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Mein erster Besuch in Rumänien war ein Familienurlaub als ich gerade 4 Jahre alt war. Nachdem mein Vater auf den Spuren seines im Krieg vermissten Vaters schon öfter auch mit Jugendgruppen und in mehr oder weniger “illegalen” Aktionen dort war, hatte er auf einer dieser Fahrten meinen Namen “mitgebracht”... “Irina, so soll meine erste Tochter heißen.”
Anfang der 80-iger waren wir noch einmal mit der ganzen Familie und mit einer Gruppe auf einer Rundreise dort, wovon ich allerdings nicht viel mehr weiß, als dass es in jedem Hotel einen Fahrstuhl mit Liftboy gegeben hat und wir fast immer Pommes bekommen haben, weil alles andere zu “ungewohnte Kost” darstellte.
In den Jahren der Ceaucescu-Diktatur, in denen die Grenzen noch undurchlässiger und die Bedingungen im Land immer schlimmer wurden, waren auch wir abgeschreckt, öfter hinzufahren.
Seit April 1992 sind wir nun wieder regelmäßig nach Rumänien. Denn gleich nach der Hinrichtung Ceaucescus waren sich meine Eltern einig, für dieses Land nun ganz konkret etwas tun zu wollen. Zu diesem Zweck riefen sie eine kleine Organisation ins Leben: Die “Rumänienhilfe der Kirchengemeinde Bleckede e.V.”. Die erste Fahrt war sehr sehr abenteuerlich. Das Sammeln von Kleidung und Lebensmitteln war überhaupt kein Problem, viele Bleckeder waren froh, ein konkretes Projekt unterstützen zu können, vor allem, weil auch dazu aufgerufen wurde, selbst mitzufahren oder Autos zur Verfügung zu stellen und so die Ankunft der Mittel dort, wo sie gebraucht wurden, gewährleistet werden sollte. Da wir selber noch nicht so viel Erfahrung mit den Bestimmungen für Hilfsgüter hatten, haben wir uns für dieses Mal an eine Grupoe aus Salzwedel “angehängt”, allerdings im Lande dann unterschiedliche Ziele angefahren.
Die startende Gruppe war zusammengewürfelt und nur sehr begrenzt der rumänischen Sprache überhaupt mächtig, es war alles ziemlich spannend und anders. Nachdem wir Ungarn verlassen hatten und gut durch alle Grenzen gekommen waren, bemerkten wir nicht nur an den Straßenverhältnissen eine offensichtliche Veränderung. Gegen Rumänien schien Ungarn noch ein sehr reiches Land zu sein. Hier waren nun überall Pferdewagen sehr gewöhnliche Fortbewegungsmittel. Sie hatten teilweise sogar Nummernschilder und nachts kleine Laternen... (siehe dazu den Bericht von unserer ersten Fahrt, den ich in einem Brief an Kai geschrieben habe.)
Wir fanden nach einigen Schwierigkeiten, die Hilfsgüter sinnvoll zu verteilen, ein Kinderheim, das von einem deutschen Pater gerade aufgemacht worden war und schon 14 Kleinstkinder aufgenommen hatte. Diese hätten sonst in schlimmsten Verhältnissen oder auf der Straße leben müssen. Dieses Kinderheim wurde das Ziel unserer nächsten Fahrten und nun verbindet uns eine tiefe Freundschaft zu Kindern und Erziehern im “Casa Don Bosco” in Cincu im Bezirk Fagaras.
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