Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt

Bei Nachforschungen in Bezug auf das Konzerthaus am Gendarmenmarkt, das eigentlich Schauspielhaus hieß, stößt man auf die Revolution von 1848. Während das erste gesamtdeutsche Parlament in der Frankfurter Paulskirche tagte, trat die Preußische Nationalversammlung am 20. Mai in Berlin zusammen. Zwar zunächst in der Singakademie, doch zog man schnell in das Schauspielhaus um. Die Vorgänge hier sind nicht ruhmreich, denn in der Stadtverordnetenwahl Ende Mai waren nur 25 000 Bürger wahlberechtigt (zuvor waren es noch 60 000 gewesen), so blieb aufgrund der Städteordnung das Parlament eine Vertretung der Hausbesitzer und Industriellen. Demokraten waren hier nicht gern gesehen.


Gegründet wurde das Haus 1688 in Auftrag von Kurfürst Friedrich III (König Friedrich I von Preußen). Es war auch noch ein anderes, viel kleineres Gebäude. 1774 bis 1776 entstand an Stelle des alten ein neues Haus von Boumann d.Ä. mit Hilfe von Knobelsdorff, es war als „französisches Comödienhaus" bekannt, da es extra für eine französische Schauspielertruppe errichtet wurde.
Neben dem alten eröffnete 1802 das „Königliche Schauspielhaus". es wurde aufgrund seines gewölbten Daches lapidar „Koffer" genannt und brannte 1817 bei einer Probe zu den „Räubern" ab.

Das Gebäude in seiner heutigen, neoklassizistischen Form entstand 1721 nach Plänen von Friedrich Schinkel. Es steht in seinen Aufmaßen von 38 mal 78 Metern zentral auf dem Gendarmenmarkt, was bei den Vorgängerbauten nicht der Fall war. Das Interieur des Schauspielhauses war der „Lindenopera" (Staatsoper unter den Linden) gleich, doch spielte man hier eher deutschsprachige Stücke. Das Haus mit über 1000 Sitzplätzen größten Saal wurde im von 1981 bis 1984 restauriert und 1987 zur Berliner 750-Jahr-Feier eingeweiht.
Schinkel hatte aus der Erfahrung des „Koffer"-Theaters lernend das Schauspielhaus so geplant, dass im Brandfall höchstens ein drittel des Gebäudes erfasst werden konnten. 1945 wurde es dennoch zerstört, doch wie hätte Schinkel mit der Zerstörungsgewalt eines solchen Krieges rechnen sollen?


Der Werner-Otto-Saal
Der neueste Saal des Konzerthauses ist der Werner-Otto-Saal im Nordflügel des Konzerthauses, der im Mai 2003 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Zusammenarbeit mit dem Gründer des Otto-Versandes begann 1999, als dieser seinen 90. Geburtstag hier feiern durfte. Zu der Zeit war der heutige Werner-Otto-Saal der Probenraum des Sinfonie-Orchesters, mit veralteter Technik und mittelmäßiger Akustik. Man hegte also schon länger den Plan, diesen Schandfleck zu beseitigen und beauftragte nun den Kölner Architekten Kulka, einen Plan zu machen, wie der Saal einmal aussehen könnte. Der meint, mit dem nötigen Geld könnte man diesen Saal zu einem Multifunktionalen Ort machen und an dieser Stelle springt dann eben Werner Otto mit 4,5 Millionen Euro ein.
So hat des Konzerthaus jetzt einen Saal, dem an technischer Ausstattung keiner das Wasser reichen kann. Besonders beeindruckend ist, dass 128 computergesteuerte Huppodien dem Raum unendlich viele Gestalten verpassen kann, so dass vom Klavierabend bis zum Theaterevent alles möglich ist
PIXACO
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Jan Romberg