| |
Bericht über das Londoner Imperial war Museum Am 28 März 2004 waren wir im Imperial war Museum London. Es liegt in einem Park in der Nähe der Waterloo-Station und ist schon von weitem erkennbar an den zwei 30 Meter-Geschützen vor dem Eingang. Auch drinnen wird das Konzept der Waffensammlung so fortgesetzt. Nach Gattungen geordnet sind die berühmtesten und am meisten beeindruckenden Mordinstrumente dargestellt. Mir wenig Texten versehen wird der betrachten von der Fülle an Waffen auf engstem Raum erschlagen, dabei ist die Ausstellung leider zu wenig kritisch, mutet eher als stupide Macht- und Stärkedemonstration an. Was einem jedoch gut verständlich wird ist das Prinzip des Wettrüstens, mit den Folgen einer Blüte der Forschung und Innovation und seinem schicksalhaft brutalen Kreislauf. Angenehm überrascht worden sind wir von der Qualität der Holocaust Ausstellung, die uns zunächst vor allem interessierte, um den britischen Blick auf das Geschehene zu betrachten. Die Ausstellung versucht zum einen mit vielen und detaillierten Informationen dem Besucher Einblick zu verschaffen in die Entstehung und Umsetzung der Massenmorde im dritten Reich. Alles ist sehr anschaulich dargestellt. Die Ausstellung geht über mehrere Etagen. Man fängt oben an, zunächst befindet man sich in einem hellen, freundlichen, mit Holz ausgekleideten Raum, in dem einzelne deutsche Juden mit Ihrem Schicksal dargestellt werden. Ohne noch von den Grausamkeiten zu erfahren wird der Besucher animiert, das folgende auch ganz persönlich auf sich wirken zu lassen und sich gegebenenfalls in die Situation der Betroffenen zu versetzen. Es folgen mehrere schwarze Räume mit schwacher Beleuchtung, es ist also fast dunkel. Hier wird die nationalsozialistische Machtergreifung und der Hass auf die Juden beschreiben. Man hört und ließt einige Reden von Hitler und Himmler. Auch wird die Ideologie beschrieben unwertes Leben" zu töten. Es schließen sich in unterunteren Etage die Konzentrationslager an. Von den anfänglichen wilden Lagern bis zu den riesigen Vernichtungslagern. Über ein Modell von Auschwitz hinaus wird mit hinterlassenen Gegenständen der vergasten die Menge an Opfern verdeutlicht. Die Räume über die Versuche von Dr. Mengele habe ich mir erspart und war auch sehr froh, dass sich dahinter eine Halle anschloss, wo man sitzen konnte und still verweilen, hier blieb man von Bildern verschont, nur eine dezente Inschrift an einer Wand war da, um die Gedanken angeregt zu halten. Denn tatsächlich geht diese Ausstellung sehr an die Nieren, nicht umsonst wird sie für unter 16-jährige nicht empfohlen, ist sogar für unter 12-jährige nicht zugänglich. Man geht hier für eine Stunde einen Leidensweg, um nachzuvollziehen, wie grausam die jahrelange Verfolgung für die Betroffenen damals gewesen sein muss. Hier allerdings gibt es für zart Besaitete mehrere Nebenausgänge. Das Leben bot diese allzu oft nicht. Wer die Ausstellung konsequent weiterverfolgt, gerät in den Trakt mit der Befreiung der KZs und der Aufdeckung der Verbrechen. Gezeigt werden Interviews mit Überklebenden des Holocaust und die Schrecklichen Aufnahmen, die die Befreier in den Lagern gemacht hatten. Nach den abschleißenden Schautafeln über das Nürnberger Kriegsverbrechertribunal endet die Ausstellung wieder in einem hellen, freundlichen, mit Holz ausgekleideten Raum, diesmal leer. Die Menschen sind nun fort, sie haben den Holocaust nicht überlebt. So kommt der Ausstellungsbesucher seelisch extrem aufgewühlt aus der Ausstellung und befindet sich zu seinem Unglück noch immer im Imperial war Museum. Man muss die gesamte Haupthalle durchwandern um zum Ausgang zu gelangen, ein wahrer Spießrutenlauf. Angeekelt wird man nun von jedem einzigen Ausstellungsstück und der Sammlung insgesamt. Doch das dieser Kontrast bewusst zur Erziehung der Menschen geschaffen wurde, möchte ich bezweifeln, denn gekrönt wird da ganze erst von dem Museumsshop am Ausgang, wo Kriegsspielzeug, und Uniformimitate angeboten werden. Auch wegschauen hilft wenig, denn dann fällt der Blick durch die Glastür auf das eingangs beschriebene 30 Meter Phallus-Symbol einer stolzen Armee. Wir wollten von diesem Haus der Menschenverachtung nur noch weg, doch wohin. Etwas hilflos war man unter dem Eindruck des gesehenen, sich einen Platz zum Nachdenken zu suchen, empfehle ich jedem Besucher. |