Das Fach Latein im COMENIUS-Projekt "Mensch - Natur - Technik" (1996 - 1997)
"(...) Als im Schuljahr 1995/96 das Hölty-Gymnasium in Wunstorf unter der Federführung von StD P.Wendelken und StR B.Jonczyk mit einem Projekt im Rahmen des europäischen Bildungsprogramms "Comenius" (unter dem [Expo-]Thema: "Mensch - Natur - Technik") begann, beteiligte sich daran von Anfang an auch die Fachgruppe Latein. Ziel war es zunächst, die europäische Dimension des Faches für Schüler erfahrbar zu machen. Hierzu wurden zwei Wege gewählt: 1. Beteiligung an einer CD-Produktion: Meinem Kollegen B.Jonczyk verdanke ich die Anregung zu einer "Comenius-Hymne", die in Vertonungen der jeweiligen Partnerschulen, unter kompositorischer wie reproduktiver Mitarbeit von Schülern und Lehrern, neben anderen Beiträgen auf der (von der Europäischen Kommission finanziell unterstützten) CD "Hölty and Friends Go Comenius" erschien; der Text sollte (!) auf Latein geschrieben sein, "der Sprache, die über Jahrhunderte eine gemeinsame Grundlage des Austausches von Gedanken über die Grenzen hinweg darstellte" (so das Beiheft): Laudes Comeni Versus rhythmicos Latinos composuit Eberhardus Kaus 1997 1. Orbem pictum, sed non fictum cunctis praebet manibus, ut mortales mentis luce Deo vero noscant duce mundum suis sensibus. Â
amicitiae et iuris
gentium communio
duce fit Comenio.
2.
Peregrinans,
sed non errans
fidem parat mutuam;
pacem condens inter reges
moribus coniungit leges,
linguae pandit ianuam.
Â
: Nobis vincula iuncturisamicitiae et iuris
gentium communio
duce fit Comenio.
Die vier musikalischen Bearbeitungen aus Italien, Dänemark, Schweden und Deutschland, die schließlich eingespielt wurden, zeigen eine reizvolle Bandbreite von Gregorianik über das Kunstlied bis zu Rock und Pop. Ferner regte der Text, zu dem ich eine deutsche "Arbeitsübersetzung" bereitgestellt hatte, einen schwedischen Schüler zu einer eigenständigen Bearbeitung ("Lovsang till Comenius") und Vertonung an, die als weiterer Beitrag auf der insgesamt acht Titel umfassenden CD erschien. Zielte dieser Projektteil vorwiegend auf ein emotionales Erleben Europas, sollte die europäische Dimension auch im eigentlichen Lateinunterricht deutlich werden.
2. Gemeinsames Projekt eines Lateinkurses Kl.11 mit der Klasse SP 3a der Sunnerboskolan/ Ljungby (Schweden):
(...)Das gemeinsame Projekt sollte:
Diese Kriterien, die Betonung des Neulateinischen im schwedischen Lehrgang sowie der Gedanke, für den eigenen Unterricht Neuland zu erschließen, veranlaßten den Verfasser, den schwedischen Partnern als Thema die Auseinandersetzung mit den Hexenprozessen in Schweden und Deutschland vorzuschlagen: "Iudicium, ratio, caritas - Der Kampf gegen Verfolgung und Aberglauben in Fr.Spees Cautio criminalis (1631/32)". Die Entstehungszeit dieses Textes, d.h. die Phase, in der man den "Dreißigjährigen" (in Deutschland) als "Schwedischen Krieg" zu bezeichnen pflegt, die Tatsache, daß die erste deutsche Übersetzung Johann Seiferts (Bremen 1647) dem schwedischen Generalfeldmarschall und Gouverneur der (Erz-) Stifter Bremen und Verden gewidmet ist und möglicherweise das Dekret Königin Christinas vom 16.2.1649 über die Einstellung der Hexenprozesse in den schwedisch besetzten Gebieten Deutschlands beeinflußt hat, sowie der gemeineuropäische Charakter der Hexenverfolgungen machten die Schrift Spees m.E. zu einem beide Seiten ansprechenden und einbeziehenden Text. Arbeitsgrundlage bildete eine vom Verfasser angefertigte und erläuterte Auswahl nach der historisch-kritischen Ausgabe des niederländischen Germanisten und Theologen Theo G.M. van Oorschot.
In unterrichtlicher Lektüre und Schülerreferaten wurden verschiedene Aspekte des Phänomens Hexenverfolgungen, nicht zuletzt aber auch der Text als rhetorisch geschickte Streitschrift thematisiert. Bei der Textauswahl wurde versucht, grundlegende Fragen, die Spee in seiner Cautio anspricht, trotz aller Kürzung erkennen zu lassen. Hierzu gehören u.a.:
Die Schülerreferate ergänzten den Text u.a. durch Hintergrundinformationen und Erklärungsversuche moderner Historiker/innen und schufen dadurch die Möglichkeit, sich ein Urteil über Spees Einschätzung zu bilden. Die schwedischen Partner lieferten über Fax einen Beitrag "Witchtrials in Sweden", der bei zeitlichen und zahlenmäßigen Unterschieden durchaus Parallelen zu den deutschen Verhältnissen erkennen ließ.
Das Jubiläum anläßlich des 75jährigen Bestehens des Hölty-Gymnasiums bot die Gelegenheit, die Ergebnisse des Projektes der Schulöffentlichkeit vorzustellen. Hierzu waren neben den Referattexten (in Kurzfassung) Auszüge aus Spees Mahnschrift in Schülerübersetzungen für eine Schautafel aufbereitet worden."
(aus: E.Kaus, J.A.Comenius, Friedrich Spee und die Europäische Kommission, Forum Classicum 41 (1998),2, 98 - 101; hier: 99f.; unserer schwedischen Kollegin, Frau Birgit Lindbäck, sei hier noch einmal für die gute Zusammenarbeit gedankt!)
Inhalt