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Raumordnung: alle Maßnahmen und Aktivitäten mit direkten oder indirekten räumlichen Auswirkungen. In Deutschland zählen zur Raumordnung die Landesplanung der Länder, die Regionalplanung für Landesteile und die Bauleitplanung der Gemeinden; im weiteren Sinne umfasst sie alle überörtlichen sowie überfachlichen Ressort-(Fach-)Planungen, alle Programme und Pläne der öffentlichen Hand. Zur Durchsetzung von Maßnahmen der Raumordnung bedarf es einer Raumordnungspolitik. In der BR Deutschland wurden Aufgaben und Grundsätze der Raumordnung im Raumordnungsgesetz vom 18. 8. 1997 beschrieben. Aufgabe der Raumordnung ist es, in rückständigen Gebieten die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebensbedingungen zu verbessern oder in Verdichtungsgebieten gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen herzustellen bzw. zu erhalten. Die Raumordnung dient somit einem gesellschaftspolitischen Leitbild, das jedoch Veränderungen unterliegen kann. Grundsätzlich ist dabei über die bestmögliche räumliche Verteilung von Wohnsiedlungen, Arbeitsstätten, sozialen und kulturellen Einrichtungen und Erholungsgebieten sowie deren Verknüpfung durch das Verkehrs- und Nachrichtenwesen zu entscheiden. Das heute in der Raumordnung Deutschlands gültige Entwicklungskonzept verfolgt eine Konzentration öffentlicher und privater Investitionen auf Schwerpunkte (zentrale Orte und Entwicklungsachsen). Als allgemeines Ziel der Raumordnung ist das Leitbild von der Schaffung bzw. Erhaltung gleichwertiger Lebensbedingungen zu sehen. Seit 1967 erarbeitet die Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) Grundsätze (Entschließungen), die Eingang in die Raumordnungspolitik finden. Hierzu zählt auch das von Bund und Ländern 1975 beschlossene Bundesraumordnungsprogramm (BROP). Nach der Vereinigung Deutschlands besteht die zentrale Aufgabe der Raumordnung darin, auf den Ebenen der Landes- und der Regionalplanung das räumliche Gefüge so zu ordnen, dass für die Bürger in allen Teilen Deutschlands gleichwertige Lebensbedingungen geschaffen werden. Zu den wichtigen Institutionen der Raumordnung zählt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Bonn-Bad Godesberg) als Behörde des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. Daneben gibt es die Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hannover) sowie Lehrstühle und Forschungsinstitute. Christaller: Walter, deutscher Geograph, * 21. 4. 1893 Berneck bei Calw, 9. 3. 1969 Königstein im Taunus; Arbeiten zur Erklärung gesetzmäßiger Verteilungsmuster städtischer Siedlungen; Begründer der Theorie der zentralen Orte. |
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Raumordnugsregionen 1. Raumordnungsregionen mi großen Verdichtungsräumen Typ 1: "hochverdichtet" mit günstiger Struktur Diese Regionen haben ihre Positionen als wirtschaftliche Leistungszentren, die attraktive Standorte für wachstumsträchtige Produktionszweige und für hochspezialisierte Dienstleistungs- und Warenngebote bieten, bisher behaupten können, wenn auch in unterschielichen Graden - entsprechend dem Nord-Süd-Gefälle. Die Arbeitslosigkeit ist in der gegenwärtig krisenhaft zugespitzen Situation in der Regel niedriger als in den jeweils benachbarten Regionstypen. Die Zuwanderung von Erwerbspersonen aus dem In- und Ausland ist zwar stark zurückgegangen, kann aber die Bevölkerungsverluste, die durch besonders hohe Geburtendefizite zu stande kommen, zu großen Teilen kompensieren. Die charakteristischen Wanderungen von den Kernstädten erstrecken sich vielfach schon auf Teile der ländlich geprägten Nachbarregionen. Ursache ist ein Komplex nach teiliger Folgen übermäßiger Verdichtung: hohe Bodenpreise, hohe Umweltbelastungen und starke Beeinträchtigung