Hei fra Norge alle sammen, 30. Juni 2007 ja, ich habe es tatsächlich nach Norwegen geschafft. Die Prüfungen sind erfolgreich be- bzw. überstanden ;°) und mein Autolein hat den weiten Weg bis in den hohen Norden gut überstanden. Nach einer eiligen Packaktion gings am 15.Juni los- über einen kleinen Geburtstagszwischenstopp bei der Diana in Heidelberg, nach Stuttgart, wo ich am Samstag extra einen Termin für die Erneuerung meines Zahnriemens und der Wasserpumpe hatte. Nur zur Sicherheit, damit mir der gute 1988’ger Motor nicht irgendwo im No-where um die Ohren fliegt. Naja, dann hat wohl der Lehrling sein Können das erste Mal an meinem Auto ausprobieren wollen oder dürfen- jedenfalls hats nicht hingehauen und mein Vater kam beim Probefahren kaum mehr aus dem Hof. Das Ende dieser Tragödie war, dass ich meine Reisepläne etwas umkrempeln durfte und somit erst am Montag weiterfahren konnte. Das war eigentlich auch gut so, denn der Visumantrag und etliche andere Reiseplanungen dauerten mal wieder länger als zunächst angenommen- oder eher erhofft??! Am Montagnachmittag war es dann hingegen aller meiner Befürchtungen doch endlich so weit- ich saß tatsächlich im Auto Richtung Norden. Dabei will ich an dieser Stelle kurz erwähnen, dass ich jeden glücklich schätze, der so liebe hilfsbereite Eltern hat, denn ohne die geht manches doch nicht so, bzw. so schnell, wie man es gerne hätte…;°) Mein erster Zwischenstopp lag in Homburg. Meinen Neffen Nici, mein liebes Schwesterlein und meinen Cousin Max besuchen, die ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Mein Urlaubsfeeling trat ziemlich schnell anstelle des vorherigen Lernstresses. Das geht irgendwie super einfach- viel einfacher wie umgekehrt ;°) Am nächsten Abend holte ich dann die Lena vom Homburger Bahnhof ab. Sie war auf dem Weg von Paris nach Frankfurt, das lag sogar auf meiner Strecke nach Hamburg- wie als wäre es geplant gewesen. In Frankfurt durfte ich von ihrer Wohnung aus dann die schöne Frankfurter Skyline im Sonnenuntergang bewundern. Dann gings auf einer langen Nachtfahrt mit 1000enden Schwertransporten und noch mehr Baustellen ein Stückal weiter nach Hamburg, den Martin besuchen. Immerhin hat es 5 Jahre gedauert, bis ichs endlich geschafft habe mein „Besuchsversprechen" wahr zu machen. Nach einem schönen Badeabenteuer am See gabs noch eine Sightseeing- Tour der Hamburger Innenstadt, die ich bis dahin eigentlich glaubte zu kennen. Na, jetzt stimmt’s ja. Mittwochs traf ich mich dann noch mit Jutta. Wir hatten während der Lernerei als Belohnung fest vorgenommen uns an der Ostseeküste zu treffen, um mit unseren zwei Hundis am Strand Gassi zu gehen- und tatsächlich, in Wismar haben wir uns, nach einem kurzen Kultur- und Sightseeingprogramm, zusammen ins Auto geschwungen und sind an einen laaangen Sandstrand gefahren. Es war einfach herrlich.- So herrlich, dass ich davon sehr müde wurde und in der Nähe, in der Holsteinschen Schweiz- bei Plön- übernachtete. Ich hatte außerdem keine Lust bis an die Spitze Dänemarks im Dunkeln zu schwimmen. Das waren ja schon Wasserfälle, die sich da ergossen… Zelt auspacken kam da gar nicht in Frage. Somit konnte ich auch gleich mein Auto einweihen und mit Socke darin übernachten. War echt gemütlich, wenn auch ein wenig kürzer als das Zelt. Am nächsten Tag schwamm ich dann im Tageslicht bis an die Nordsee. Mein Schiff setzte erst abends um halb 9 von Hirtshals nach Kristiansand über. Somit hatte ich noch genügend Zeit um den herrlichen „Skage…?" am nordöstlichsten Zipfel von Dänemark zu sehen. Dort prallen die Nord- und Ostsee aufeinander und bilden wunderschöne Wellen. Wir hatten ein echtes „extrem hautnahes" Naturfeeling mit viel Regen und viel Wind- v.a. an der äußersten Strandspitze bekommt man da nicht zu wenig von ab. Manchmal kann man um so ein wetterfestes Hundefell schon neidisch werden… Socke fands auf jeden Fall Spitze und hat danach seelenruhig auf der Überfahrt geschlafen. Mir ging’s dementsprechend ähnlich, nur dass da doch der Wille war auch noch was von der wunder-wunderschönen (wenn auch für einen Schwaben nicht gerade sparsamen) ;°) Überfahrt etwas mitzubekommen. Zudem schien das Wetter von da an auf meiner Seite zu sein. Die