So kann das doch nicht weiter gehen!
Das ist ein Aufruf zur Revolution!
Proletarische Rundschau Nr.21, November 2005
Dieses kapitalistische imperialistische System hat sichüberlebt. Auf
der einen Seite produziert es ungeheuren Reichtum, auf der anderen ungeheure
Armut und Zerstörung. Wir sehen den Reichtum und wenn wirüberlegen
wissen wir: das also wäre möglich, beispielsweise: dass alle Menschen
auf der Welt genug zu essen haben, ein Dachüber dem Kopf, Kleidung, die
Möglichkeit lesen und schreiben und rechnen zu lernen und sich weiterzubilden,
die Möglichkeit sich zu erholen... Auf der anderen Seite aber sehen wir
die Armut, die hervorgebracht wird; jeden Tag aufs Neue sehen wir, was für
ein Scheiß-System das ist, in dem wir leben: Wenn täglich abertausende
an Hunger sterben, wenn die Erwerbs-Arbeitslosenrate in den reichsten und entwickeltsten
Ländern um die 15% liegt, wenn jeden Tag (schon) in den (bürgerlichen)
Medien steht, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander
geht, wenn ich in die Hackn geh und mir denk, was für ein verpfuschtes
Leben ich hab, aber keine Möglichkeiten sehe, etwas zu verbessern, wenn
für die Profite der größten Kapitalisten unsere Lebensgrundlagen
zerstört werden, wennüberhaupt alles dem Streben nach mehr und mehr
Profiten für eine winzige Minderheit untergeordnet wird, wenn in Kriegen
Millionen Menschen umgebracht und in die Flucht getrieben werden, letztlich
damit einige wenige gut davon leben können–das ist doch Grund zu schreien,
das ist doch Grund nachzudenken, das ist doch Grund, etwas dagegen zu unternehmen.
Das sind doch Gründe und höchste Zeit, dieses System endlich abzuschaffen.
Eine Revolution muss her–allein: zu vielen fehlt der Glaube und die Zuversicht
an die Möglichkeit.Übermächtig scheinen die Mächtigen–aber
es ist möglich, dass wir sie stürzen; nur wir können das tun,
Menschen werden das tun, und niemand für uns.
Die Geschichte hat gezeigt: immer wieder haben Unterdrückte gegen die
herrschenden Verhältnisse gekämpft und versucht, die Mächtigen
zu stürzen. Auch im kapitalistischen System hat es schon viele Versuche
gegeben, die herrschende Kapitalistenklasse in einer Revolution zu stürzen.
Zum Beispiel:
1871 haben es die Pariser Kommunard/innen bewiesen: nach dem Sturz der herrschenden
Klasse ist die Organisierung eines wahrhaft demokratischen, nämlich proletarisch-demokratischen
Gemeinwesens möglich - wo es keine Ausbeuter mehr gibt, wo die tätigen
Mitglieder der Gesellschaft sich selbst regieren–dabei müssen bestimmte
Grundsätze beachtet werden.[1]
Die russischen Bolschewiki haben es 1917 bewiesen: der Sturz der Herrschenden
ist möglich, wenn wir es verstehen, den rechten Augenblick zu nützen,
und möglichst viele Leute geplant und gemeinsam kämpfen; der sozialistische
Aufbau kann begonnen werden, auch unter schwierigen Bedingungen.
Die chinesischen Kommunist/innen haben es uns mit der Kulturrevolution 1966
gelehrt: Die Revolution hört nicht auf mit dem Sturz der Kapitalistenklasse
und der Machtübernahme durch die vormals ausgebeuteten Proletarier und
ihrer Verbündeten. Die Revolution will verteidigt und immer wieder erneuert
werden, damit sie nicht verkrustet. Wesentlich ist, dass wir wach und aufmerksam
bleiben, denn es muss verhindert werden, dass wieder eine neue Ausbeuterklasse
an die Macht kommt.
Wir wissen auch dann, wenn sich ständig allesändert: Die Revolution
kommt nicht von selbst und ist nicht dem Zufallüberlassen, auch wenn in
ihr vieles unvorhergesehen geschieht. Sicher ist: es werden Menschen sein,
die das Werk ihrer Selbst-Befreiung vollbringen; und es wird die Klasse der
Proletarierinnen und Proletarier sein, die die Führungsrolle in dieser
Revolutionübernimmt–selbstverständlich mit Bündnispartnern,
aber die Proleten dürfen die Führung in der Revolution nicht aus
der Hand geben, sondern müssen konsequent bleiben.
Wir wissen auch: Es braucht einen guten Plan, um die Machtübernehmen und
halten können–nicht aus Machtgier, sondern um die Ausbeutungsverhältnisse
abschaffen zu können, brauchen die Proleten die Macht im Staat–nicht um
den Staat auszubauen und die Bürokratie aufzublähen, indem sie sich
selbst auf die wichtigen Posten setzen und Pfründe abschöpfen, nein,
damit der Staat selbst nach und nachüberflüssig wird, dann, wenn
die letzten hartnäckigen Reste der alten Klassengesellschaft abgestorben
sind.
In diesem Ziel–Ausbeutung und Staat abzuschaffen–sind sich viele Befreiungsideologien
einig. Indes sagen wir Kommunist/innen: Weil wir realistischer sind, betonen
wir die Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats. Denn: Nicht sofort nach
der Revolution wird alles wunderbar sein, wir brauchen nachher einen Apparat,
um die alten Ausbeuter niederzuhalten. Der wissenschaftliche Kommunismus ist
eben nicht bloßIdeologie, er ist auch Wissenschaft, das heißt Werkzeug
und Mittel zum Verständnis und zur Analyse der bestehenden Verhältnisse
und zur Entwicklung von Perspektiven und Möglichkeiten für die Zukunft
und so Richtschnur zum Handeln.
