Pola Kinski
geboren als Pola Naksynski am 23. März 1952 in Berlin-Charlottenburg

Pola Nakszynski ist das einzige Kind des Schauspielers Klaus Kinski mit seiner Frau Gislinde "Linda" Kühlbeck. Nach der Scheidung ihrer Eltern (1955) wächst sie abwechslend beim Vater und bei der Mutter auf. Als Vierzährige steht sie in Marcel Pagnols Komödie Die Tochter des Brunnenmachers im Münchner Residenztheater zum erstenmal auf der Bühne. Nach der Grundschule besucht sie das Internat Neubeuern / Inntal und ab 1968 verschiedene Gymnasien in München. 1970 schliesst sie mit der Mittleren Reife ab und beginnt eine Schauspiel-Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München, unterbrochen von einem kurzen Engagement durch Peter Zadek nach Bochum. 1974 wird sie wegen Übernahme einer Hauptrolle (Gina) in Lodewijk de Boers The Family (Regie: Ulrich Heising) im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg beurlaubt. Danach wird sie von Ivan Nagel fest engagiert, der ihr vorzeitig Bühnenreife bescheinigt. Pola gehört danach bis 1977 zum festen Ensemble des Deutschen Schauspielhauses. Grossen Erfolg hat Pola 1976 in Zadeks Shakespeare-Inszenierung Othello als Strassenmädchen Bianca: "Ein halb lüsternes, halb gelangweiltes Mädchen drückt sich um die Strassenecken, manchmal ein Tambourin schlagend und versunken tanzend zu den Klängen eines müde herumhängenden Strassenmusikanten." (V. Canaris. In: Theater heute 7 / 1976)

[Pola Kinski in L'OPERA DE 4 SOUS] 1977 zieht Pola Kinski nach Berlin und lehnt zunächst alle weiteren Theaterangebote ab. 1979 spielt sie bei der freien Theatergruppe Skarabäus in Paris die Mrs. Peachum in Die Dreigroschenoper (Regie: Hans-Peter Cloos). "Die hinreissende Gesicht aus Laszivität und Liebsein! Und diese schmutzige Lässigkeit, mit der sie ihre Unschuld verhökert!" (M. Skasa. In: Theater heute 7 / 1979). 1980 wirkt sie als Eliante an der Westberliner Volksbühne in Zadeks Inzenierung von Hans Magnus Enzensbergers Molière-Bearbeitung Der Menschenfeind (auch als Fernsehspiel) mit.

Pola Kinski filmt seit 1959 und hat zunächst zahlreiche kleinere Rollen in Kindersendungen beim Fernsehen, vor allem beim Südwestfunk. 1976 engagiert sie Gabi Kubach für Das Ende der Beherrschung, in dem sie das aufsässige Arbeiterkind Carmen spielt. In Rainer Boldts Fehlschuss, der Geschichte einer Aussiedlerfamilie Ende der 50er Jahre in Wien, spielt sie die Rolle der Marina Loring. Für Volker Schlöndorffs Valeska Gert-Porträt rekonstruiert sie einige Auftritte der exzentrischen Tänzerin. Wolfgang Staudte überträgt ihr 1978 ihr wohl bislang wichtigste Rolle. In Zwischengleis spielt sie Anna Eichmayr, eine junge Frau, die den von ihr verschuldeten tödlichen Unfall eines Kindes während der Flucht 1945 nicht verwinden kann und schliesslich Selbstmord begeht. Zwar wird der Film bei der Kritik reserviert aufgenommen, doch beeindruckt ihre schauspielerische Leistung: "Pola Kinski, nicht genug anzuschauen und bewunderungswürdig in ihrem mühelosen Wechsel vom sechzehnjährigen Mädchen zur reifen Dreissigerin, die Verzweiflung des Untergangs schon in den Augen, Pola Kinski gerät Staudte beinahe in das Klischee des deutschen Trümmermädchens." [P. W. Jansen. In: Vorwärts, 14.11.1978].

Pola Kinski wird zwar oft nur in Nebenrollen eingesetzt, doch weiss sie diese als intensive Porträtstudien zu gestalten, verhalten und in Momenten überraschend eruptiv. Pola Kinski, mit dem Rechtsanwalt Wolfgang Hoepner verheiratet, ist Mutter einer Tochter, Janina (geboren 1978), und lebt in Ludwigshafen.

Bühnenauftritte
Die Liste umfasst neun Theaterstücke zwischen 1956 und 1980.

Filme
Die Liste umfasst 15 Filme zwischen 1976 und 1987.

Literatur
  • Siegfried Diehl: Pola Kinski. In: FAZ-Magazin Nr. 5 (03.04.1980)
  • Cine Graph / Herausgeber: Hans-Michael Bock. - München: Edition text + kritik. - ISBN 3-88377-556-8. - Lieferung 6 des Loseblattwerks


    Klaus Kinski 1926-1991 | E-Mail (c) Michael 1998-1999