Nachtsonne warf ein wundervolles Licht auf das näher kommende Norwegen und Kristiansand, das für die nächsten 6 Wochen meine Heimat sein würde. Wenn da nicht ein unangenehmes Gefühl im Magen gewesen wäre. Ich hatte immer noch keine Unterkunft gefunden. Zudem war es ja schon Wochenende und am Montag sollte mein Praktikum anfangen, während dem ich sicherlich kaum Zeit finden würde auf Wohnungssuche zu gehen. Das einzig Beruhigende war das Wissen ein Zelt im Gepäck zu haben… Ich dachte mir noch so: entweder ich campe sonst 6 Wochen lang, oder ich bleibe in einer anspruchslosen Unterkunft... Nachts, um 10 nach 11 kam die Fähre im Hafen an. War schon komisch, dass es erst um die Uhrzeit dunkler wurde. Die Tierkontrolle verlief sehr unspektakulär. Die wollten Socke nicht einmal sehen. Nun gings daran eine Unterkunft zu suchen. Ich hatte da schon eine Jugendherberge in der Stadt gefunden. Laut Führer das günstigste hier. Also das es in Norwegen teuer ist, wusste ich schon, aber so teuer—Ok, ich hätte auch ein Bett in einem Schlafraum haben können, das wäre etwas günstiger gewesen, aber nach dem Tag wollte ich Socke ungern im Auto lassen, zudem fand ich die Gegend nicht gerade prickelnd und eigentlich wollte ich wenigstens meinen Hund noch etwas länger behalten. So durfte ich trotz Mitgliedervergünstigung 60 € hinlegen. Der eine Traum von den 6 Wochen Juhe war also schon mal ausgeträumt. Na dann halt campen!? Am nächsten Morgen ging ich doch motiviert los und fand in der Touriinfo auch eine gute Hilfe, nur, dass deren Tipp im Internet zwar gut, aber nur für länger als ein Monat gedacht war. Nachdem ich in Frankreich eine Studentenwohnung bekommen hatte, dachte ich mir, könnte ich doch mal hier an der Uni anfragen…- und tatsächlich, mein Glück ist, dass gerade Ferien sind und alle Studenten ausgeflogen. Allerdings musste ich mich noch bis Dienstag gedulden, um eine Zusage zu bekommen. In der Zeit hatte ich mir einen traumhaften Campingplatz rausgesucht, der auch noch nahe bei der Klinik lag. Weite Sandstrände, Meer und viel Sonne- wie in Ferien. Aber die guten Preise machten mir nicht zuletzt einen Strich durch die Rechnung. Am Sonntag habe ich erst mal laaaange geschlafen. Nicht nur, weil die Nacht über eigentlich Tag war- also immer Dämmerlicht herrschte und weil ganz Norwegen das Sonnenwendfest mit riesigen Lagerfeuern und viel Alkohol mit der ganzen Familie und Freunden feierte. Um am Sonntag noch was von der Umgebung zu sehen bin ich „kurz mal" für einen Abstecher zum südlichsten Punkt von Norwegen – dem Kap „Lindesnes Fry" gefahren. Der ca. 50 km lange Kartenweg entpuppte sich als bestimmt 70 km langer, kurvenreicher Sonntagsausflug. Die Autobahnen wiederum als Landstraßen, auf denen man selten über 80 km/h kommt. Maximal darf man auf der Autobahn nur 90 km/h fahren. Wobei ich bei diesen Kurven sicherlich auch freiwillig nicht mehr fahren würde. Hut ab vor den Straßenbauern bzw. Architekten. Sie scheinen eine Leidenschaft für Brücken, Tunnels und Kurven zu haben. Angesichts der vielen Bäume und Tunnel fand ich die Idee, die immer die Scheinwerfer anlassen zu müssen, echt gut. Am Dienstag, bevor ich die Zusage für die Wohnung hatte, regnete es dann in Strömen. Die Tierärzte hatten schon Mitleid und boten uns an in der Klinik zu schlafen, bis der Regen vorbei ist. Meine letzte Alternative des Wildcampens (offiziell in Norwegen erlaubt) schwamm dahin. Aber ich hatte Glück: abends hatte ich dann mein Zimmer. Mein Zelt musste schon schwimmen lernen, als ich es abbaute... da war ich unglaublich froh. Der einzige Haken an der Wohnung: keine Tiere erlaubt. Ich erzählte der Wohnungsvermietung einfach, Socke schliefe im Auto und hoffte nur insgeheim, dass ich Sie doch irgendwie reinschmuggeln konnte und meine Mitbewohnerin nichts gegen Hunde hatte. Als ich abends die Studenten-WG betrat war ich sprachlos. Die war wunderschön. Alles neu. Bad, Küche und Abstellkammer wurden geteilt und jeder hatte sein eigenes Zimmer. Und das mit einem gigantischen Ausblick auf den Otra- Schiffskanal aus der Nordsee. Überall liegen Boote, wie Autos vor der Haustüre. Das mit dem Socke schmuggeln klappt auch gut. Nur nächste Woche ist bestimmt viel los. Da ist hier