4.1 Die Gründung 4.2 Die Bedeutung 4.3 Die Ziele 4.4 Die Ausbreitung 4.5 Aufnahme
Die Gründung der Zulu Nation war oder besser ist der wesentlichste Grundstein zur Geburt der HipHop Kultur. Verbinden kann man die Zulu Nation am besten mit Afrika Bambaataa. Zuerst Gangmitglied, dann Gründer der Zulu Nation und schließlich auch DJ (s. 5.1 DJing) mit grundlegendem Einfluss auf die Rap-Musik. Es begann zur Zeit der Gangs in New York. Eines der Gebiete der Black Spades waren die Bronx River Projects, das spätere Zentrum der Zulu Nation. Der Anführer der Division war Afrika Bambaataa, der dadurch bekannt wurde, dass er als Gang Leader nicht sofort mit Gewalt reagierte, sondern Auseinandersetzungen durch Dialog beilegen konnte.
Der große Umschwung
in seinem Leben kam aber, als zwei seiner Freunde bei einer Schießerei in Harlem ums
Leben kamen. Seit diesem Moment kämpfte er für Aussöhnung zwischen den Gangs, suchte
und fand Verbündete, z.B. bei den "Latin Kings" und gründete "The
Organisation", die für Frieden in der Bronx und ganz New York sorgen sollte. Das das
ganze nicht immer ohne Blutvergießen ablief, berichten heute noch Zulu
"Warriors", die damals mitkämpften.
Als Bambaataa
den Film "Zulu" von Michael Caine im Fernsehen sah, kam ihm die zündende Idee.
Der Streifen handelt von den Befreiungskämpfen der Zulus in Afrika gegen die englischen
Besatzer.
"Am meisten hat mich die
Szene beeindruckt, als Hunderte Zulukrieger über die Hügel
Der Film
faszinierte ihn so sehr, dass er davon träumte auch einmal ein Zulu zu sein. Aus diesem
Traum wuchs seine Idee die Zulu Nation zu gründen. Er wollte den Jugendlichen damit
zeigen, dass Gewalt keine Lösung ist und das man seine Probleme auch anders lösen kann.
Der 12. November 1973 war der Gründungstag, wobei sich anfangs die Mitglieder nur auf die
Balck Spades beschränkten, doch bald mehr wurden.
Der Name Zulu Nation stammt von den
Zulus, die unter der Führung von Shaka Zulu fast zu einem afrikanischen Imperium geworden
wären.
Die Zulu Nation steht für:
Wissen, Weisheit, Verständnis, Freiheit,
Das Hauptziel der Zulu-Nation ist zum einem die HipHop Kultur am Leben zu halten und zum anderen die Geschichte der Kultur Interessierten näher zu bringen. Leider interessieren sich viel zu wenig Leute für die Anfänge. uDas ist schade, denn wenn man sich nicht für die Geschichte interessiert, weiß man auch nicht, wie alles entstanden ist.
Die tragende
Rolle der Anfänge spielen die New Yorker Projects (Sozialwohngegenden) und da wiederum
das legendäre "Bronx River Center" (s. Abb.
3). Dieses war früher das Hauptquartier der Black Spades, wo Afrika Bambaataa auch als DJ
auflegte. Auch heute existiert es noch, jedoch wurde es von der Stadt New York 1995
geschlossen. Leider konnte man dagegen nichts unternehmen.
Das Prinzip, Menschen durch Musik
zusammenzubringen, ist nicht neu und war auch in diesem Fall sehr erfolgreich. Bambaataa
hatte bald erkannt, dass sich die Leute selbst aus dem Ghetto befreien können, indem sie
anfangen sich durch Musik oder Kunst selbst weiter zu bringen. Wie bereits gesagt war auch die Bildung ein
Schwachpunkt in den Ghettos. Das Schulsystem überließ die sozial Schwächeren meist sich
selbst, sodass ein "help yourself" System naheliegend war. Das Problem war, dass
manche Teenager dachten, es wäre einfacher Geld beim Drogendealen zu verdienen als sich
mit den eigenen Talenten auseinanderzusetzen.
Bambaataa hatte sich schon immer für Bücher interessiert. Wie bei der Musik waren auch dort seine Interessen weit gestreut. Bald begann er damit sein Umfeld zu motivieren, sich weiterzubilden und das neu erworben Wissen weiterzugeben. Dies kann man auch als den Ursprung der spirituellen Seite der Zulus sehen, die
man aber nicht mit der Religion der amerikanischen Gesellschaft vergleichen kann.Wie schon gesagt war das Ziel von
Afrika Bambaataa Wissen zu verbreiten. "Knowledge is king" kann man als Leitsatz
für diese Organisation benutzen, der auch für die spätere HipHop-Kultur sehr wichtig
ist.
Wie in jeder Organisation gibt es
auch in der Zulu Nation Regeln und Gesetze. Nebenbei gibt es auch noch die sogenannten
"Infinity Lessons", sogenannte Richtlinien für Zulu Mitglieder. Sie beinhalten
Themen wie: Wasser, die Gesetze des Erfolges, AIDS, Erste Hilfe, Kräuterheilkunde, ist
destilliertes Wasser heilend?, Milch, personelle Rechte u.a.
