Erasmusbericht über Argentinien: Kleines Praxispraktikum in Mendoza: Clinica Veterinaria Bustelo & Biglieri Pueyrredon 2082- Chacras de Coria- Mendoza Tel: 0054-261-4960182 Francisco Alvarez 27- Barrio Bombal- Mendoza Tel: 0054-261-4241709 Zunächst will ich erst mal erläutern, wie ich zu dem Praktikum kam. Nach dem ich beim letzten Südamerikabesuch meine Verwandten nicht besucht und kennen gelernt habe, wollte ich dies sobald wie möglich nachholen. Die Adresse bekam ich über den, aus Argentinien stammenden, Prof. Köstlin, der an der LMU als Chirurg arbeitet und seinen Freund Dr. Resburgo aus Buenos Aires. Zufälligerweise arbeitet der Tierarzt Dr. Jorge Bustelo im gleichen Dorf bei Mendoza, wie meine Verwandten und ist auch noch ein Studienkollege meines Onkels. Mit der Hilfe einer Schweizer Tierärztin, die eine Forschungsarbeit über Gürteltiere macht und dort wohnt, erledigten wir auch schnell die schriftlichen Formulare für die Anerkennung. Dabei ging alles sehr unkompliziert und schnell vonstatten. Am 24.Juni 2005 kam ich dann in Buenos Aires an, von wo aus ich den öffentlichen Bus zum „Retiro“ Busterminal nahm. Der dauert zwar 2h, ist aber sehr günstig und lässt einen v.a. einen ersten Einblick in die verschiedenen „Wohnwelten“ dieser riesigen Stadt zu. Die Busse nach Mendoza gehen immer abends los. Normalerweise sollte die Fahrt über Nacht ca.14h dauern. Ich bekam jedoch gleich die argentinische Pünktlichkeit zu spüren. Nach 1h Verspätung fuhren wir los und kamen erst 17h später an. Das muss man eben mit Humor nehmen. Außerdem sind die Busse in Argentinien unglaublich bequem und mit Boardservice- z.T. besser als im Flugzeug. v.a. wenn man die teureren (coche cama) nimmt kann man bequem schlafen. In Mendoza wurde ich trotz Verspätung sehr lieb aufgenommen- die sind das ja auch gewöhnt... Da ich am Donnerstag ankam hatte ich noch etwas Zeit, um mich einzuleben, u.a. die schöne Stadt zu besuchen, die im Sommer total grün ist, obwohl Mendoza eigentlich Wüstenklima hat. Der Trick sind sog. „Sequías“, das sind Kanäle an den Straßen, die im Sommer bewässert sind und den Bäumen, rechts und links aller Straßen, Wasser spenden. Dies ist nur durch die Andennähe möglich, wo ein gigantischer Stausee diese speist. Das Andenpanorma überhaupt ist atemberaubend. Durch immer wechselnde Beleuchtung kann man sich an dieser Schönheit kaum sattsehen. In der Klinik schaute ich schon am Donnerstag und Freitag vorbei, um die Tierärzte kennen zu lernen und auszumachen, wie das Praktikum ablaufen soll. Ich traf die Wahl 4 Wochen lang von Montag bis Freitag von 9 bis 21Uhr anwesend zu sein. Davon 2 mal in der Praxis im Vorort „Chacras de Coria“ und 3 Tage in der Klinik in der Stadt, wo die Ops durchgeführt werden. Das summierte sich schließlich zu 250 Stunden. Wobei man eigentlich nicht vor halb 10 vor der Tür stehen brauchte, wenn man nicht in der Kälte frierend warten wollte bzw. wurde es auch oft später als 21Uhr abends. Aus diesem Grund entschied ich mich meine Uhr abzulegen, denn das ließ mich mit meiner deutschen Pünktlichkeitsvorstellung etwas entspannter mit der Situation umzugehen. Schließlich empfand ich dies als wertvolle Erfahrung, da einem nicht spontan die Lust vergeht, wenn schon 21Uhr vorbei ist, bzw. man nicht darauf hinarbeitet. Überhaupt war mir eigentlich nie langweilig. Wenn mal –seltener Weise- gerade nichts los war, bastelten wir an dem Klinikequipment. Das hieß z.B. Injektionsnadeln an Nylonfäden fixieren, und diese so präpariert zusammen mit Formalintabletten in einer Schachtel sterilisieren. Oder Tupfer aus Watte und Mull knoten... Im Vergleich zu vielen anderen Praxen hat diese eine recht gute Ausstattung. D.h. ein Rötgengerät, Endoskop, Inhalationsanästhesieequipment ... Sie bieten: Innere Medizin, Chirurgie, Röntgen, Labor, Internierung, Fibroskopie, Impfungen, Notfälle, Transport, Friseur, Zubehör. Faszinierend fand ich die Wahl der Behandlungsmittel. Da die finanzielle Situation v.a. seit 2002 ziemlich schlecht ist, können natürlich auch die Leute nicht mehr teure Rechnungen zahlen. Da kommen die oft angewendeten Hausmittel