Dieses kapitalistische System ist reif, gestürzt zu werden–schon lange,
allzu lange. Die Kommunist/innen haben das auch vor 150 Jahren schon behauptet,
fast machen sie sich lächerlich mit ihrer ständigen Wiederholung
- lächerlich! (Aber es ist nicht zum Lachen).
Trotz der großen Unzufriedenheit vieler, die gezwungen sind in diesem
System zu leben und zuüberleben, sehen die Allerwenigsten die Möglichkeit,
das System zu stürzen und eine radikal andere Gesellschaft aufzubauen.
Der Blick auf diese Möglichkeit ist bei vielen verstellt. Einerseits durch
die Bewusstseins-Verkleisterungs- und Antikommunismus-Produktions-Maschinerie
der herrschenden Klasse. Diese ist nicht zu unterschätzen und allein schon
ein Anlass zu großer Wut: es ist sagenhaft mit welchem Scheißdreck
unsere Köpfe gefüttert werden - in Kindergarten und Schule, in Fernsehen
und Radio, durch religiöse oder esoterische Lügen…Es ist sagenhaft,
welchen Scheißdreck davon jede/r von uns, die im Kapitalismus leben muss,
auch selbst wiederholt und wieder weitergibt: du kommst so schwer aus, die
Fassade ist so täuschend echt und es ist oft bequemer nicht dahinter zu
schauen, oft bist du auch zu müde dazu, nach 40 Stunden Hacken, nachÄrger
am Arbeitsamt oder am Sozi, nach einem Wickel mit dem Idioten von Ehemann[2],
nach der neuesten Soap-Opera im Fernsehen. Aber der Blick dahinter ist nötig:
lass dir den Kopf nicht vernebeln, wehr dich, lass deine Wut heraus, am besten
gemeinsam mit anderen: organisier dich!
Heute arbeiten wir Kommunist/innen auch daran, dass sich Bewusstsein dafür
entwickelt, dass das eigene Handeln etwas auslösen und bewirken kann,
gegen Resignation und Kapitulantentum, dafür dass wir erkennen, dass die
(politische) Tat auf unser Bewusstsein wirkt und Bewusstsein und Handeln in
untrennbarem Zusammenhang stehen, dass sich das eine durch das andere weiterentwickelt–und
auch umgekehrt. Denn wir wollen die Welt verändern, nicht bloßinterpretieren.
Wir arbeiten dafür, dass dieses Handeln ein gemeinsames werde, weil es
dann mehr bewirken kann, denn eine gespaltene Arbeiter/innenklasse ist eine
geschwächte:
Der Blick auf die Möglichkeit der Revolution ist aber bei vielen auch
dadurch und deshalb verstellt, weil die Arbeiter/innenbewegung und mit ihr
die kommunistische Bewegung im letzten Jahrhundert durch sehr große Niederlagen
hindurchgegangen ist, die noch nicht verkraftet sind - bei weitem noch nicht.
Was ist da passiert, dass die Starre dieÜberhand bekommen hatüber
das Lebendige?
Immer noch sind wir dabei, zu versuchen zu verstehen und zuüberlegen,
wie der sozialistische Aufbau das nächste Mal besser funktionieren kann.
Wie kann verhindert werden, dass eine neue Ausbeuter-Klasse an die Macht kommt?
Wie kommen wir dahin, dass jede Köchin den Staat regieren kann? Wie kann
die Entwicklung in Richtung einer klassenlosen Gesellschaft vorangetrieben
werden. Solche und viele andereÜberlegungen, Erkenntnisse und Schlussfolgerungen
werden unverzichtbar für unsere nächsten Versuche sein. Wir müssen
sie jetzt anstellen, wir müssen diese Aufarbeitung bewusst und planmäßig
vorantreiben. Wir müssen viel diskutieren und wir müssen mit alten
Dogmen brechen.
Klar ist uns Kommunist/innen aber jedenfalls: nur eine proletarische Revolution
kann imstande sein, die Grundlage für Befreiung zu schaffen. Sicher keine
halbherzigen oder auch gutherzigen Reformversuche. Denn die Art von Maßnahmen,
wo versucht wird,"Ausgleich"zu schaffen (zwischen den Klassen),"umzuverteilen"und
dabei nichtüber die Grenzen des Systems hinauszugehen, dieärgsten
Auswirkungen irgendwie abzuschwächen…solche Maßnahmen greifen kurz
- sie greifen einerseits nur für kurze Zeit (denken wir anÖsterreich
in den 1970ern) und greifen auch zu kurz weil sie zu kurz denken: sie sind
nicht radikal–im nationalen Rahmen nicht und international noch weniger.
Deshalb betonen wir: Wir brauchen einen radikalen Bruch. Diesen gilt es vorzubereiten
und zu organisieren. Der Bruch, von dem wir reden, die proletarische Revolution,
ist nicht nur der Aufstand und der Sturz der Herrschenden selbst (als wäre
das nicht schwierig genug). Der Bruch ist (und muss) auch und vor allem ein
sehr bewusster Schritt und die ständige Arbeit im eigenen Kopf sein. Das
ist eine wichtige Lehre: die Revolution hört nicht mit dem Aufstand auf,
sie ist vorher und nachher und am besten beginnen wir jetzt. Oder wie es imManifest
der kommunistischen Parteisteht:„Die kommunistische Revolution ist
das radikalste Brechen mit denüberlieferten Eigentumsverhältnissen;
kein Wunder, dass in ihrem Entwicklungsgange am radikalsten mit denüberlieferten
Ideen gebrochen wird.“(MEW Bd. 4, S. 481)