Ameisen




Katie schlug die Augenauf. Sie hatte einen Alptraumgehabt, an den sie sich zum Glück nichtmehr erinnern konnte, wollte jetzt wieder einschlafen, aber irgendwas hindertesie daran. Sie spürte, dass etwas Fremdes im Zimmer war. Da sie aberkeine Lust hatte, das Licht anzumachen und ihrem Gefühl auch nicht ganzvertraute, drehte sie sich auf die andere Seite und kuschelte sich an ihrdickes Plüschnilpferd. Doch als der Schlaf sie gerade wieder übermannte,merkte sie, dass irgendetwas sie am Hals kitzelte. Sie griff mit der Handdahin und zerdrückte eine Ameise. Ein kalter Schauer lief ihr den Rückenherunter und sie fragte sich, wie das Tierchen in ihr Bett gekommen war.Siehasste diese Viecher und merkte plötzlich, dass sie wohl die ganzeNachtnicht mehr schlafen können würde. Außerdem kitzeltees siejetzt am ganzen Körper.
Nachdem sie eine Weile versucht hatte, sich einzureden, dass alles nur Einbildung war, kratzte sie sich am Bein und fühlte noch mehr Ameisen, die auf ihr krabbelten. In Panik knipste sie jetzt doch die kleine Lampeneben ihrem Bett an und starrte auf ihr Bett. Alles war über und über mit Ameisen bedeckt! Sie krabbelten auf ihrer Bettdecke umher, krabbelten unter der Decke auf ihrem Körper, und einige saßen sogar auf dem Kopfkissen oder krabbelten ihr durchs Gesicht. Katie schrie erschrocken so schrill und laut auf wie sie noch nie geschriehen hatte und wahrscheinlich auch nie wieder schreien würde. Eine Panische Angst überfiel sie. Sie sprang aus dem Bett und sah sich ängstlich im Zimmer um. Überall waren diese Viecher! Sie krabbelten an den Vorhängen hoch, saßen auf allen Schränken und Tischen und bedeckten den gesamten Fußboden. Auch an den Wänden krochen sie langsam hinauf.
So schnell sie konnte, riss Katie die Tür auf und stürzte aus dem Zimmer in den Flur. Hier überfiel sie eine neue Panik. Bei dem furchtbaren Anblick, der sich ihr bot, fing sie erneut und diesmal noch lauter an zu schreien. Der ganze Raum war schwarz. Es mussten Millionen oder gar Milliarden von Ameisen sein, die sich hier versammelt hatten. Das ganze Haus schien nur noch eine einzige, sich bewegende schwarze Masse zu sein. Jetzt erst bemerkte Katie, dass die Tiere sie bissen. Sie hatte die Bisse aufgrund ihres Entsetzens erst gar nicht gespürt, aber jetzt hatte sie Angst, dass diese Ungetüme sie wahrscheinlich auffressen würden. Sie musste hier raus! Sie musste das Haus sofort verlassen. Sie musste um ihr Lebenlaufen. Zur Tür, dachte sie. Bloß raus hier, befahl sie sich.
Mit wild klopfendem Herzen kämpfte sie sich durch die schwarze Masse und erreichte schweißüberströmt und am ganzen Körper zitternd die Tür. Ihr Herz schlug rasend und ihr Atem wurde immer schneller. Katie drückte die Klinke herunter, aber nichts passierte. Wie von Sinnen rüttelte sie an der Tür, während sich die Ameisen immer näher auf sie zu bewegten, an ihr hochkrabbelten und sie weiter mit Bissen tracktierten. Doch die aufsteigende Todesangst setzte neue Kräfte in ihr frei, und nach kurzer Zeit flog die Tür auf...
... und Katie mit einem Satz aus dem Bett und brauchte noch einenMoment bis sie merkte, dass sie alles nur geträumt hatte. Trotzdem ließ sie das Licht noch eine Weile an und vergewisserte sich, dass wirklich nirgendwo eine Ameise zu sehen war.




Christian Dolle, 01/2001
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