genau richtig an. Wobei ich vermute, dass diese vor der Inflation auch angewendet wurden. Als Beispiel die Behandlung von Wunden: verwendet wird Wasserstoffperoxyd zur Reinigung und Desinfektion und danach Zucker für die schnellere Wundheilung. Das hat unglaublich gute Erfolge. Aber auch für die Fortbildung wird einiges getan. Es fand ein Anästhesiekurs statt, bei dem ich auch teilnehmen durfte. Nach zwei Tagen Theorie gab es dann auch einen praktischen Teil. Nach der Inhalationsanästhesie, die gemeinsam unter Anweisung und neuesten Erkenntnissen und Mitteln gemacht wurde, kamen die Lokalanästhesien dran. Erst am narkotisierten Tier und dann am Situs durfte jeder ausprobieren. In der Stadt habe ich bei vielen Ops mitgeholfen, v.a. bei der Anästhesie. Am Schluß durfte ich dann auch eine Hündin selbst kastrieren. An der Diversität der Fälle konnte ich mich nicht beklagen von Kastrationen, über Knochenbrüche, Tumoren und Kranken Straßenhunden bis zu Cushing Patienten. Meist sind es natürlich Staupewelpen und v.a. Kastrationen von Hündinnen, um die sowie so schon hohe Zahl an Straßenhunden nicht noch mehr zu erhöhen. Diese Problematik hat mich am Anfang schon sehr niedergeschlagen fühlen lassen. Spätestens, wenn man am „Hundefriedhof“, der Panamerikana entlang fährt fragt man sich, ob das denn nicht zu ändern sei. Ja, es werden schon Maßnahmen ergriffen. Es besteht die Möglichkeit die Hunde und Katzen gegen Unkosten von umgerechnet 7 Euro in der Gemeindeverwaltung kastrieren zu lassen. Die Tierarztvariante kostet ca. 25Euro. In Buenos Aires habe ich einmal dabei sein können- das ist fast wie Fließbandarbeit. Der Rekord lag bei ca.3 min (ohne Anästhesie). Eine Idee ist es die Armen Leute miteinzubeziehen: sie könnten Geld verdienen, indem sie sich um die Tiere kümmern... Der Lerneffekt war sehr groß in der Zeit. Nicht nur, dass sie mir sehr dabei halfen die castellanische Sprache zu verbessern, sondern dadurch, dass junge Tierärzte angestellt werden, die auch noch lernen müssen, wurden viele Fragen ausführlich beantwortet und gezeigt. Auch haben sie praktisches geduldig ausprobieren lassen. Natürlich muss man auch Eigeninitiative und Engagement zeigen, um mehr aus dem Praktikum mitnehmen zu können. Da dies eine Kleintierpraxis war, vermittelte man mir auch einen Tag Ambulanzfahren mit einem Pferdetierarzt und ein anderes mal durfte ich bei einem Pferderennen die Pferde beurteilen, ob sie teilnehmen bzw. vom Rennen ausgeschlossen werden müssen. In der ganzen Zeit habe ich mich regelmäßig um einen Hundewelpen gekümmert, der nach einem Autounfall von jemanden mit gebrochener Hüfte und Beinen vor die Kliniktür gelegt wurde. Lieber Weise hat Jorge diesen operiert, was das Mädel echt gut überstanden hat. Dieser Hund ist mir so ans Herz gewachsen, dass ich sie, nach meinen 4 Monaten Aufenthalt, nach Deutschland mitgenommen habe... Super war die Stimmung in der Klinik. Die Tierärzte untereinander haben sehr offenes, herzliches, freundschaftliches Verhältnis. Gepflegt wird das Ganze noch durch mehrmals tägliches Matetrinken- einer Art Tee, der in einem Gefäß vom einen zum anderen gereicht wird. Auch die Tierbesitzer werden oft durch das, dort übliche „Wangenküsschen“ begrüßt und geduzt. Mittags konnte ich mir auch mal 1-2h frei nehmen, da dann meist nichts los war. In der Zeit ging ich dann im großen nahe gelegenen Park „San Martin“ Joggen oder Schwimmen. Nun noch etwas über das außerklinische Argentinien. Die Provinz Mendoza ist bekannt für ihren guten Wein in aller Welt. Der Quantität der Weinherstellung entsprechend sieht auch die Landschaft aus. Die Attraktion waren für mich aber die Anden. Schöne Orte in der Nähe zum Wandern und genießen sind Tupungato; Cacheuta mit Hängebrücke und Thermalbad; Potrerillo; Puente del Inca- eine Brücke an einer alte Thermalbadruine, verfärbt in allen Farben. Des Weiteren das Skigebiet „Los Penitentes“ und die Hauptattraktion: der Aconcagua, der mit seinen 6963m der höchste Berg außerhalb Asiens ist. Wer gerne auf die Spuren des Films „7 Jahre in Tibet“ gehen will, kann sich auf dem Rückweg vom