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Tierische Therapeuten
Delfine sollen bei autistischen Kindern wahre Wunder bewirken.Dr. Flippers Erfolge sind jedoch zweifelhaft und teuer. Dabei gibt es preiswerte Alternativen: Pferde arbeiten seit langem treu und zuverlässig mit Behinderten
Text: MONIKA RÖSSIGER FOTOS: GIANLUIGI DI NAPOLI
„Für Richard und Cathy Conibear war die Begegnung mit wilden Delfinen eine ‘wundervolle Erfahrung’. Vor einem Jahr waren sie mit ihrem dreijährigen Sohn Alexander, der von Geburt an schwer behindert ist, von England nach Hawaii geflogen...“ Dass Schwimmen mit Delfinen bei behinderten Kindern oft zu positiver Resonanz führt, ist unbestritten. Ob der Delfin aber mehr als jedes andere Tier zum Co-Therapeuten prädestiniert ist, darüber streiten die Gelehrten. Wissenschaftlich bewiesen ist diese Sonderrolle bislang nicht. Auch Therapieformen mit Pferden, Hunden oder Katzen bewirken bei behinderten Kindern positive Ergebnisse. Die Erfahrungen bei der Arbeit mit Delfinen sind jedoch nicht nur positiver Natur. Wenn die Tiere in die Flegeljahre kommen, werden sie ungestüm, unberechenbar und neigen zu „sexueller Belästigung“. Der Delfin ist schließlich ein Wildtier, das unter natürlichen Bedingungen in großen Gruppen lebt und weite Strecken zurücklegt. Werden die Tiere in den kleinen Becken der Delfinarien gehalten, wo sie Konflikten nicht ausweichen können, steigt häufig die Aggressivität. Gefangenen Delfine betrachten den Menschen als Ersatz für ihresgleichen. Reagiert der nicht, wie vom Delfin erwartet, etwa auf sexuelle Annäherung, werden die Tiere frustriert und angriffslustig. Dennoch - das Geschäft mit der „Flipper-Therapie“ boomt. Walschützer kritisieren diese Entwicklung als Vorwand für den umstrittenen Bau neuer Delfinarien. Als Alternative ohne besondere Risiken, ohne Verletzung des Tier- und Artenschutzes und ohne Anreise ans Meer bewährt sich seit langem das heilpädagogische Reiten. Die Funktion der tierischen Therapeuten ist immer die Gleiche: Sie arbeiten als „Eisbrecher“ gegen mentale Barrieren. Mit ihren feinen Sensoren verstehen sie ausgezeichnet, die Körpersprache der Menschen zu lesen. Allerdings gibt es etwas, das Delfine von Haustieren unterscheidet: ihre Echo-Ortung - das sogenannte Sonar. Mit Hilfe von Ultraschallwellen erkunden die Tiere ihre Umgebung und orientieren sich anhand der so entstehenden „Hörbilder“. Wie der Ultraschall der Meeressäuger auf Menschen wirkt, ob er etwa physiologische Veränderungen im Blut hervorruft, wird derzeit von Dietmar Todt, Leiter des Instituts für Verhaltensbiologie an der Freien Universität Berlin, untersucht.
Quelle: Zeitschrift Mare, Textzusammenfassung: wbo Monika Rößiger ist mare-Wissenschaftsredakteurin. In Heft 18 schrieb sie über das Leben der Eisbären. Gianluigi di Napoli, geboren 1962, ist Fotograf und lebt in München und Mailand. Derzeit arbeitet er an einem Buch über einen Zirkus. |
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