by Josha

Der Himmel ist von dunklen, grauen Wolken bedeckt.
Das Licht der Laterne erleuchtet ein Stück der Straße vor mir.
Unweigerlich muss ich daran denken, wie ich vor einem Monat hier gestanden habe.
Es hat geregnet, der Himmel hat geweint.
Ich muss daran denken, wie ich sie beobachtet habe, nur für zwei oder drei Momente, dann war sie verschwunden.
Langsam hebe ich den Kopf, die ersten Schneeflocken fallen.
Ich muss blinzeln, als eine mir ins Auge fällt, eine andere schmilzt auf meiner Wimper.
Fasziniert strecke ich die Hand aus, fange dieses Mal nicht den Regen, sondern die Flocken.
Sie bleiben kaum eine Sekunde auf meiner Hand, dann sind sie nur noch ein Tropfen.
Die Straße ist verlassen und leer, ein tröstlicher Anblick.
Ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen.
Klack, klack, klack.
Das Geräusch von Absätzen auf Asphalt ertönt hinter mir.
Ich widerstehe dem Drang mich umzudrehen,
das Geräusch kommt näher.
In stiller Erwartung schließe ich die Augen,
ein Bild baut sich auf.
Lange, blonde Haare, die im Wind wehen.
Ein weißer Mantel, der sich an den Körper einer Frau schmiegt, als wolle er ihr Trost geben.
Klack, klack, klack.
Ich weiß, dass sie es ist. Ich weiß es einfach.
Klack, klack, klack.
Ich öffne die Augen, aus den Augenwinkeln heraus sehe ich sie.
Sie würdigt mich keines Blickes, wieder ist ihr Kopf nach unten gesenkt.
Angestrengt starrt sie zu Boden, als gäbe es dort etwas, was sie zu finden müssen glaubt.
Klack, klack, klack.
Lange, blonde Haare, die im Wind wehen.
Ein weißer Mantel, der sich an ihren Körper schmiegt.
Klack, klack, klack.
Rote Schuhe...
Unerwartet bricht das Klack ihrer Schuhe ab, sie ist stehen geblieben.
Langsam hebt sie den Kopf, streckt ihn dem Himmel entgegen, ganz als wolle sie die Schneeflocken begrüßen.
Ein leises Lachen...
Es hört sich fröhlich an,
einen Augenblick später sehe ich fasziniert zu, wie sie die Arme ausstreckt, sich um sich selbst dreht,
so wie Kinder es tun, wenn der erste Schnee des Jahres fällt.
Ich stimme in ihr Lachen ein.
Sie dreht sich um, stockt kurz, dann lacht sie wieder.
Ich kann nicht anders, ich muss es ihr gleichtun.
Die Arme ausgestreckt drehe ich mich im Kreis, heiße den Schnell willkommen, lade ihn ein hierzubleiben.
Klack, klack, klack.
Der Zauber dieses Augenblicks ist vorbei, wir sind wieder Erwachsene, keine Kinder.
Klack, klack, klack.
Sie ist weg.


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