Persönliche Stellungnahmen zum Buch und Projekt
  1. Klaus Feistmantel
  2. Simone Bohn
  3. Patricia Foidl
  4. Katharina Praschberger
  5. Kathrin Pohler
  6. Manfred Pfeifer


Klaus Feistmantel:

Da ich kein eifriger Leser bin, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, als uns unser Biologielehrer Herr Pfeifer vorschlug, im ersten Semester ein Buch zu lesen und darauf ein Projekt aufzubauen. Mein erster Gedanke war, daß dies Arbeit bedeute, was einen Schüler sofort abschreckt. Als ich dann noch erfuhr, daß sich das 350 Seiten dicke Buch von Fritjof Capra auch noch von der bisherigen Sicht der Wissenschaft distanziert, wuchs mein Mißtrauen, denn bis zu diesem Zeitpunkt klammerte ich mich relativ stark an die althergebrachten Ansichten, die mir all die Schuljahre über eingetrichtert wurden.

Tatsächlich brachten Capras Denkansätze und Ideen meine persönliche Weltanschauung durcheinander beziehungsweise änderten sie vollkommen, da mir die Erklärungen des Wissenschaftlers oft plausibler erschienen, als manche, die ich schon kannte. Natürlich konnte man nicht erwarten, daß dieses Buch mein gesamtes Weltbild verändert, aber ich denke, daß das auch nicht die Intention des Autors war, als er "Lebensnetz" verfaßte.

Er ist sich sicher darüber im Klaren, daß sich die Änderung der Weltansichten der Leute nicht von heute auf morgen vollziehen kann. Wenn wir aber nicht bald begreifen, daß es falsch ist, wie wir mit unserer Umwelt umgehen, wird es zu spät sein. Ich denke im Grunde ist das die Aussage des Buches.

Fritjof Capra gibt durchaus einleuchtende Erklärungen über die seines Erachtens richtige Weltanschauung , nämlich, daß alle Komponenten unserer Umwelt Bausteine von Netzen sind, die wiederum Teile des Lebensnetzes bilden.

Zum genaueren und besseren Verstehen des Buches geht Capra oft ins Detail, ist aber dennoch bemüht, den Überblick zu bewahren. Ich bin jedoch der Meinung, daß es weniger wichtig ist, genaue Details und Begriffe dieses Buches auswendig zu lernen, sondern es reicht die Grundaussagen verstanden zu haben.

Mit Hilfe vieler bedeutender Forscher aus allen Gebieten der Wissenschaft, versucht er dem Leser seine Thesen vorzutragen und sie zu belegen, wobei die Frage "Was ist Leben ?" im Mittelpunkt steht. "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" drückt seine Ansicht gegenüber lebenden Systemen wahrscheinlich am besten aus, und da unsere Erde auch als ein solches System angesehen werden kann, müssen wir lernen mehr vernetzt und holistisch als mechanistisch zu denken.

Durch die Zivilisation hat der moderne Mensch das verlernt, was tausende Jahre zuvor Urvölker für selbstverständlich ansahen. Es ist erstaunlich, daß man nun auf diese uralten Gedanken zurückgreifen muß, um das Bestehen der Erde zu sichern.

Ich übertreibe sicher nicht, wenn ich behaupte, daß dieses Buch in unserer Arbeitsgruppe zum Denken anregte und sogar die Beziehung zum Leben etwas veränderte. Man sollte als junger Mensch offen für neu Ideen sein und zuerst war ich auch skeptisch, denn ich stellte mir oft die Frage "Was nützt es denn, wenn eine Handvoll Leute dieses Buch lesen ?", als ich jedoch erfuhr, daß Capra und seine Anhänger immer öfter Seminare an Universitäten halten und diese große Zustimmung finden, wurde ich optimistischer und nun bin ich überzeugt, daß die nächste Akademikergeneration versuchen wird diese "neuen" Ideen vom Netz des Lebens in Industrie und Wirtschaft umzusetzen.

Wir versuchen nun Informationen aus dem Buch und aus anderen Quellen aufzuarbeiten. Uns ist bewußt, daß dieses Projekt viel Zeit und Geduld, die wir schon ab und zu verlieren, benötigt, trotzdem hoffe ich, daß wir diese revolutionären Gedanken mit Hilfe des Internets einem breiten Publikum zugängig machen können, denn schließlich geht es um die Zukunft unserer Nachkommen.


Simone Bohn:

Als ich die ersten Seiten des Buches "Lebensnetz" las, dachte ich mir: "Oh Gott, das verstehst du nie!" und ich war mir nicht sicher, ob ich je ein Wort von dem, was Fritjof Capra mit seinem Buch aussagen will, verstehen wollte und würde. Mit der Zeit wurde mir klar, was die Grundaussage "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" bedeutet und ich erkannte einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Kapitel.

Die Ideen, die Capra uns vermitteln will, sind zwar im Grunde schwer zu verstehen, doch kennt man die Denkansätze und überlegt sich die Aussagen, ist es, auch mit Hilfe der ausführlichen Erlärungen und genauen Beschreibungen, möglich, die Gedanken des Autors nachzuvollziehen.

