Martins GFPS-Seite


Den folgenden Artikel habe ich im März 2000 auf Anregung des GPFS-Vorsitzenden Johannes Jußen geschrieben. Wir hatten per Email darüber diskutiert, welche Folgerungen aus dem Ende der Förderung von GFPS durch die Bosch Stiftung zu ziehen seien. Diese hatte im Sommer 1999 angekündigt, die Förderung der Stipendien durch GFPS ab dem Jahr 2000 einzustellen, nachdem GFPS zuvor beschlossen hatte, in Zukunft auch Stipendien an Tschechen zu vergeben und einen tschechischen Verein als zweiten Partnerverein aufzunehmen, und nachdem die damalige GFPS-Vorsitzende im Vereinsrundbrief geschrieben hatte, dass die Stiftung diese Absicht äußerst positiv aufgenommen habe. Kurz nachdem ich den Artikel an die Redaktion geschickt hatte, hat Johannes mich informiert, dass der Vorstand beschlossen habe, ihn doch nicht abzudrucken. Ursprünglich sollte er stattdessen auf einer Webseite von GFPS erscheinen, aber dann habe ich erfahren, dass der Vorstand sich auch das anders überlegt hat. So habe ich ihn stattdessen auf meiner eigenen Homepage untergebracht.

Eine Überlebensstrategie für GFPS

Ein Beitrag zur Finanzdiskussion

Von Martin Faber

Noch immer haben die GFPS-Mitglieder nicht erfahren, was die Robert Bosch Stiftung veranlasst hat, ihre Förderung von GFPS-Stipendien so abrupt einzustellen, nachdem doch bei der letzten Mitgliederversammlung und im Rundbrief 1/99 der Eindruck erweckt worden war, als hätte die Stiftung in Aussicht gestellt, dass wir auch nach dem Ende des üblichen Förderungszeitraums auf weitere Förderung hoffen können, wenn wir uns weiterentwickeln, in welchem Zusammenhang die Stiftung die Erweiterung nach Tschechien angeregt hätte. Johannes Jußen hat mir allerdings vor kurzem geschrieben, dass die Stiftung das nie in Aussicht gestellt hätte und die Schuld für die jetzige Lage allein bei GFPS zu suchen sei, wo man über Jahre hinweg angesichts des absehbaren Endes der Förderung geschlafen habe. Fest steht aber jedenfalls, daß auch der jetzige GFPS-Vorstand noch bei seiner Sitzung im Juni 1999 fest damit gerechnet hat, daß GFPS auch in künftigen Jahren Stipendienanträge bei der Bosch Stiftung einreichen werde.

Doch auch wenn vor einem Jahr tatsächlich klar war, daß die Aufnahme von Tschechien als neues Partnerland am Ende der Förderung durch die Stiftung nichts ändern werde, macht das die Sache nicht besser. Denn in diesem Fall stellt sich die Tschechien-Erweiterung so dar, dass man ausgerechnet in einem Moment, wo man wusste, dass man in absehbarer Zeit sehr viel weniger Geld zur Verfügung haben würde, eine Entscheidung getroffen hat, die darauf hinaus lief, dass man in Zukunft sehr viel mehr Geld braucht. Eine solche Entscheidung kann dann nur als ausgesprochen unvernünftig bezeichnet werden.

Immerhin hat der Vorstand danach beschlossen, die Zahl der Stipendien für Tschechen auf drei zu begrenzen, damit die Erweiterung auf Tschechien nicht zu Ungunsten der Polen stattfindet, wie das den Polen versprochen worden war. Dies kann man vielleicht als ein gewisses Gegensteuern ansehen, zumal es eigentlich zur Erreichung des genannten Ziels logischer gewesen wäre, eine Mindestzahl für polnische Stipendien festzulegen, und nicht eine Höchstzahl für tschechische. Doch andererseits hat der Vorstand bei einer kürzlichen Prognose für das kommende Wintersemester trotzdem mit einer Zahl von 4 bzw. 6 Stipendien für Tschechen kalkuliert.

Die unmittelbare Reaktion auf die Streichung der Stipendiengelder durch die Bosch Stiftung war ein Appell an die Mitglieder, sie sollten Überlegungen anstellen, wie GFPS in Zukunft neue Finanzierungsquellen erschließen könne. Ich wünsche diesen Bemühungen allen Erfolg, muß aber zugeben, dass mir dazu nicht viel einfällt und dass auch mein Antrieb, mich hier zu engagieren, begrenzt ist. Und das geht ja offensichtlich nicht nur mir so. Wahrscheinlich könnten wir genauso viel Geld wie früher bekommen, wenn alle Mitglieder Tag und Nacht auf Werbetour wären. Aber ich habe den Eindruck, dass der Verein hier überfordert ist, dass das studentische Engagement zwar ausreicht, um Stipendiaten in der bisherigen Zahl betreuen zu können, dass es aber nicht ausreicht, um ständig um die Finanzierung jedes einzelnen Stipendiums zu kämpfen.

An dieser Stelle erhebt sich nun auch wieder das Problem der Arbeitsbelastung im Gefolge der Tschechienerweiterung. Auf meine diesbezügliche Frage bei der letzten Mitgliederversammlung hat Oliver für den damaligen Vorstand offen geantwortet, dass die Zusammenarbeit mit künftig zwei Partnerländern den Vorstand bis an die Grenze des Möglichen belasten werde. Inzwischen ist nach der Streichung der Stipendiengelder durch die Bosch Stiftung auch noch die erhebliche Mehrarbeit für die künftige Finanzierung der Zusammenarbeit hinzugekommen. Wer sich als GFPS-Mitglied in Zukunft überlegt, ob er für den Vorstand kandidieren soll, muß sich auf die Perspektive einrichten, dass er im Vergleich zu seinen Vorgängern doppelt so viel Arbeit haben wird, aber halb so viel Geld.

