Dumm gelaufen




Danilo wachte auf. Zuerst merkte er, wie scheiße er sich fühlte, dannstellte er fest, dass es nicht sein Bett war, in dem er lag.Und die Schnitteneben ihm kannte er auch nicht. Zumindest konnte er sich nicht daran erinnern,sie zu kennen. Obwohl sein Schädel brummte wie 'n ganzer Hornissenschwarm,versuchte er sich daran zu erinnern, was gestern passiert war. Ja, er warmit Sascha in der Dance Hall gewesen und sie hatten diverse Leute getroffen,die alle unbedingt was mit ihm trinken wollten. Aber an mehr konnte er sich auch leider nicht erinnern.
Scheiße, dachte er und sah sich zuerst due Tuse genauer an undsich dann im Zimmer um. Die Schnitte war ultraschlank, hatte 'nen knackigenArsch, lange dunkle Haare und 'n süßes Gesicht. Also hatte ersichja wenigstens  'ne echte Megabraut aufgerissen. Da sie noch schlief,konnte er sich in aller Ruhe in ihrem Zimmer umsehen und auch sie genauerin Augenschein nehmen. Die Wände waren fliederfarben gestrichen, dieMöbel schwarz und neben einigen Fantasy-Postern hing auch eins von LeonardoDiCaprio an der Wand. Neben der Tür stand ein großes Sofa, unterdem Fenster ein vollgehäufter Schreibtisch und das große Regalgegenüber dem Bett war vollgestopft mit Büchern und allerlei mystischemKrimskrams. Überhaupt war alles ziemlich chaotisch und überalllagenCDs oder Klamotten oder Zeitschriften 'rum. Seine eigenen Schuhe lagenvorder Tür, das T-Shirt war über die Stuhllehne des Schreibtischstuhlsgeworfen worden und seine Hose lag vor dem Bett. Auch ein paar Kissen undKuscheltiere lagen davor. Es musste also ziemlich heiß hergegangenseinletzte Nacht. Wie dumm nur, dass er sich an nichts erinnern konnte!
Jetzt wachte auch die Kleine auf und sah ihn sofort mit blitzenden braunenAugen an.
"Hi Danilo", begrüßte sie ihn, gab ihm einen feurigen Kuss,undseine Rübe war kurz vorm Platzen. Während er sie noch ganzfasziniertanstarrte, war sie aufgestanden, fing an, sich anzuziehen und fragte: "Willste'was frühstücken oder nur 'n Kaffee?"
Er murmelte etwas Unverständliches und merkte, wie sich zwischenseinen Beinen etwas regte. Ja, Geschmack hatte er letzte Nacht echt bewiesen.Die Schnitte war echt heiß und so, wie sie ihn anhimmelte, auch völligscharf auf ihn. Wenn er sich doch nur an ihren Namen erinnern könnte!
Sie warf sich jetzt mächtig in Schale, lächelte ihn an alswolle sie wiederholen, was gestern Nacht offensichtlich passiert war, dannmeinte sie: "Du warst echt gut gestern. Wenn du immer so scharf bist... Ichhol dir erstmal 'n Kaffee."
Fasziniert sah Danilo ihr nach, stellte fest, dass er 'n Ständerhatte und wünschte nur noch, er könne sich an letzte Nacht erinnern.Aber es war wirklich alles weg. Nicht einmal einzelne Bilder blitzten inseinerErinnerung auf. Scheiße, war das Leben ungerecht!
Um nicht so doof 'rumzuliegen, stand er auf und suchte seine Klamottenzusammen. Das war allerdings lange nicht so einfach wie er sich das vorgestellthatte, denn die Kopfschmerzen, die er hatte, waren echt absolut überirdisch.Trotzdem zwang er sich, wenigstens seine Hose und sein T-Shirt anzuziehen.Und als er das getan hatte, ging die tür auch schon wieder auf und dieKleine brachte ihm eine große Tasse dampfenden schwarzen Kaffee mit."Hier, trink das, Süßer. Danach musst du entweder kotzen oderesgeht dir besser."
Er lächelte sie an, faselte irgendwas von wegen, wenn sie in derNähe wäre, würde es ihm sowieso nicht schlecht gehen und hofftenur, dass diese grässlichen Kopfschmerzen endlich aufhörten undsich auch der Nebel in seinem Kopf lichtete und er sich endlich an etwaserinnernwürde. Dann trank er und starrte dabei auf ihre Beine.Echt geilesFahrgestell!Und er konnte sich an nichts erinnern! Wenn sie gestern so heißgewesenwar wie sie zu sein schien, war es echt unerklärlich,wie ereinesolcheNacht hatte vergessen können. Er musste ja echt gesoffen habenwie dieletzten drei Jahre nicht mehr. Ja, scheinbar war es wirklichso gewesen,dennals der heiße Kaffee jetzt seinen Magen erreichte,fing dieseran, sichzu drehen und schrie förmlich nach 'nem Klo.
"Äh... wo ist die Toilette?", fragte er die Schnitte also, weiles nicht mehr anders ging.
Wie er erwartet hatte, sah sie ihn schräg an, da sie ja erwartete,sie würde das wissen, dann sagte sie es ihm aber doch, um schlimmereszu verhindern. Danilo stürzte daraufhin über den Flur, riss dieTür auf, den Klodeckel hoch und ließ sich dann alles, was er gesterngetrunken hatte, noch einmal durch den Kopf gehen. Als er endlich damit fertigwar, fühlte er sich total ausgequetscht und durch den Wolf gedreht,aberetwas besser. Erinnern konnte er sich aber leider immer noch nicht.
Er wusch sich die Hände und übers Gesicht und zuckte dannkurzzusammen, da er eine Hand an seinem Hintern spürte. Die KleinehattedieBadezimmertür hinter sich zugemacht und ließ ihre Zungeaufreizendüber ihre vollen Lippen fahren. Mit der einen Hand griffsie ihm an denArsch, mit der anderen ging sie ihm unters T-Shirt. Auch Danilo konnte seineHände nicht mehr stillhalten und fuhr mit seinen Fingespitzen überihren zarten, drahtigen Körper.
"Du bist schärfer als Peperoni und heißer als Feuer, Danilo.Lass uns bloß wieder in mein Zimmer gehen..."
Stumm nickte er, bereit, alles zu tun, was sie von ihm verlangte.
In dem Moment ging die Tür auf und ein Mann, offensichtlich ihrVater guckte herein. Danilo lief knallrot an und wäre jetzt am liebstenim Boden versunken. Aber wenigstens wusste er jetzt, wer die Schnitte war,mit der er die Nacht verbracht hatte, denn der Typ, der da in der Türstand und jetzt nicht mehr irritiert, sondern ziemlich sauer guckte, warniemandanders als Danilos Mathelehrer, Herr Werth.




Christian Dolle, 03/1998
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