Die Endlösung - Reaktion Eichmanns
Aus: Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem, S. 168 - 169
Am 22. Juni 1941 griff Hitler die Sowjetunion an, sechs oder acht Wochen danach wurde Eichmann in Berlin zu Heydrich zitiert. Dieser hatte am 31. Juli einen Brief von Hermann Göring bekommen, der ja nicht nur Reichsmarschall, Preußischer Ministerpräsident und Bevollmächtigter für den Vierjahresplan, sondern in der Staatshierarchie (im Unterschied zur Parteiführung) schließlich auch Hitlers Stellvertreter war. In diesem Brief wurde Heydrich beauftragt, »eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflußgebiet in Europa« vorzubereiten und »einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen«. Heydrich war, als er diesen Auftrag erhielt, bereits »seit Jahren damit beauftragt, die Endlösung der Judenfrage in Europa vorzubereiten« (Reitlinger), wie er in einem Brief an das Oberkommando der Wehrmacht vom 6. November 1941 erklärte, auch die Massenmorde, die die Einsatzgruppen im Osten seit Beginn des Rußlandfeldzuges praktizierten, geschahen unter seiner Leitung.
Heydrich eröffnete die Besprechung mit Eichmann »mit einem kleinen Speech« über die Auswanderung (die praktisch zum Stillstand gekommen war, obwohl Himmler das Verbot jüdischer Auswanderung mit Ausnahme von Sonderfällen offiziell erst ein paar Monate später erließ) und sagte dann: »Der Führer hat die physische Vernichtung der Juden befohlen.«