Wie wird eine Idee zu einem Bild umgesetzt

Die Umsetzung einer Idee zu einem Kunstwerk erfordert zunächst eine Idee. Jede Idee, auch eine spontane, ist die Summe aller Erfahrungen eines Menschen. Wie diese Erfahrungen zusammengesetzt werden und mit welcher Gewichtung sie in die Idee hineinfließen, hängt unter anderem vom Gemütszustand der Person ab. Daher sind Ideen manchmal etwas verrückt, häufig nicht rational. Nun schwirrt diese Idee als ein Gedanke im Gehirn umher, eine Idee ist nicht länger als eben das Wort. Daher ist sie noch nicht umsetzbar. Mit dieser Idee macht das Gehirn das, was es auch macht, wenn wir ein Wort hören oder lesen: es aktiviert ein dazugehöriges Konzept (siehe Abbildung), entwickelt also eine Bedeutung durch Einbeziehen von ähnlichen oder benachbarten Begriffen. Ein solches Konzept lässt sich nun äußern. Normalereise drücken wir Gedanken in Worten oder Taten aus. Der oben angesprochene Gemütszustand/ Emotion wird vom vorderen Cortex gesteuert, wie auch das "Gewissen". Ist dieses Hirnrindenareal durch einen Unfall beschädigt oder schlecht durchblutet, so ist die Hemmung vor dem Übertreten von sozialen Verhaltensregeln gestört und die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Mensch ein Verbrechen begeht ist enorm Hoch. Doch was sagt das über die Herkunft von künstlerischer Kreativität? Es spricht einiges dafür, dass auch hier der vordere Cortex eine Rolle spielt. Immerhin, viele künstlerische Werke kratzen an unseren Moral- und Ethikvorstellungen, sollte also hinter dem Künstlerhirn das eines Verbrechers stecken? Das muss energisch zurückgewiesen werden. Schließlich brechen diese Künstler keine Moral, sondern sie experimentieren damit, um der Menschheit neue kulturelle Güter zu vermitteln. Um mit etwas zu experimentieren, muss man mit einer Sache umzugehen wissen. Somit wäre wohl erläutert, wo der Kern von Kreativität liegt.
Nun zurück zur Umsetzung: der beschriebene Vorgang der Konzeptbildung findet auch bewusst und gesteuert statt, wenn man versucht, einen geeigneten Ausdruck zu finden. Ein besonderer Kunstgriff ist es dabei zum Beispiel, um den Begriff runterum zu Beschreiben, ihn so zu Erläutern. Beispiel: "Die Welt hat einen tiefen Sprung, Soldat, am Rand stehst Du..."[Biermann: Soldat!] sagt, ohne es zu sagen noch viel mehr als nur, dass man als Soldat fallen könnte.
Für solche Bewussten Konzepte ist Hohe Intelligenz nötig, oftmals nimmt man sich eine Hilfe, standardmäßig ist das ein Notizzettel. Autoren und Wissenschaftler, die für ein Werk viele Ideen und Konzepte zusammenbringen müssen, legen sich häufig z.B. einen Schuhkarton mit Karteikarten und Zetteln für einzelne Ideen an, denn eine Idee/ "Eingebung" zu vergessen, könnte für die Menschheit ein unersetzlichen Verlust bedeuten! Na dann kann's ja losgehen! Oder? Kann man mit einem Konzept im Kopf ein Bild malen? Den Pinsel in die Hand nehmen und dann malen? Es gibt viele Arten eine Idee visuell darzustellen. Bei den meisten Malern besteht das Bild schon vor dem ersten Pinselstrich vor dem geistigen Auge. Doch die Übertragung zum Bild ist ein noch letztes Problem. Die technischen Fertigkeiten setze ich hier natürlich als vollständig voraus. Die Vermittler zwischen geistigem Bild und der Leinwand sind das Auge, welches abmisst und vergleicht, und die Hand, die ausführt. Das Problem dabei ist eben, dass die Hand nicht direkt von der neuronalen Illusion gesteuert werden kann. Daher ist der Künstler hier gezwungen zu experimentieren. Die Hand zeichnet, das Auge vergleicht und die Hand malt neu. Dies' geschieht so oft, bis das reale Bild dem geistigen gleicht oder sonst befriedigt. Der Prozess ist damit beendet und doch ist es der Anfang, denn der Künstler hat nun neue Erfahrungen gesammelt, ist in einer anderen Situation und andere Emotionen. So könnte eine neue Idee entstehen, eine neue Chance für die Welt.

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Autor. Jan Romberg