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Heilquelle Meer Neues Leben aus dem Toten Meer
„Es knistert leise, wenn der Wind vom Gebirge durch die trockenen Palmzweige weht. Dann straffen sich die drei Flaggen über dem kleinen Fort am Toten Meer: die mit dem Stern des David, die mit dem Wappen des Kibutz En Gedi und die mit dem weißen Kreuz auf rotem Grund, die Fahne Dänemarks...“
Nur am Totem Meer haben Sonne und Wasser einen so wundersamen Effekt auf die Psoriasis - die Schuppenflechte.“, sagt Carl. Er betreut hier 15 Kinder zwischen 7 und 16 Jahren, die zur Kur hierher gekommen sind, um sich von der Hautkrankheit zumindest zeitweilig zu kurieren. Das Tote Meer liegt wie eine Schüssel Götterspeise in einer unnatürlichen Farbe in seinem 400 Meter tiefen Graben. Seit die Kontinentalverschiebung das Tote vom Mittelmeer trennte, sorgt die Verdampfung des Wassers für stetig steigenden Salzgehalt. Heute sind es 28,5 Prozent - etwa acht Mal so hoch wie im Atlantik. Das Meer ist der tiefste Punkt auf der Erde und liegt 396 Meter unter dem Meeresspiegel.
Aus aller Welt kommen sie hierher, um Haut, Knochen, Gelenke und die Seele zu heilen. Mehrere Touristen-Orte wetteifern um ihre Gäste. In En Boqeq hat sich allein in den letzten vier Jahren die Zimmerkapazität auf 3200 verdreifacht. Die Hotelstadt hat das Image des Toten Meeres verändert. „Wellness“ und „Beauty“ sind die Schlagworte der Zeit. „Wir wissen, dass es funktioniert. Aber wir wissen nicht, wie es funktioniert“, sagt Professor Sukenik und runzelt die Stirn. Drei logische Faktoren kann er anführen, um die Wirkung des toten Meeres zu beschreiben: In der niedrigen Region herrschen höchster barometrischer Druck und geringe Feuchtigkeit, ideale Bedingungen für Arthritis-Patienten. Die pollenarme Luft hilft zudem den Asthmakranken. Die Sonne knallt mit aller Kraft vom Himmel, verbrennt aber die Haut nicht, weil die schädlichen ultravioletten Strahlen von der Luft gefiltert werden. Die Schwerelosigkeit, das Salz und der Schwefel wiederum fördern die Bewegungsfähigkeit der Gelenke. Der Körper produziert mehr Adrenalin, Endorphine und Cortison - Glücksstoffe und Schmerzmittel.
Vor der Anlage des Mövenpick Resort & Spa verblasst die israelische Hotelstadt En Boqeq. Hier an der jordanischen Küste des Toten Meeres entsteht eine neue Erholungsanlage für Touristen. Eine komplette Altstadt wird gebaut, dazu ein römisches Amphitheater, Pariser Brünnchen und andalusische Holzbalustraden. Rundherum wimmelt es von Kränen. Man rüstet sich fürs Big Business. Einige Meilen oberhalb von En Boqeq wird in den Raffinerien der israelischen „Dead Sea Works“ Salz aus dem Meer verarbeitet. Neben Magnesium, Brom, Kalium und 25 weiteren Mineralien produziert das Werk vor allem Düngemittel. Jetzt haben die Experten offenbar ein neues Mineral entdeckt - Öl. Doch der Abbau ist umstritten. Das Tote Meer muss geschützt werden. Die Sedimente hoch in den Bergen zeigen, wo das Wasser einmal stand. Jedes Jahr sinkt der Pegel um weitere 85 Zentimeter. Der Jordan bringt heute eine Milliarde Kubikmeter weniger Zufluss pro Jahr als noch in den dreißiger Jahren, weil immer mehr Wasser des Oberlaufes zu Bewässerung eingesetzt wird. Die „Dead Sea Works“ entnehmen eine weitere halbe Milliarde Kubikmeter. „Die Werke müssten geschlossen werden.“, fordert Eli Raz, Tourismus-Berater der Regierung. „Sonst verlieren wir den Gesundheits-Tourismus“. Das sei immer noch die sanftere Form der Nutzung.
Quelle: Zeitschrift Mare, Textzusammenfassung: wbo, Helmut Kuhn, Jahrgang 1962, volontierte bei der deutsch-jüdischen Zeitung „Aufbau“ in New York, arbeitete dort als freier Autor und lebt nun in Berlin. |
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