der Qualität des Wohnumfeldes. Typ 2: "altinustriealisiert" mit ungünstiger Struktur Diese Montanreviere sind von negativen Folfen übermäßiger Verdichtung am stärksten betroffen: Hohe Schadstoffbelastungen durch Schwerindustrie, niedrige Freiflächenanteile, eine überalterte Bausubstanz und geringe Wohn- und Umfeldqualität sind die besonderen Kennzeichen dieser Räume, die auch besondere Hindernisse für eine industrielle Umstrukturierung bilden. Der Beitrag dieser Verdichtungsräume zum BSP bleibt hinter dem der übrigen Verdichtungsräume zurück. Die industrielle Monostruktur hat zu besonders ungünstigen Arbeitsmarktsituationen geführt. Das Angebot an qulifizierten Arbeitsplätzen in wachstumsträchtigen Branchen ist fast so niedrig wie in strukturschwachen ländliche Regionen. Das Geburtendefizit und die Verluste durch Abwanderung werden nicht durch Außengewinne ausgeglichen. Der Anteil der Ausländer an der Wohnbevölkerung ist in der Regel hoch. II Raumordnugsregionen mit Verdichtungsasätzen Typ 3: "mit Verdichtungskern und mittlerer Siedlungsdichte" Diese Regionen entsprechen am ehesten dem raumordnerischen Leitbild einer "ausgelichenen Raumstruktur". Mit gut entickelten Zentren oberster Zentralitätsstufe und mit ihren Mäßig verdichteten übrigen Gebieten vereinigen diese Regionen die Vorteile von Verdichtungsräumen und derjenigen ländlich geprägter Regionen, ohne deren spezifische Nachteile (ungesunde Ballung, Verkehrsprobleme und Umweltbelastung einerseits: Abgelegenheit, Versorgungsmängel und wirtschaftliche Strukturschwäche andererseits) in größerem Umfang teilen zu müssen. Das Geburtendefizit ist immer noch geringer als in hichverdichteten Räumen, und es wird i.d.R durch Zuwanderung vollständig ausgeglichen. Mit Blick auf Einkommenschancen, Produktivität und Wachstumsaaussichten kommen viele dieser Regionen den wirtschaftsstarken Regionen sehr nahe, Ähnliches gilt für die Infrastruturausstattung. In der Umweltbelastung nehmen sie eine mittlere Position zwischen den hichverdichteten und den ländlichen Regionen ein. III Ländlich geprägte Raumregionen (Regionen mit einer Einwohnerdichte von ca. 100EW/km2 und ohne Oberzentrum mit 100 000 und mehr EInwohnern) Typ 4: "ländlich" mit ungünstiger Struktur Diese ländlichen Regionen wurden bisher als die klassischen Problemregionen in der Raumordnung angesehen. Wegen des Mangels an qualifizierten Arbeitsplätzen außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors war und ist die Erwerbsbeteiligung in der Regel niedrig. Die Abwanderungsneigung auf Seiten der jungen Generation, obgleich erheblich reduziert, besteht weiterhin, erhalten u. a. durch Mängel in der Kultur- und Freizeitangeboten. Die Verdienstmöglichkeiten sind schlechter als in anderen Regionstypen. Gleiches gilt für sie Sicherheit der Arbeitsplätze und die Infrastrukturversorgung. Lediglich die relativ geringe Umweltbelastung und die vergleichsweise gute Wohnsituation schlagen positiv zu Buche. Typ 5: "ländlich" mit günstiger Struktur Zwischen den ländlichen Regionen Baden-Württembergs und dem Alpenvorland einerseits und den übrigen ländlich-peripheren Gebietes andererseits bestehen erhebiche Unterschiede im Entwicklungsstand. Die Arbeitsmarktsituation der Süddeutschen ländlichen Regionen ist seit langem entschieden besser als in den meisten anderen Regionstypen, einschließlich vieler großer Verdichtungsräume. Als zusätzlicher Faktor kommt die Attraktivität dieser Region im Bereich des Fremdenverkehrs hinzu. Daraus resultieren konstante Wanderungsgewinne, insbesondere aus der Ruhestandswanderung. Diese kann aber wegen ihrer Altersstruktureffekte ("Florida-Effekt") langfristig zu einem Problem für diese Region werden. Gleiches gilt mit Blick auf Landwirtschaft und Ökologie durch den Fremdenverkehr. |