Victoriam manifestam tulerunt socialistae ...
Modernes Latein im Mittelpunkt des Lateinwettbewerbs der Kl.9 und 10 am Hölty-Gymnasium
Seit September 1989 sendet Radio Helsinki wöchentlich Nachrichten in lateinischer Sprache. Die "Nuntii Latini" erreichen Hörer in 48 Ländern und sind – Wie könnte es anders sein? – seit ein paar Jahren auch im Internet (http://www.yle.fi/fbc/latini/trans.html) vertreten. Was Tuomo Pekkanen, Professor für lateinische Literatur in Jyväskylä, und Reijo Pitkäranta, Dozent an der Universität Helsinki, an dem ungewöhnlichen und zugleich erstaunlich erfolgreichen Unternehmen reizt, ist nicht zuletzt das intellektuelle Vergnügen, moderne Begriffe in lateinisches Gewand zu kleiden, um über die renovatio orthographica in Deutschland, das bellum Cosoviense, die Olympia hiemalia in Turin oder die nuptiae regiae principis Edvardi et Sophiae Rhys-Jones in Großbritannien zu informieren. Was früher als Domäne der Sprachschmieden des Vatikans galt, ist so seit geraumer Zeit zu einem Markenzeichen der Nordeuropäer geworden.
Der "Niedersächsische Altphilologenverband" hatte für seinen im Februar dieses Jahres ausgeschriebenen Wettbewerb als Aufgabe u.a. eine "möglichst treffende" Übersetzung der Nachricht über den Wahlsieg Schröders im Oktober 1998 gestellt. Die beteiligten Wunstorfer Schüler/innen waren somit in ihrer vierstündigen Klausur mit Begriffen wie comitia parlamentaria (Bundestagswahlen), cancellarius foederalis (Bundeskanzler), aetas Kohliana (Ära Kohl) oder factio praesina (Partei der Grünen) konfrontiert. Der Aufgabenkatalog umfasste des Weiteren die Beantwortung lateinischer Fragen zum Text (auf Latein), Erläuterungen zu Grammatik und Wortschatz sowie eine (deutsche) Erörterung über die auch in der Fachdidaktik gestellte Frage, ob das Lateinsprechen künftig in einem bestimmten Maß wieder Element des Unterrichts werden sollte. Die Schüler/innen setzten sich intensiv mit den vorgelegten Aufgaben auseinander, wobei in allen Teilaufgaben z.T. beachtliche Ergebnisse erzielt wurden. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der landesweit ausgeschriebene Wettbewerb nicht zwischen Latein als erster bzw. zweiter Fremdsprache differenziert.
Am 5.7. wurden die Teilnehmer in einer kleinen Feierstunde von der örtlichen Fachgruppe durch die Verleihung von (natürlich lateinischen) Urkunden und Preisen für ihre Leistungen und ihr Engagement geehrt. Den ersten Platz erreichte Marc-Alexander Kiel (Kl.10L5), Platz zwei teilten sich Jasmin Ostermeyer und Christopher Stiel (beide Kl.9L5), während Dalia Vincent vor Sonja Gwiasda (beide Kl.10L6) den dritten Platz belegte. Marc, von seinen Mitschülern aktualisierend gern "Euro" genannt, erhielt eine römische Münze, einen Antoninian Kaiser Gordians III. (ca.240 n.Chr.). Die weiteren Preise reichten von der Fachliteratur für Asterix lesende Lateiner über einen historischen Roman bis hin zum römischen Kochbuch des Apicius, womit der Zubereitung der schlichten römischen Bulette (isicium omentatum) oder auch eines gedünsteten Flamingos (fenicopterus elixus) kaum noch etwas im Wege stehen dürfte.
(Kau)|
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Die Teilnehmer des Lateinwettbewerbs: (hinten, v.l.) Dalia Vincent, Marc-Alexander Kiel, Sonja Gwiasda, (vorne, v.l.) Jasmin Ostermeyer und Christopher Stiel. (Foto: W.Kalis) |