Eine Erleichterung scheint hier die vorgeschlagene und in vielen Kreisen offensichtlich favorisierte Einberufung eines Finanzbeirats zu bieten. Ich hatte ja schon im letzten Jahr im Hinblick auf die Erweiterung den Gedanken ins Spiel gebracht, zusätzliche Vorstandsmitglieder zu berufen. Auf diesen Vorschlag ist man damals nicht eingegangen, aber die Einführung des Finanzbeirats ist nun im Grunde nichts anderes als eine Vorstandserweiterung durch die Hintertür. Denn hier soll eine Aufgabe, die bisher der Vorstand wahrgenommen hat, auf eine eigens gegründete Kommission übertragen werden. Und zwar nicht irgendeine Aufgabe, sondern mit dem Fundraising die bei weitem aufreibendste und frustrierendste, die GFPS im Augenblick zu vergeben hat. Es wird sicherlich keine Mühe machen, bei der Mitgliederversammlung eine Mehrheit für die Einrichtung eines Finanzbeirats zu gewinnen, wenn die Mitglieder darauf hoffen können, dass sie dann in Zukunft von lästigen Appellen zur Geldbeschaffung verschont bleiben, weil es ja dafür nun den Finanzbeirat gibt. Nur muß sich dann erst einmal jemand finden, der bereit ist, die Arbeit im Finanzbeirat auf sich zu nehmen! Künftig müßten dann bei Mitgliederversammlungen nicht mehr Kandidaten für fünf, sondern für acht Posten gefunden werden. Und wenn diese acht Posten sich auf zwei Gremien verteilen, von denen eines das Geld beschafft und das andere es ausgibt, kann man sich leicht ausrechnen, für welches Gremium sich noch am ehesten Kandidaten finden lassen werden. Wenn es denn tatsächlich auf Dauer bei dieser Aufgabenverteilung bleibt! Denn solange der Finanzbeirat kein Geld auftreibt, sitzt der Vorstand auf dem Trockenen. Das kann er dann sogar bequem finden, aber auch der Finanzbeirat kann sich seinerseits überlegen, für welche Zwecke er sich vielleicht besonders intensiv um Gelder bemüht, ob z.B. für Stipendien für Polen oder eher für Tschechen. Nach dem Konzept von Gesine und Lutz Viktor soll er ja der Mitgliederversammlung verantwortlich sein, d.h. der Vorstand könnte ihm keine Weisungen geben.

Wenn man also den gestiegenen Anforderungen mit einer Aufstockung des Personals begegnen will, dann würde ich weiterhin eher vorschlagen, den Vorstand um einige Personen zu erweitern. Dann bleiben alle Arbeitsbereiche integriert, für das Fundraising fühlen sich alle verantwortlich und ein Gremium verursacht mutmaßlich auch weniger Kosten als zwei.

Aber auch dann hätten wir wieder das Problem, Kandidaten für einen Vorstand mit sieben oder acht Mitgliedern finden zu müssen. Und selbst wenn das vielleicht erst einmal gelingt, glaube ich nicht, dass diese so viel Geld auftreiben werden, um genügend Stipendien für zwei Partnervereine zur Verfügung zu stellen. Wenn zudem die Gelder in Zukunft hauptsächlich von Sponsoren kommen sollen, müssen wir uns darauf einrichten, dass sie sehr unregelmäßig fließen und dass es dann schwer wird, eine kontinuierliche Vereinsarbeit durchzuhalten, erst recht auf der Ebene der Stadtgruppen. Und dies gilt noch mehr für unsere Partnervereine, wo das Engagement ebenfalls davon abhängig ist, wie viele Stipendien man zu erwarten hat. Kurz: Ich sehe nicht ab, dass die erweiterte Vereinstätigkeit und die geschrumpften Finanzen zum Ausgleich gebracht werden können.

In dieser Lage sehe ich nur eine Möglichkeit, wie wir uns zumindest wieder Luft verschaffen können, und diese Maßnahme halte ich jetzt für geboten: In einer Situation, in der nicht absehbar ist, dass wir für die erweiterte Vereinstätigkeit genügend Geld bekommen, haben wir es immer noch selbst in der Hand, zunächst einmal unseren Bedarf an Geld zu verringern. Deshalb ist mein Vorschlag, die Partnerschaft mit Tschechien wieder zu beenden. Die Entscheidung dafür war schon im letzten Jahr äußerst fragwürdig und ist nun durch die Entwicklung des abgelaufenen Jahres zu einer Belastung geworden, die GFPS nicht tragen kann. Wir sollten nicht zwei Partnervereine haben, wenn unser Geld noch nicht einmal ausreicht, um auch nur einen zu befriedigen. Und nicht nur unser Geld, sondern auch unsere Arbeitsbereitschaft! Das Reservoir an Engagement bei GFPS ist nämlich keineswegs so unerschöpflich, wie manche schwungvollen Appelle der letzten Zeit vermuten lassen könnten, und kann schnell noch weiter sinken, wenn es überfordert wird. Wenn wir unsere Kräfte überspannen, können wir leicht an einen Punkt kommen, wo gar nichts mehr geht. Und das wäre wirklich schade."