Diese Geschichte spielt in den Tagen, als die Tuatha de Danannnoch auf Erden weilten. Der Dagda, der König dder Tuatha, hatte einen Sohn namens Aengus. Dieser war niemals ein Kind von Traurigkeit gewesen. Die Freunde liebten ihn, und die Frauen lagen ihm zu Füßen. Sein Herz war bei seinen zahlreichen Affären niemals beteiligt gewesen, aber eines Tages wurde auch er von Liebe ergriffen, undzwar auf merkwürdige und geheimnisvolle Art und Weise. Und so trug es sich zu: Eines Nachts wachte er auf und roch plötzlich den Duft von Apfelblüten. Seide raschelte, und in den Schatten neben seinem Bett nahm er ein flimmerndes Licht wahr, das schließlich die Gestalt einer wunderschönen Frau annahm. Auf einer Laute spielte sie eine betörende Melodie, die Aengus geradewegs ins Herz ging. Als der letzte Ton verklang, verschwand die Frau. Er dachte zuerst, er habe das Erlebnis nur geträumt, und ging am nächsten Tag wie gewohnt seinen Geschäften nach. Aber auch in der folgenden Nacht wurde er wieder vom Apfelblütenduft geweckt, wieder erschien diese Frau neben seinem Bett und spielte ein Lied auf ihrer Laute. Aengus wollte sie ansprechen, aber bevor er einen Laut hervorbrachte, war die Frau wieder verschwunden. So ging das nun viele Nächte, und der Prinz war schließlich ganz und gar bezaubert von dieser Lady. Er zog sich von seinen Gefährten immer mehr zurück, wurde blass und schwach und ging schier zu Grundean dieser unerfüllbaren Liebe. Seine Familie und seine Freunde sorgten sich sehr um ihn. Sie fragten ihn, was denn geschehen sei, und so erfuhren sie von der Frau mit der Laute. Niemals hatte jemand vorher etwas Ähnliches vernommen. Sofort wurde am ganzen Hof nach der Lady gesucht, aber dort wusste niemand, wer sie sein könnte.
Der Dagda forderte von dem König die Hand des Mädchens für seinen Sohn, aber dieser war nicht bereit, darüber zu verhandeln. Seine Tochter könne nur für sich selber sprechen, sagte er, denn er könne nicht über sie bestimmen. Allerdings sei sie eine Schwanenjungfrau. "Sie lebt nicht bei mir, sondern an einem See, zu dem ich dich bringen werde. Du musst sie in ihrer Schwanengestalt erkennen, und dann darfst du Caer Ibormeith selber fragen, ob sie die deine wird! Allerdings, " fügte er hinzu, "allerdings musst du warten bis zum nächsten Vollmond." So richteten sie sich auf eine längere Wartezeit ein. Ungeduldig erwartete der Prinz den Vollmond, um so mehr, als ihm in diesen Nächten keine schöne Lady erschien. Als der Vollmondabend endlich gekommen war, begaben sich der Dagda und Aengus mit dem König zum Ufer des Sees, an dem Caer Ibormeith mit ihren Hofdamen lebte. Auf dem See schwammen viele blütenweiße Schwäne, das waren die Prinzessin und ihre Jungfrauen. Und der Prinz erkannte seine Liebe an einem goldenen Kettchen, das sie um den Hals trug. Er watete in den See hinaus, bis er bis zu den Hüften im Wasser stand. Da hatte er sie erreicht. Dann fragte er sie, ob sie seine Frau werden wolle. Caer Ibormeith gefiel der Jüngling wohl, und so sagte sie zu unter der Bedingung, dass sie jederzeit ihre Schwanengestalt annehmen dürfe. "Ich schwöre es!" sagte Aengus. Die Schwanenprinzessin schwamm um Angus herum, und vor den Augen seines Vaters und seiner Leute verwandelte sich dieser ebenfalls in einen Schwan. Gemeinsam umrundeten die beiden den See drei Mal, dann hoben sie ab und flogen zusammen zu Aengus Schloss. Dort umkreisten sie singend die Zinnen, und ihr wunderbarer Gesang bezauberte alle, die ihn hörten. Drei Tage lang sollen sie in ihrer Schwanengestalt geblieben sein und ihr Hochzeitslied gesungen haben. Caer blieb ihr ganzes Leben lang bei Angus, abwechselnd lebten beide in menschlicher Gestalt oder flogen in Schwanengestalt wild und frei umher. Original Art: Mikhail Vrubel |