eine Woche lang ein Konzertfestival. Also so ein Rock-am-Ring-Verschnitt, in Norwegen eben. Da wird’s evtl. etwas komplizierter. Nun mal zu meinem Praktikum. Leider kann ich ja noch kein Norwegisch, aber es wird schon besser- v.a. was das Verstehen angeht. Ob ich je einen kompletten Satz rausbekomme ist fraglich. Aber die Sprache ist echt ulkig. Wir haben alle jede Menge Spaß damit. Eigentlich unterhalten wir uns aber vornehmlich in Englisch- und darin sind die Norweger wirklich fit. Bei der Sprechstunde tu ich mich natürlich noch etwas schwer… Am praktischen Tun fehlt es dafür aber bestimmt nicht. Wir sind zurzeit drei Studenten- zwei aus Oslo- und haben jede Menge Spaß. Das geht vom Bürsten über Zahnsteinentfernung bis zum Röntgen. Ok, das mit dem operieren steht in den Sternen, aber wenigstens müssen wir nicht blöd rumstehen und zuschauen. Und das Tolle: jeder ist am Putzen beteiligt. Vom Studenten bis zum Oberarzt- da ist sich keiner zu fein- So solls sein ;°) Was mir nicht wirklich gefællt ist das Gesetz, dass man einen Hund einschlæfern muss, der eine Person gebissen hat, die wiederum eine Anzeige gegen den Hund gemacht hat. Da gibts keinen Ausweg. Auch sonst ist die Euthanasie hier wohl ziemlich, die Wahl gegen ein vierbeiniges Problem- also aus der Sicht des Besitzers. Die Tierærzte sind dann leider dazu verpflichtet den Wunsch ihrer Kunden auszufuehren, auch wenn sie davon sicherlich nicht begeistert sind und versuchen die Besitzer vom Gegenteil zu ueberzeugen, sofern sie denn die Chance dazu bekommen. Dafuer liebe ich Deutschland... Diese Woche war ich v.a. in der Kleintierklinik. Gestern wurde ich einen ganzen Tag in der Pferdeklinik eingearbeitet, die nur eine Tür weiter ist. Dort soll ich nächste Woche aushelfen, sozusagen als Urlaubsvertretung. Einer der Klinikbesitzer arbeitet als Tierarzt im Zoo nebenan. Evtl. kann ich da auch mal mit. Das muss ich noch klären. Sonst erkunde ich mit Socke die umliegenden Wälder, Seen und Strände. Sogar am Stadtrand ist außer dem Strand und dem Hafen ein riesiger Park mit kleinen verschlungenen Wegen und kleinen Seen zu baden. Der Park ist zudem noch fast direkt hinterm Haus. Etwas gewohnheitsbedürftig ist das Gesetz, dass alle Hunde von April bis August an die Leine müssen- anscheinend wegen der Rehkitze, die da so in den Wäldern rumliegen… Aber ich finde immer wieder Gelegenheiten um Socke den nötigen Freilauf zu geben. Mal schauen was ich am Wochenende unternehme. Eine Einladung nach Oslo habe ich jeden Falls schon für eines der kommenden Wochenenden. Das Essen hier ist denke ich gut, allerdings stelle ich mir so meine eigene norwegische Essenskombination her, indem ich im Supermarkt etliche norwegische Spezialitäten mit Standartnahrung kombiniere. Die Norweger haben sich darüber köstlich amüsiert, was ich mit der „norwegischen Tortilla" („Leften" oder so ähnlich) anstelle. Bei mir kam da so was wie Käse, Tomate, Fisch und Pesto drauf. Die Norweger hingegen essen die salzige Spezialität aus Mais und Mehl dagegen mit Butter und Zucker. Sehr gewohnheitsbedürftig, aber Vorstellbar. Am ersten Tag habe ich die nämlich aus der Nahrungsnot heraus mit Lenas leckerer Feigenmarmelade kombiniert und war redlich begeistert. Da kann man sich echt nicht beklagen. Zudem findet man in den Supermärkten dort eigentlich kaum Marken bzw. Produkte, die den Deutschen bzw. Südeuropäischen ähneln. Die einzige Supermarktkette, die ich kenne, ist Lidl. Das mit dem Essengehen werde ich mir sicherlich für seltene Gelegenheiten aufsparen. Das ist eine reine Luxusinvestition. Man muss ja schon darauf achten, dass man die richtige Supermarktkette betritt, um nicht danach unfreiwillig auf Diät gehen zu müssen. Ja und dann ist der Preisunterschied zu Deutschland eigentlich noch erträglich. Mit der Internetkommunikation sieht’s bei mir ziemlich schlecht aus. Die Internetcafés hier schließen früh und Hunde sind auch nicht immer erlaubt. In der Klinik bleibt auch wenig Zeit für solche Sachen… Aber wenigstens habe ich meinen Laptop dabei und kann mich damit zu Hause „austoben"… Die Bilder stelle ich noch auf meineFoto Seite. Leider funktioniert das im Internetcafé nicht. Ha det og hjertelig hilsen, Claudi og Socke