G.Heiner Windelband:
Die Gesänge des Steuermanns

Foto: Norbert Schmutz

Wir beide verliebt
wie nur zwei Wellen
sich lieben,
nicht ahnend,
daß sie schon beim
nächsten Sturm auseinandergetrieben
und verschlägt es die Eine
in gischtschäumende, sonnige Weite,
die Andere taucht tief
in des Ozeans dunkle Seite

~~~

Komm ich will mit dir
den Ozean glätten
und Saturn die Monde klaun
und quitschvergnügt
von solchem Tun
möchte ich nur
in deine Augen schaun.
Komm ich will mit dir
die Sterne küssen
und die Mondin trinken
und berauscht von
soviel Universum
in deinen Armen versinken

~~~

Du Walin in fernem Ozean
hörst Du mich singen
verloren in der blauen Weite
des Nordmeers
das große Klingen
Ich Wal in zauberischen Tiefen
singe für Dich Walin
und ich werde singen
bis wir, wieder vereint, die Wellen
im wilden Rausch durchschwällen

Walin in fernem Ozean,
fühlst Du der Wellen Schwingung,
mein Herzschlag setzte sie in Gang,
schickte sie auf die Reise zu Dir.
Ich bat den Wind, mir zu helfen,
und er trieb sie an,
und höher schlagen sie,
wie stündlich mein stürmisches Blut.
Doch landen sie bei Dir
in Frisco Bay an ?
Spürst Du meinen heißen,
atlantischen Herzschlag
in der Kühle des Pazific ?
Macht er dich nicht sehnen
nach unseren wilden Ritten
auf dem Lava sprühenden
unterseeischen Vulkan ?
Doch wenn Du nicht merkst
die rhythmischen Schauer
auf Deiner Haut,
soll ich denn
den ganzen geliebten Atlantik
mit gewaltigem Sprung
in die Luft,
aufklatschend
überschwappen lassen,
das er sich gänzlich
dem Pazific ergießt
und alles im Weg mitreißend,
Dir das ganze Meer
mein Herz vor Deine Schwingen spühlt?

~~~

Soll ich denn wirklich untergehen
mit meinem havariertem Schiff
im unbändigen Sturmrequiem?
Das Hecklicht längst erloschen,
zur Spurlosigkeit verdammt
in atlantischer Landschaft
voller Toben.
Ich reiß am Ruder,
und bring mein Schiff
nochmal auf Kurs,
gerupfter Schwan
im Sinus der Wellen.
Horch
des Requiems Finale hebt an,
und ich kann nur
vor Topp und Takel lenzen.
Wird am Ende des gewaltigen Opus
ein leiser Passat
meinen Epitaph singen ?

~~~

Von weit her
kam ich
hier in des Pazific `s Kühle
wohin noch kein Wal
aus atlantischen Weiten
seine Walin schäumend suchte.
Viele Monde zog ich
durch der Wellen
rastloses Schlagen.
Die tosenden Wasser
um Kap Horn
schlugen viele Wunden
die der stille Ozean
nur wenig kühlte.
Das Leuchten Deiner Augen
trieb mich immer wieder an
wieder mit dir tauchen
auf den Grund der Bay
doch endlich hier nun -
verlor ich Deiner Schwingen Spur
wo - wo bist Du nur ?

G.Heiner Windelband

Klangkunst
und
Poesie