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COUCH MIT MEERESBLICK
DAS MEER ALS METAPHER FÜR WEITE UND ENTSPANNTES SICH-TREIBEN-LASSEN. IN DER PSYCHOLOGIE SPIELT ES NOCH IMMER EINE WICHTIGE ROLLE
Von Klaus Wilhelm
„Der Ozean mit seinen rhythmischen Wogen zieht den Blick des Menschen wie magisch an. Die sich stets wandelnden Formen der Wellen entspannen und fördern die Fantasie. Kein Wunder, das Bilder des Meeres in der Psychologie beliebt sind - vor allem in der Hypnotherapie zur Stressbekämpfung...“ Schickt der Psychotherapeut seine Patienten auf Gedankenreisen, so spricht er gern vom Wasser, dem Glitzern, dem Geruch, dem Blau. Er redet von Entspannung am Meer, von Weite: Alles öffnet sich, man kann tief durchatmen ... Doch nicht jeden Menschen locken solche Meeresfantasien ins Nirwana. Auf manche wirkt der Gedanke an Endlosigkeit und Tiefe der Ozeane abschreckend. Der „Meerestyp“ hingegen lässt sich leichter gehen und treiben, gibt sich bereitwillig seinem Unterbewussten hin, das bei Tagträumen am Meer sehr leicht ins Bewusstsein dringt. In Träumen tauchten Szenen mit Meeresinhalten seit jeher auf. Was sie zu bedeuten haben, damit befassten sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Überväter der Psychologie, Sigmund Freud und Carl Gustav Jung. C.G. Jung beschrieb das Meer als den „Mutterschoß der Natur“. Er proklamierte Parallelen zwischen dem Unterbewußten des Menschen und den Ozeanwellen. Sigmund Freuds Sache war der symbolische Wert von Wasser und Wellen nicht. Er stellte sich Träume vom Meer als Fantasien über das vorgeburtliche Leben im Fruchtwasser vor, oder er verglich eine Rettung aus dem Wasser mit der Geburt. Und dann liefert das Meer seelischen Balsam. Menschen, die auf winterlichen Lichtmangel mit anhaltenden depressiven Verstimmungen reagieren, sollten ihren Urlaub in die kalte Jahreszeit verlegen und in Regionen am Äquator oder auf der Südhalbkugel ans Meer fahren. Dort gibt es täglich bis zu 70 Prozent mehr Sonnenlicht. Die Sonnenstrahlen werden vom Wasser reflektiert. Damit wirkt das Meer wie ein Spiegel - ein Spiegel für die Seele.
Quelle: Zeitschirf Mare,Textzusammenfassung: wbo Klaus Wilhelm lebt als freier Wissenschaftsjournalist in Berlin. In mare No. 17 beschrieb er die Überlebenstechniken des Altantiküberquerers Hannes Lindemann. |
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