13.04.05 Salule, habs immer noch nicht geschafft über Spanien zu schreiben. Aber jetzt mal wenigstens die Neuigkeiten der letzten 3 Wochen danach. Die erste Woche hatte ich Impfen- war nicht so super spannend, aber genau das richtige zum Ausruhen nach der Reiserei. Meistens kommen dort jung Tiere hin, oder eben zur Auffrischungsimpfung. Ich konnte mich bei der Gelegenheit mal in der Anamnese (Allgemeinuntersuchung) üben. Am Freitag bin ich schon wieder weiter nach Stuttgart gefahren, um mit meiner Familie Ostern zu verbringen und endlich mal wieder Tim zu sehen. Das war ein schöner Kurztrip. Zum Glück war ja Montag auch noch frei. Über die Schweiz dauerte sowohl die Hin-, als auch die Rückfahrt ganze 9 h. Aber ich hatte ja ein volles Auto, wovon 2 aus der ENVL waren, da wars dann nicht ganz so öde. Es ist schon toll innerhalb von 2 Wochen von ganz unten im Süden Europas in der Nähe von Marokko (Águilas) bis nach Mannheim hoch in den kalten Norden zu fahren. Nicht nur wegen der temperaturbedingten zunehmenden Kleiderschichten, sondern v.a. wegen des krassen Vegetationswechsels... Die Woche drauf hatte ich dann eigentlich Reproduction, aber in der Woche bekamen wir gar keine Fälle, da meine Klinikmutter irgendwas anderes hatte - wäre also nur zuschauen gewesen. Deshalb habe ich für das Thema Autopsie entschieden- war eine gute Wiederholung der Anatomie. Zu sehen gabs da jede Menge Metastasen, Zysten, Tumoren in Lunge, Leber, Niere und was es eben noch so alles gibt; Riesenlymphknoten, veränderte Herzen, geschädigtes ZNS, verformtes Gehirn, Parasiten.... Da war für jeden Geschmack was dabei. Wenn ich nicht schon Vegetarier wäre, würde ich es jetzt bestimmt sein... Zur näheren Erklärung: bei der Autopsie gibt’s ein ganz bestimmtes Schema, nach dem man die toten Tiere auseinander nimmt. Je nach Anweisung der Klinik, werden dann bestimmte Teile genauer untersucht und analysiert. Meine negativen Eindrücke hiervon: am Schlimmsten fand ich am Dienstag den Geruch oder eigentlich ja Gestank nach dem langen Wochenende des Rumliegens der Tiere. Am Donnerstag schläferten sie einen Ziegenbock ein, der nervenbedingte Gehprobleme hatte (Ataxie). Das Schlimme hierbei war nicht nur, dass der Bock sonst putzmunter und super hübsch war, sondern dass die einschläferndenden Studenten eine viel zu niedrige Dosis ohne vorherige Narkose gaben und dann noch ewig brauchten, bis sie sich dazu entschieden mehr nachzuinjizieren. Dabei trafen sie auch ewig die Vene nicht... ich will gar nicht weitererzählen. Schließlich nahm der autopsierende Tierarzt das Messer, um ihm die Halsschlagader durchzuschneiden und seinem Leiden endlich ein Ende zu setzen... In Deutschland nennt man so was Schächten... Da das Autopsieprogramm nicht gerade Morgenausfüllend war, bin ich danach noch zu meiner ehemaligen „Equin“-Klinikgruppe gegangen, die gerade Consultation Medecin interne, Reproduction, Hematolgie... hatten und habe da etwas zugehört und mitgemacht. Da durfte ich das erste Mal eine Sonde durch den Penis bis in die Harnblase eines Bernersennenhundrüden schieben, um Urin abzunehmen, weil er selbst nicht pinkeln wollte- faszinierend, wie einfach das geht. Sonst habe ich noch bei einer Punktion des Brustbeins zugeschaut- aua sag ich da nur. Freitag gabs gar nichts zu machen. Reproduction war ja schon die ganze Woche nix. In der Autopsie war auch nichts los und der Besitzer von dem Fall in der Inneren Medizin ist auch nicht gekommen. So habe ich das warten irgendwann aufgegeben und bin mit ein paar anderen Franzosen in die Cafeteria gegangen. So konnte ich wenigstens Französisch üben J Außer dem Klinikalltag gabs an einem Abend einen interessanten Vortrag über Gabon, ein Land in Afrika, dass gerade dabei ist seinen Tourismus zu