"Let all the others fight and fuss, what ever happens, we've got us!"
Kapitel 3
Ich drücke Filou fest an mich. Ihr Körper zittert.
Ich habe ihre Frage nicht beantwortet, ich denke, sie braucht keine Antwort.
Es klingelt an der Tür, doch will ich nicht aufstehen.
Ich habe Angst, dass mir meine Beine nicht gehorchen.
Oder dass unkontrollierbare Tränen über meine Wange rollen.
Das Letzte, was ich jetzt gebrauchen könnte.
"Willst du nicht aufmachen?", fragt Filou und setzt sich auf.
Ihr Gesicht ist ganz rot, doch sie lächelt, als sie sich die letzten Tränen wegwischt.
Ich nicke, unfähig etwas zu sagen. Langsam bewege ich mich zur Tür,
versuche auszusehen, als wäre alles okay.
Leander schaut mich ernst an, als ich die Tür öffne.
Ich fühle mich hin- und her gerissen.
Soll ich ihn begrüßen, umarmen, küssen, oder lieber die Tür wieder zuschlagen.
Die Entscheidung wird mir abgenommen, als er auf mich zukommt und mich küsst,
kurz und unsicher. Dann drängt er sich an mir vorbei in die Wohnung.
Ich höre Filous liebevolle Stimme und dann Leanders leise Worte.
Noch immer stehe ich an der offenen Tür. Sie lädt mich gerade dazu ein, hinaus zu laufen.
Doch mein Kopf hält mich davon ab. Ich bin nicht jemand, der einfach abhaut.
Ich habe gelernt, dem Übel ins Gesicht zu sehen.
Und meistens stellt sich dabei heraus, dass es gar nicht so übel ist.
Ich schließe die Tür und mache mich auf den Weg ins Wohnzimmer.
Filou sitzt immer noch auf meinem Sofa und schaut mich lächelnd an.
Leander steht mit dem Rücken zu mir am Fenster.
Niemand wagt etwas zu sagen.
Schließlich meint Filou "Ich geh dann besser" und steht auf.
"Nein.", sagen Leander und ich gleichzeitig.
Er dreht sich langsam um und schaut Filou an.
"Es ist nicht besser, wenn du gehst.", meint er dann, bevor sein Blick an mir hängen bleibt.
"Wir müssen reden. Es geht uns alle an."
Filou setzt sich wieder und ich nicke.
"Was trinken?", frage ich kurz und als ich in die Küche eilen will, hält mich Filou auf.
"Ich mach das schon.", meint sie und lässt mich mit Leander allein.
Nicht, dass ich davor Angst hätte.
Nur bin ich Leanders distanzierte Art nicht gewohnt. Ich weiß nicht, was er von mir erwartet.
Als Filou weg ist, schaue ich ihn an. Auch er blickt mir direkt in die Augen.
"Es tut mir leid." meint er.
Das habe ich nun wiederum nicht erwartet.
"Dir tut es leid?", frage ich noch mal nach.
Er nickt.
"Es war meine Idee, da hin zu gehen. Ich wusste nicht, was daraus werden konnte…"
"Ich hätte nicht mitmüssen."
"Was hättest du sonst tun sollen? Ich hab dich gezwungen."
"Gebeten…"
"Ich wusste, dass du mir diesen Wunsch nicht abschlagen würdest.
Es war mein Geburtstag. Ich hätte es nie verlangen dürfen."
"Leander…"
"Ich habe nicht gewusst…ich hab ja nicht mal geahnt…"
Er wendet sein Gesicht wieder von mir ab und blickt durch das Fenster.
Ich gehe auf ihn zu und ziehe ihn in meine Arme.
"Das konnte niemand ahnen…
auch ich habe mit so was nicht gerechnet.", sage ich leise und lege meine Stirn an seine.
"Ich bin so erschrocken, als ich die Zeitung gelesen habe…"
Ich liebe seinen Duft. Er ist immer frisch und klar.
Er riecht nach gar nichts.
Vielleicht nach Freiheit…für mich ist das der Duft der Freiheit.
Die meisten Leute denken bei Freiheit an eine Meeresbrise oder einen warmen Sommerwind.
Ich denke an Nichts. An vollkommene Stille, unglaubliche Weiten…
"Du hast geraucht.", meint er plötzlich.
Ich seufze.
"Ja, sorry."
"Schon okay."
Ich küsse ihn, sanft und lange.
Bis wir von einem Schrei und dem Geräusch zerbrechendem Glas unterbrochen werden.
Ich sehe Leander an und er lächelt.
Seine Hand fest in meiner gehe ich in die Küche, in der Filou zwischen Unmengen von Scherben kniet.
Sie schaut mich betroffen an, als ich mit Leander in die Küche komme.
Ich lache und auch Leander lächelt.