Capra ist sehr bemüht, die Weltansichten der heutigen Gesellschaft zu ändern, er will sie dazu bringen, mit unserer Umwelt "sorgsamer" umzugehen, weniger verschwenderisch zu leben und die Rohstoffe besser einzuteilen, unsere Wirtschaft und Industrie besser zu planen - die Welt einfach von einem anderen Standpunkt aus betrachten.

Er macht auch klar, daß die nötigen Maßnahmen dafür bald getroffen werden müssen, da unsere Welt sonst in unserem eigenen Müll zu ersticken droht.

Meiner Meinung nach kann dieses große Vorhaben nicht ein einziger Mann in Gange setzen, doch Capras Theorie findet großen Anklang, deshalb glaube ich, können wir optimistisch in die Zukunft blicken und uns auf einen Paradigmenwechsel vorbereiten und "freuen".

Das Buch "Lebensnetze" hat mir insofern etwas gebracht, weil ich manche Ideen und Erkenntnisse davon übernahm und sie auch in anderen Fächern verwenden konnte, da mir bewußt wurde, dass eigentlich alle Fächer miteinander vernetzt sind und sie immer wieder durch einige "Themen" verbunden werden können.

Meine Lebenseinstellung veränderte das Buch nicht, da ich mich auch schon früher darum bemühte, möglichst "ökologisch" zu leben, trotzdem war es interesant zu erfahren, wie Capra die Leute zu motivieren versucht, damit sie ihre Ansichten ändern.


Patricia Foidl:

Da ich im vergangenen Sommer schon einmal ein Buch gelesen hatte, welches einen entscheidenden Paradigmenwechsel voraussagte, allerdings eine andere Informationsquelle zur Basis hat, nämlich ein Manuskript der Mayas, welches schon 600 v. Chr. verfaßt wurde, war ich zu Beginn unseres gemeinsamen Lesens sehr interessiert an Capras Ansichten, Einsichten und Äußerungen. Vor allem die Themenbereiche Sozialökologie, Tiefenökologie und Öko-Feminismus hatten mich fasziniert: Weg von der streng hierarchischen Ordnung hin zu einem kooperativen Miteinander im Einklang mit der Natur, geprägt von der Einstellung für weitere Generationen nachhaltig wirtschaften zu wollen, verstehen lernen warum die Welt so beschaffen ist wie wir sie in letzter Zeit erleben.

Der äußerst naturwissenschaftliche Teil der darauf folgte bereitete mir einige Schwierigkeiten, da mir die Information schwer verständlich war und mich nicht allzusehr begeisterte, doch nahm ich dies gerne in Kauf, da mir bewußt ist, daß auch diese Wissensgebiete entscheidend dazu beitragen eine neue Sichtweise unserer Welt zu erlangen, welche meiner Meinung nach extrem wichtig werden wird, wenn unsere Generation daransetzt, die Welt in all ihrer Schönheit durch Akzeptanz statt Ausbeutung schützen zu wollen und bestrebt ist, eine neue Art des menschlichen Zusammenlebens zu schaffen, in welchem Schlagworte wie Partnerschaft, Kooperation, Vielfältigkeit, Flexibilität und Vitalität entscheidend in das Bewußtsein der Menschen einwirken.

Bezüglich der Arbeit am Projekt selbst möchte ich bemerken, daß mich neben dem gesponsorten Internetanschluß auch das selbständige Aufarbeiten der Information aus dem Buch und das Forschen nach Alltagsanwendungen der Systemtheorie sehr begeistert.

Ich bin sehr stolz darauf in einer Zeit zu leben, in der ein Paradigmenwechsel zumindest eingeleitet wird und hoffe noch mehr Anteil daran zu haben. Aus diesem Grund freut es mich und gleichzeitig bin ich überrascht, daß ich in meinem Wahlpflichtfach an dieser abgelegenen, unbekannten Schule diese "neue" Strömung miterleben kann.


Katharina Praschberger:

Es ist Mittwoch nachmittag: Ich sitze mit meiner Bio-Wahlpflichtfachgruppe in der Bücherei und bin dabei meine Meinung zu Capras Buch und zu unserem Projekt auf Papier zu bringen. Naja, wenn ich da so durch die Runde schaue und mir von außen die Situation betrachte, dann darf ich wohl behaupten, wir haben aus diesem Projekt was gelernt: Wir sitzen in einer lockeren Atmosphäre zusammen - sprechen über Privates - lachen - einer fragt, was der englische Begriff wohl bedeuten mag - ein anderer schlägt ihn im Wörterbuch nach ...

- wir arbeiten miteinander, nicht gegeneinander -
Jeder braucht den anderen, denn keiner arbeitet für sich allein, sondern benötigt den erarbeiteten Teil des anderen. => keine Konkurrenz, sondern Kooperation => keine Analyse, sondern Synthese

Wenn ich mir das Ganze so durch den Kopf gehen lasse, dann kann ich sagen, daß wir einige von Capras neuen Werten mit in unser Projekt eingeschlossen haben.

