflichen Bildung. Vor
dem 2. Weltkrieg waren die Einwohner mehrheitlich Analphabeten. Um die
Lage zu verbessern, wurden Schulen und Gymnasien gebaut und die allgemeine
Schulpflicht eingeführt. Ebenfalls kam es zur Verbesserung der
Versorgung mit Energie und Wasser. Die Hafenzonen und der Flughafen
von Gillot wurden modernisiert. Die Telekommunikation
entwickelte sich. Das Straßennetz verdichtete sich, eine Verbesserung
der Verkehrsverbindungen in die zentralen Bereiche wurde geschaffen.
Aber ein entscheidendes Problem entwickelte sich zusehends, eine arbeitsmarktpolitische
Unausgewogenheit: die Spanne zwischen Erwerbstätigen und Erwerbslosen
wuchs. Die Erwerbsquote, die 1945 29 % betrug, fiel auf 22,3 % im Jahre
1980. So sind jedes Jahr 12.000 Jugendliche auf der Suche nach einem
ersten Arbeitsplatz, während der Arbeitsmarkt nur 2.000 neue Arbeitsplätze
anbietet. Die bevorzugten Lösungen sind die Auswanderung und die
soziale Unterstützung. Man muss ebenfalls feststellen, dass die
wirtschaftliche Lage der Insel aufgrund ihrer Abhängigkeit zu Frankreich
zerbrechlich bleibt. Landwirtschaftliche Nutzfläche steht nur begrenzt
zur Verfügung, es stehen keinerlei Bodenschätze zum Aufbau
einer Industrie zur Verfügung. |