"Es tut mir Leid.", seufzt sie.
"Lass uns das machen.", sage ich nur.
"Aber…", meint sie und steht nicht auf.
"Fi, Orlando hat Recht. Lass ihn und mich das machen…du weißt doch, was passiert…"
Sie seufzt wieder und steht auf, in dem sie noch tausend Entschuldigungen murmelt.
Filou ist einer der größten Tollpatsche, die ich kenne.
Das Schlimme, oder vielleicht Ironische, ist nur, dass sie sich auch noch jedes Mal schneidet,
wenn sie ihre Scherben beseitigen will. Sie hat ein wahnsinnig gutmütiges Wesen,
aber zieht das Unglück magisch an.
Leander beginnt die Scherben aufzusammeln, während ich was zum Aufwischen hole.
Wir reden nicht viel, und haben das Chaos in ein paar Minuten beseitigt.
Dann schenke ich uns was zu trinken ein und wir gehen wieder ins Wohnzimmer, wo Filou wartet.
"Willst du wirklich mitkommen? Du musst nicht…"
Ich schaue Leander zweifelnd an.
Gerade habe ich ihm von Johns Vorschlag erzählt, dass wir ihn ihm "Covey" treffen sollen.
"Natürlich komme ich mit. Das geht uns beide an.", sagt er und nimmt meine Hand fest in seine.
"Aber nur durch mich kam es an die Öffentlichkeit…"
"Mach dir keine Sorgen. Wir stecken da gemeinsam drin,
also schaffen wir das auch gemeinsam."
Ich bin dankbar über seine aufrichtigen Worte.
Filou schaut Leander und mich an. Sie hat schon lange nichts mehr gesagt.
Ich habe ihnen erzählt, was John mir gesagt hatte und jeder hat auf seine Art reagiert.
Filou hat versucht alles zu drehen und zu wenden,
das Positive zu finden und ist dann schließlich verstummt.
Leander ist ruhig geblieben und hat nur gemeint,
dass er mich zum Mittagessen begleiten würde, wie es ja auch Johns Wunsch war.
Ich bin froh solche Freunde zu haben.
Ich finde, dass ich dafür viel zu selten und zu wenig dankbar bin.
Ich hatte noch nie solche guten Freunde, sie erscheinen mir fast wie aus einem guten Buch entsprungen.
Ich meine, Leute, die einen blind verstehen, die für einen da sind,
auch wenn man sie nicht drum bittet. Die keine Fragen stellen, wenn man nichts sagen wil
und die einem zuhören, wenn man jemandem zum Reden braucht.
Sie sind dafür verantwortlich, dass ich noch auf dem Boden der Tatsachen bin,
sie nehmen mich, so wie ich bin, mehr, sie wollen mich so,
und haben nicht zugelassen, dass der Erfolg mich irgendwie gravierend verändert hat.
Filou hat mich auf meinem Erfolgsweg begleitet. Sie war da, als ich das Angebot für "Herr der Ringe" bekam,
sie hat mir geholfen, mich auf das Casting vorzubereiten.
Sie hat mich getröstet, als ich beim ersten Mal nicht genommen wurde,
und hat sich umso mehr gefreut, als ich die Rolle des Legolas bekam.
Was habe ich als Dank getan?! Ich habe ihr Johnny Depp vorgestellt, als ich "Fluch der Karibik" gedreht habe.
"Wir sollten nicht zusammen gehen.", sage ich schließlich und versuche logisch zu denken.
Die Ereignisse des Morgens haben mich total überrannt
und mir fällt es immer schwerer mit meinen Gedanken nicht abzuschweifen.
Leander nickt.
"Geh du zuerst, ich komme dann nach.
Ich schau noch daheim vorbei und zieh mir was anders an."
"Gut…komm so gegen viertel nach eins, ich werde jetzt losgehen."
Ich stehe auf und stecke meinen Geldbeutel und die Zigarettenschachtel von Fi in meine Hosentaschen.
Leander schaut mich kopfschüttelnd an, reicht mir aber dann mein Feuerzeug.
"Das du wieder mit dem Scheiß anfangen musst…"
Ich zucke resigniert die Schultern, was soll ich auch tun.
Eine Sucht ist nie wirklich vorbei, das habe ich heute gemerkt.
Fi steht auch auf.
"Ich begleite dich ein Stück, wenn das in Ordnung ist.
Ich muss auch in die Stadt.", sagt sie und trägt unsre drei Gläser in die Küche.
Leander steht auf und kommt auf mich zu.
"Wir sehn uns nachher.", meint er und diesmal ist sein Kuss leidenschaftlich und lang.
"Tschüß Fi!", ruft er laut und mit einem Lächeln in meine Richtung verlässt er die Wohnung.
Ich zünde mir eine Zigarette an.