entwickeln. Dort gibts 13 Nationalparks, die fast das halbe Land bedecken-und jede Menge zu tun. Sie bieten dort auch Praktika an... werde ich mir auf jeden Fall mal merken...! Dann war ich endlich mal in Lyon, die Traboule anschauen(kleine Gassen zwischen Häusern, die durch eine Haustür verschlossen sind.) Man darf dort durchlaufen, aber muss sie wirklich danach suchen, da möglichst wenige Touristen dort durchlaufen sollen, was die Störungen der Hausbewohner etwas reduziert. Hier ist es jetzt auch endlich wärmer geworden, das lockt einen raus. Am vorletzten Sonntag habe ich eine 7stündige Fahrradtour zum Parc des Loup in Courzier gemacht, plane nämlich eine mehrtägige Fahrradtour während der Ferien in Frankreich zu machen, da muss ich noch kondition aufbauen –die Tour war wunderschön, aber danach war ich echt tot. Und somit habe ich endlich mal was von der erstaunlich schönen Region hier kennengelernt! Letzte Woche hatte ich dann Consultation Dermatologie, Cancerologie, Gastroenterologie und Endocrinologie. Der Dermaprof hat uns am Montag erst mal starke 40min eine Standpauke gehalten, dass wir nicht um halb 9 im Saal saßen, um uns von ihm abhaken zu lassen, dass wir immer erst kommen, je nach dem wann unser Patient kommt... das stimmt zwar schon, aber er ist der einzige Prof, der das bisher beanstandet hat. Naja, danach gings dann wenigstens an die Arbeit. Bei ihm kann man schon was lernen, aber mir haben die D3er immer etwas leid getan, wenn er so höchnäsig und alleswissender Weise auf sie runterblickend sagte, was, dass weisst du nicht... und dabei grinste. Zum Glück ist der ja eine Ausnahme und er hat wenigstens versucht das ganze etwas Humorvoll wirken zu lassen, aber eben nur versucht. Am Montag hatten wir einen Westi, der eine Alopezie hatte. da nahmen wir dann Tesafilm- und Abschürf- und Haarproben, die wir dann nachher anfärben und unter dem Mikroskop beurteilen sollten. Danach das gleiche bei einer Katze. Komischerweise hatte die nur eine Wunde am Bauch und an der Oberseite der Tatzen, also ...atopisch und atypisch. Wird mit Antibiotika und Shampoo behandelt. Dienstag hatten wir Cancerologie eine Labrador Retriever Hündin, die schon eine OP und 1 Woche Notfallklinik hinter sich hatte. Ihr wurden die Ovarien, ein Brusttumor und ein Nebenniertumor entfernt , ausserdem wurde eine Leberpunktion einer sich dort befindlichen Masse, gemacht. Sie war sehr schlapp und bekam u.a. Corticoide (wegen der Nebennierenentfernung). Wir haben ihr Blutabgenommen und natürlich, wie immer, eine Voruntersuchung gemacht. Später kamen wir mit ihr dann noch in der Chirurgie dran, da die Besitzer ein Antischmerzmittel gegen die Gelenkschmerzen wollten. Das Antibiotikum, dass die nahmen, kostete fast 90euro für 3Wochen-die hatten a bissel mehr Geld, als andere Hundebesitzer. Man beachte, dass die Hündin schon 13Jahre alt ist, was ja schon gegen Ende der Lebenszeit dieser Rasse geht... Schon irgendwie toll. Andere Besitzer hätten sie einschläfern lassen. Aber die hatten ihr Hundi schon lieb, dass hat man gemerkt. Mittwoch hatten wir einen riesigen schwarzen Labrador Mix, der schon länger eine Otitis mit vollgelaufenem Ohr hatte und Haarverlust an einigen Körperstellen. Man weiß immer noch nicht, warum er das hat, warscheinlich ne Allergie. Nach dem TP Tierernährungsvorlesung, hatten wir dann noch einen Fall, bei dem der Hund sowas wie Neurodermitis oder Metastasen aufwies (Bezeichnung: Masse + Alopezie/Haarlos, Erythem, Pyodermie und Mammatumor- mayomay es geht halt nur kompliziert!), an dem er dauernt schleckte, seit das Herrchen gestorben ist. Die darf jetzt, wie die meisten Dermafälle schön regelmässig ihren Hund mit Spezialshampoo baden u.a.. Viel Spass! Donnerstag hatten wir dann Gastroentero. Die