Die Infinity Lessons, Gesetze und Regeln sind
sehr stark auf die Bedürfnisse der Amerikaner ausgerichtet. Da die Zulu Nation
mittlerweile weltweit agiert, werden sie auch universell angewandt. Wichtig ist dabei
aber, dass viele Regeln ihren Ursprung in der praktischen Erfahrung haben. Die
vieldiskutierte Frage, ob Zulus Alkohol trinken und Drogen nehmen dürfen, kann man nur
mit der Überlegung beantworten, ob Drogen und Alkohol nicht meistens die Auslöser von
Gewalt sind.
Die
Verbreitung der Zulu Nation über die ganze Welt geschah mehr oder weniger zufällig, denn
immer, wenn jemand davon hörte, gab er es auch an den nächsten weiter. So bildete sich
ein nicht endendes Netzwerk, über das HipHopper global kommunizieren können, Kontakte
und Erfahrungen austauschen und sich dadurch gegenseitig weiterhelfen.
Ihren
Höhepunkt erreichte die Zulu Nation Mitte / Ende der achtziger Jahre. Die damalige Zahl
der Mitglieder betrug einige hunderttausend. Viele Stars trugen stolz das Medallion, den
Zulu-Anhänger, zur Schau. Flavor Flav trug es in seinem "911 is a Joke"
Video, oder Ice T auf dem Cover seines "Power" Albums. Funkmaster
Flex spielte auf seiner ersten Mixtape-Compilation den "Zulu War Chant" von
Afrika Bambaataa, die Hymne aller Zulus (s. CD Track 1). Phife von
A Tribe Called Quest lobt die Nation gar als "Brothers best Creation". Crazy
Legs von der Rock Steady Crew erzählt, wenn er nach seinem "most memorable
Moment" in seiner HipHop-Karriere gefragt wird, von dem Tag, als Bambaataa ihn in die
Zulu Nation aufnahm.
Viele HipHop Artists haben mit der Zulu Nation angefangen und lassen keinen Zweifel, wem
sie den Respekt zollen, nämlich Afrika Bambaataa.
Wie in
viele andere Nationen hat sich die Zulu Nation auch nach Deutschland verschlagen. Auch
dort trug sie zur Entwicklung von HipHop bei. Viele dort fingen unter dem Einfluss dieser
an im HipHop aktiv zu werden.
"Die Idee der Zulu Nation bedeutet mir
schon etwas, da habe ich großen Respekt vor. Vor Bambaataa sowieso. Was Deutschland angeht, war es auf
jeden Fall eine große Spritze fürs Selbstvertrauen, dass eine so wichtige Gemeinschaft
wie die Zulu Nation sich bereit erklärt, Deutschland
mit in die Familie zu integrieren."³
In
Deutschland gibt es neben der Zulu Nation auch die "Silo Nation". Aufgebracht
wurde diese 1993 in Dortmund von Too Strong, einer deutschen HipHop Gruppe. Sie ist eher
eine ironische Gegenbewegung zur Anti-Drogen/Alkohol Bewegung der Zulu Nation.
Alljährlich
zum Geburtstag am 12. November finden die Zulu Anniversarys statt. Sie sind immer ein
Treffpunkt der Zulus aus der ganzen Welt. 3 Tage lang finden Jams und Wettbewerbe
statt. Man kann sich mit B-Boys aus Japan und Australischen Graffiti Writern unterhalten,
mit den Schweizern und den Belgiern rumhängen oder neue Projekte ins Leben rufen. Der
kreative Austausch und das Verstehen anderer Kulturen sind hier alles, denn nur so kann
auf einer positiven Basis etwas Neues geschaffen werden. Deshalb sind die Zulus auch
außerhalb der vier Elemente tätig und sehen sich in neuen Bereichen kreativer Felder um.
Man kann es weder Bambaataa noch den anderen Zulus verübeln, wenn sie bei Projekten wie
Bambaataas Techno Produktionen teilnehmen, schließlich ist es die logische Weiterführung
des "Peace Thru Musik"-Gedankens, der nicht nur in der HipHop Welt eine
Daseinsberechtigung hat.
4.5 Aufnahme in die Zulu Nation:
Um in
die Zulu Nation aufgenommen zu werden, sollte man selbstverständlich gewisse Regeln
befolgen. Viele Leute behaupten, dass die Zulu Nation entweder eine religiöse
HipHop-Sekte ist oder bezeichnen Mitglieder abwertend schlicht als verrückte Spinner.
Solche Leute haben selbstverständlich das Recht auf freie Meinungsäußerung. Sie sollten
aber auch sehen, dass ohne die Zulu Nation HipHop nie richtig in seiner historischer Form
entstanden wäre. Herzlich willkommen ist der, der in dem Verhalten der Zulus einen Sinn
sieht und sich damit identifizieren kann. Dabei muss man nicht unbedingt Herr eines der 4
Elemente sein. In New York zählen zu Zulu Mitgliedern auch Rechtsanwälte, Ärzte,
Ingenieure und andere hochgradig intellektuelle Menschen, denn auch diese können etwas
zur Zulu Nation beitragen.
Genauso wie bei den Gangs ist die
Zulu Nation weltweit in Chapter aufgeteilt. Um Mitglied zu werden, sollte man mit einem
Chapter Kontakt aufnehmen, wie z.B. in Deutschland in Köln oder Berlin.