Aconcagua noch bei Uspallata den „Cerro de Tunduqueral“ anschauen. Die von Bergen umgebene Filmschauplatzebene ist v.a. bei Sonnenuntergang unglaublich schön, fast mystisch. Außerdem gibt’s, wie überall in Argentinien, viele Nationalparks und Reservate. Nach dem einmonatigen Praktikum setzte ich wieder meinen Rucksack auf und zog samt Hund los, um das Land zu erkunden. Eigentlich dachte ich, in 2 ½ Monaten könnte man alles sehen, doch schon nach kurzer Zeit wurde mir bewusst, dass ich die Distanzen als kleiner Europäer völlig unterschätzt habe. Übernacht- Busfahrten von mehr als 10h sind normal. Und wer nicht mehr Zeit im Bus, als an einem Ort verbringen will, der hat Recht, wenn er sich dafür entscheidet zu sagen: „weniger ist mehr“. Argentinien hat einfach massig Natur, die man nicht nur anschauen kann, sondern leben und bewandern muss. Die Frage lieber Norden oder Süden ist schwer zu beantworten. Sie sind einfach sehr unterschiedlich. Es lohnt sich auf alle Fälle wieder zurückzukommen. Doch alleine ist man nie. Am Besten ist es wohl außerhalb der Sommersaison zu reisen, wenn man den Touristenmassen entgehen will. Die Attraktionen sind eben schon oft lokal begrenzt und dann kommt wieder viel nichts zwischendrin. In der Zeit Juli bis Oktober empfand ich nichts als überlaufen. Im Gegenteil, man traf immer wieder auf die selben Leute, da es z.T. nur einen Bus am Tag gab, was eine familiäre Atmosphäre aufkommen ließ. Was mir am Besten gefallen hat ist schwer zu sagen und ich gebe ungern ein Statement darüber ab, denn es kommt mir ungerecht vor gegenüber all den Schönheiten dieses Landes und auch Chiles eine hervorzuheben, hängt doch vieles auch von persönlichen Erlebnissen ab. Für mich waren es der National Park „Los Glaciares“ (bzw. „O’Higgins“ in Chile), das Valle Calchequi der Provinzen Tucuman und Salta und das „Valle de la luna“ im Norden Chiles, welches in der Atacamawüste liegt. Die Menschen sind unglaublich offenherzig, hilfsbereit und nehmen sich unglaublich viel Zeit ihre Kontakte mit der meist großen Familie und den Freunden zu pflegen. Was oft für viel Besuch im Haus sorgt. Fremden gegenüber sind sie sehr aufgeschlossen. Als Beispiel: alle wollten mir mit meinem Hund helfen. Was auch für die Tierliebe dieser Nation spricht. Da hat auch fast jeder einen Hund u /o andere Tiere zu Hause im Garten. Ein großes Lob auch an die Tierärzte dort, die mir immer und oft gegen meinen Willen um sonst halfen. Das hat mich schon gerührt. Im Norden besteht ein nicht zu verleugnendes Armutsgefälle. Für die Reisekasse natürlich angenehm, aber z.T. herrschen wirklich katastrophal Zustände bis zum Tod wegen verhungern. Das kann man gar nicht glauben, wenn man so die anderen Ecken des Landes kennt. Ich selbst fühlte mich fast wie in einem anderen Land bzw. schon wie in Bolivien. Noch ein Wort zum Essen. Hier findet sicher jeder etwas, dass ihm schmeckt. Bekannt ist Argentinien ja für sein Rindfleisch, das als Asado (Barbecue) am liebsten gegessen wird. Aber auch die Obst- und Gemüseliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. –ich selbst kam als Vegetarier gut durch. Im Norden und Osten des Landes herrscht tropischeres Klima und dementsprechend eine unglaubliche Vielfalt und qualitativ hochwertige Auswahl an allem, was das Herz begehrt. Die Gerichte sind ebenso sehr vielfältig, da Argentinien in den letzten 1-2 hundert Jahren von vielen Auswanderern als Wahlheimat besiedelt wurde. V.a. spürt man viel vom italienischen, spanische, deutschen und allg. südamerikanischen Einfluss. Auch andere Einflüsse können, je nach Region, variieren. Alles in allem kann ich nur sagen, dass es mir sehr schwer gefallen ist dieses wundervolle Land und seine Leute zu verlassen. Bestimmt nicht nur, weil ich Verwandte dort habe und ich meine Hündin als liebstes Souvenir zum Andenken mitgenommen habe.... Genauere Berichte über meinen Aufenthalt und Erlebnisse könnt ihr nachlesen unter: Berichte: (fehlen noch einige) http://www.oocities.org/de/sclaudis/ Bilder: http://de.photos.yahoo.com/sclaudis Oder mir schreiben- Kontakt: sclaudis@yahoo.de Claudia Schulz