So, nun sollte ich noch zum Buch meinen schriftlichen Kommentar abgeben: Ich muß zugeben, daß ich eine gewisse Abneigung gegen dicke Bücher habe. Normalerweise beginne ich erst gar nicht so ein Buch zu lesen, da ich genau weiß, daß ich nicht einmal zur Hälfte kommen werde. Auf jedenfall war ich von "Lebensnetz" zu Beginn nicht sehr begeistert, noch dazu, weil Wörter wie Autopoiese oder dissipative Strukturen vorgekommen sind, von welchen ich bis dahin noch nie etwas gehört habe.

Doch mit der Zeit, wenn man langsam durch die anfänglich komplizierte Sache durchblickt und erkennt, daß Capra mit diesem Buch die Menschen aufrütteln will und sagen möchte: "Es ist Zeit, wir müssen die Welt von einer anderen Sicht betrachten, ansonsten zerstören wir sie völlig", dann wird's wirklich interessant.

Capra meint, wir Menschen, sind nicht mehr in den Kreislauf der Natur eingebunden. Wir nehmen uns was wir brauchen, doch was geben wir? - Nichts!

Wir glauben, daß die Natur unser Eigentum ist, was absolut nicht stimmt. Wir sind, genauso wie alle anderen Lebewesen, die jedoch in einem Kreislauf mit der Natur stehen, nur ein Teil eines Systems, indem Partnerschaft und Kooperation herrschen sollte.

Am Ende des Buches hat uns Capra einige Grundprinzipien ökologischen Denkens dargestellt, nach denen wir bis ca. 2030 (2050) nachhaltig (ökologisch) wirtschaften sollten, ansonsten naht das Ende der Welt wirklich.


Kathrin Pohler:

Ehrlich gesagt war ich am Anfang nicht sehr begeistert, als ich erfahren habe, daß wir ein Buch mit über 300 Seiten lesen werden. Ich konnte mir nämlich nicht vorstellen, daß ich mich für ein solches Buch begeistern und interessieren kann. Mein Verdacht bestätigte sich dann, als ich die ersten Seiten des Buches las. Es kommen darin Fremdwörter, wie zum Beispiel "Autopoiese", "dissipative Struktur" oder "Kognition" vor, die ich noch nie zuvor gehört hatte.

Doch mit der Zeit gelingt es, die Bedeutung und Zusammenhänge dieser Begriffe zu verstehen. Nur dadurch ist es möglich, die Aussage dieses Buches von Fritjof Capra zu begreifen:

Wir müssen beginnen, die Welt aus einer anderen Sicht zu betrachten, nämlich, daß wir ein Teil unserer Natur sind. Daher können wir uns nicht als die Besitzer dieser Natur bezeichnen. Im Gegenteil: Wir müssen sie schützen. weil nur so können wir die Zerstörung unseres Lebensraumes verhindern, denn schließlich sind alle Lebewesen in den Kreislauf der Natur integriert.

Dieses Projekt hilft uns jetzt noch verstärkt, den Inhalt des Buches zu verstehen und vielleicht das "neue" Denken in unserem persönlichen Alltag anzuwenden.


Manfred Pfeifer:

Als ich das neue Buch "Lebensnetz" von Fritjof Capra in die Hand bekam, wußte ich sofort, daß es ein wichtiges Buch ist. Wenn man es gelesen hat, versteht man sehr gut, daß die Welt mit ihren Lebewesen, Systemen und Prozessen eine Einheit bildet. Das ist für Wissenschafter, Manager, Politiker aber auch jeden einzelnen wichtig zu erkennen. Lange Zeit hat man zu sehr auf Teilaspekte geachtet und Aufgabenstellungen immer mehr verteilt. Das Fachdenken muß wieder zu einer Einheit synthetisiert werden.

Besonders positiv finde ich den Aspekt, daß durch Kooperation in Systemen immer der bessere Erfolg zu erzielen ist, als durch Konfrontation. Das gilt für soziale Systeme genauso wie für biologische oder ökologische. Im auslaufenden Jahrhundert hat man das in Europa offenbar erkannt. Mindestens zweimal hat man es mit Konfrontation probiert. Das Ergebnis waren zwei Weltkriege. Jetzt schließt man sich zu einer größerern Einheit zusammen, um Probleme gemeinsam zu lösen.

Das Projekt in dieser Form war ein Experiment. Anfangs reagierten die Schüler mit Skepsis. Aber sie bemühten sich auch über die schwierigeren Passagen des Buches hinweg zu kommen. Als sie dann selber diskutieren, Texte erstellen und recherchieren konnten, waren sie eigentlich völlig selbständig.

Besonders erfreuliche Aspekte des Projektes waren

Ich hoffe, meinen Schülern mit diesem Projekt in ihrer Abschlußklasse noch etwas mit auf den Lebensweg gegeben zu haben, das sie in irgend einer Form nützen können.


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