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Das Stadtkommandantenhaus wurde vom kurfürstlichen Architekten Johann Gregor Memhardt als sein Privathaus gebaut. Schon damals im Jahr 1653 war die Adresse Unter den Linden 1 direkt neben dem Berliner Schloss eine vorzügliche Adresse. Doch die Fassade, die gerade wiedererrichtet wird ist nicht die von Memhardt geplante, dennoch ist die Rekonstruierung nach historischem Vorbild! Hier erkennen wir schon, dass es bereits eine Umgestaltung des Gebäudes gegeben haben musste. Um genau zu sein waren es sogar zwei Umformungen. Die erste wurde 1754 vom Oberhofbaurat Wilhelm Titel durchgeführt, der das Gebäude klassizistisch antikisiert hat. In dieser Form wurde es 1799 auch zum Haus des Kommandanten der königlichen Wache. Der zweite Umbau war so radikal, dass man die Handschriften der beiden vorherigen Architekten nicht mehr wahrnehmen konnte. Es geschah noch im Zuge des Stolzes auf das neu geschaffene Reich 1875, dass das Kommandantenhaus als repräsentativer italienischer Palazzo mit flügelschlagenden Adlern auf der Dachkante gestaltet wurde. Es wurde um eine Etage aufgestockt, dafür wurde auf das barocke Mansardendach verzichtet. Die Funktion als Kommandantenhaus mag zunächst nicht geschichtlich bedeutend erscheinen, aber das Haus war an mindestens zwei historisch eminenten Ereignissen beteiligt. Das erste war in der Revolution 1918. Hier war das Haus Schauplatz für die Weihnachtsschlacht", in der linke Kräfte das als Nest der Konterrevolution bekannte Haus ausheben wollten. Noch mehr Bedeutung erhielt das Haus jedoch im Jahr 1944, denn hier wurde von Paul von Hase der Anschlag auf Adolf Hitler am 20. Juli geplant. Im zweiten Weltkrieg zur Ruine gebombt wurde das Haus 1948 gesprengt, entstand 1967 an der Stelle das Außenministerium der DDR, ein blockhaftes Bürohaus im Aluminium-Look. Zur Zeit wird das Haus im Palazzo-, also dem letzten Stil rekonstruiert. Die Idee dazu existierte bereits vor dem Abriss des Außenministeriums, die exklusive Adresse sorgte für ausreichend (neun) Bewerber um den Standort. Besonders durch das Nutzungskonzept konnte sich der Bertelsmann-Konzern durchsetzen, der hier neben Brüssel und New York sein wichtigstes Versandbüro einrichten will. Eigentlich sollte es bereits im Frühjahr 2002 bezugsfertig sein, doch es wird noch immer gebaut, lange wird es jedoch nicht mehr dauern. In Unter den Linden 1 wird man auch ein Restaurant besuchen können. Abschließend ein paar Fakten zur Bertelsmann AG, damit wir wissen wer im Kommandantenhaus kommandiert: Medienkonzern mit Sitz in Gütersloh, hervorgegangen aus dem 1835 von Carl Bertelsmann (* 1791, 1850) gegründeten C. Bertelsmann Verlag. Das Verlagsprogramm umfasste zunächst evangelische Theologie, Philologie und Pädagogik, später auch Belletristik. Die Entwicklung zum international tätigen Medienunternehmen begann nach dem 2. Weltkrieg unter der Leitung von Reinhard Mohn, einem Ururenkel des Gründers. Zur Bertelsmann AG gehören heute in zahlreichen Ländern der Erde Buch- und Zeitschriftenverlage, Buch- und Schallplattengemeinschaften, Musikverlage, Informations- und Kommunikationsdienste, Betriebe zur Herstellung von Ton- und Informationsträgern, Druck- und Industriebetriebe, Dienstleistungsunternehmen sowie im Fernsehen und Hörfunk tätige Firmen. Die Unternehmensgruppe ist dezentral organisiert und bekennt sich in ihrer Unternehmensverfassung" zu publizistischem Binnenpluralismus. |