Fünf vor zwölf

 

Bei ihm hab ich mir immer mein Gemüse eingekauft.

Er ist so um die dreißig,

hat ein Kind und eine Frau.

Wir verstehen uns ganz gut,

tranken schon manches Bier zusammen,

in der Kneipe gegenüber,

wenn wir uns dort mal sah’n.

Am Montag war sein Laden auf einmal nicht mehr auf,

Nachbarn sagen mir,

er liegt im Krankenhaus.

 

Erdal kommt vom schwarzen Meer,

doch er wohnt in dieser Stadt und zuhause ist er hier.

Erdal – kannst du mich hören?

Was auch immer hier passiert – ich halt zu Dir!

 

Er lief in ihre Arme,

als er durch unsere Straße ging.

Sie sangen irgendwelche Parolen,

ließen Erdal nicht weiterzieh’n.

Er versuchte sich noch zu wehren -  sie waren zu fünft und er allein,

bevor es richtig losging,

war es auch schon vorbei.

Wer glaubt hier noch,

dass uns das alles nichts angeht?

Wann kommt die Wut,

die all das Zögern von Euch nimmt?

 

Erdal – kannst du mich hören?

Was auch immer hier passiert,

ich halt zu Dir!

Erdal kommt aus der Türkei und wer hier gegen ihn ist,

ist auch mein Feind!