kleine dünne "Fiffi" Shannon hat sich schon seit letztem Jahr immer wieder übergeben und zuletzt hatte sie noch Schokodurchfall mit Erdbeerfarbigen schlieren drin. Es könnten Bakterien sein-aber es gab kein Ergebnis hinsichtlich Folsäure, B12 und TLI(was auch immer das sein soll) im Blut. Außerdem wird dass Futter umgestellt, dass sie schon immer bekommt-da kam ja sogar ich schon drauf. Bei der habe ich das erste mal Blut aus der Jugularis abgenommen und gleich erfolgreich, die anderen habens nicht geschafft -Anfängerglück! Freitags war Endocrinologie dran. Ooh Physiologie wo bist du... Ach am Dienstag kam ich dann selbst „unter die Nadel“ ich habe es endlich mal geschafft Blut zu spenden. Bin also mal gespannt auf das Ergebnis, dass ich ca. nächste Woche bekomme! Montags habe ich mal zugeschaut, wie man einen schwarzweiß Fotofilm entwickelt, also die Bilder- was eine langwierige Arbeit. Ich glaube das ist nix für mich. Interessant ists aber schon.- Man muss sich ja auch mal anderweitig weiterbilden! Mittwochs hatte ich volles Kuhreproductions Programm. Erst 2h reguläre Vorlesung über das Nachgeburtsverhalten und dann noch 3h freiwilliges Abendprogramm über Geburtshilfe u.a. Kaiserschnitte... da war ich echt platt. Donnerstag Abend gabs einTreffen aller Reiselustigen der ENVL- ca. 10 Leute, davon 1/3 Erasmus. War super schön über Bolivien, Peru, Thailand und Kambodscha, da bekam ich mal wieder richtig Fernweh. Danach gabs dann- nach einer traditionellen „Präboum“ bei einer Französin- eine große Latinofeier aller Unis von Lyon in der Ecole Central. War super, so sind wir gleich bis halb 5 geblieben. Da war natürlich nix mehr mit schlafen. Und dann hatte ich da ja noch morgens um 8 einen Parasito Kurztest zu bestehen. Ohje. Ne das ging schon gut. Schließlich hat er den Test fallen lassen.. Der Kurs ist echt super praktisch orientiert, mit Gläsern, in denen die Würmer konserviert anzuschauen sind und anschaulich aufgemachten Merkblättern zu jedem Thema. Samstag Abend wurde ich von meinen ehemaligen Vermietern vom September zum Essen eingeladen, dort ist ja alles so süß typisch französisch in dem Haus. Schon a bissel schade, aber in Marcy ist alles schon praktischer und v.a. näher. Am Wochenende gings dann endlich wieder in die Berge- zum Klettern und Raften ins Valle de l’Ubay (Barcelette) südlich von Gap. In der Nähe eines riesigen Stausees. Samstag hatten wir totales Schneegestöber bei der Hinfahrt und zum Klettern- auch mal eine Erfahrung wert, wenn einem die Finger fast abfrieren.. Es lag so viel Schnee auf der Straße um Grenobel herum, dass wir dachten, wir kommen nie an. Zwischendurch kam dann doch mal wieder die Sonne heraus, aber die Berge konnten wir leider nur erahnen, um so schöner war die weiße-bunt-grüne gemischte Überraschung auf der Rückfahrt am Sonntag Abend. Die Französischen Alpen sind echt ein Traum!!! Die Nacht verbrachten wir in 6er Hütten, das war urgemütlich. Sonntag war strahlender Sonnenschein. Bei dem Wetter machte das Raften super viel Spaß. So viel Spaß, dass wir am Ende auch noch ins Wasser gesprungen sind. Das war dann aber schon a bissel kalt trotz Anzug, und dann haben sie leider für uns nicht die Sauna angeworfen, dass Glück hatten nur die anderen Gruppen, aber wenigsten gabs heißes Wasser und einen wärmenden Spaziergang danach. So, jetzt habe ich mal wieder viel zu viel uninteressantes Zeugs geschrieben! Hoffe ihr schlaft nicht schon. Diese Woche habe ich noch Consultation général, in ders ums Erkennen von Krankheiten geht. Ab nächster Woche sind dann für 2 Wochen Ferien. Die erste Woche will ich eine Radeltour machen, in der 2. Woche in München arbeiten. Vielleicht sieht man sich ja dann dort. Bei Euch alles klar??? Liebe Grüße, Mille Bisous, baba, Claudi