Galapagos

Man staunt über die schöpferische Kraft, die auf diese kleinen, nackten und felsigen Inseln  eingewirkt hat. Und noch größer ist das Erstaunen über deren unterschiedliche und doch analoge Auswirkungen. Die Galapagos-lnseln kann man als einen Satelliten von Amerika betrachten. Besser wäre es jedoch, von einer Gruppe von Satelliten zu sprechen. Sie sehen sich geographisch ähnlich, sind organisch verschieden und dennoch alle miteinander eng verbunden. Alle stehen auf eine allerdings weniger deutliche Weise mit dem amerikanischen Kontinent in Verbindung." So schrieb Charles Darwin in seinem „Bericht eines Naturforschers über seine Reise um die Welt". Durch dieses Werk wurden die Galapagos Inseln erst berühmt. Die weitab gelegene Inselgruppe bietet dem Besucher die Gelegenheit, als einziges die Schreie der Meeresvögel, das Zischen der Schildkröten und das Säuseln des Windes zu hören. Vielleicht stammt daher der erste Name dieser Inselgruppe, Islas Encantadas („Verzauberte Inseln"). Der Zauber existiert tatsächlich, etwa wenn man inmitter verwitterter Laven große Korallenblöcke findet, die durch eine Eruption des Vulkans Alcedo 1953 vom Meer in der Bucht von Urvina (Isola lsabela) aufs Festland transportiert wurden und die heute von Gräsern und Bäumer anstatt von Schwämmen, Würmern und Seescheiden besiedelt werden.

Auch unter  Wasser wird deutlich, daß die Galapagos-lnseln eine Art Drehscheibe zwischen Festland und Meer darstellen. Hier vermischen sich gemäßigte subtropische und tropische Gewässer und schaffen ein einzigartiges Szenario. Seelöwen tummeln sich im Schalter von Hammerhaien, und Pinguine schwimmen mitten zwischen den Korallen. Alles hängt von den sieben Meeresströmungen ab - einer magischen Zahl - die sich an dieser Stelle treffen, von denen vier deutliche Auswirkunger auf die Inseln haben. Von Osten kommender Perustrom und der Humboldtstrom. Sie sind beide verhältnismäßig kalt aber nährstoffreich und vereinigen sich zum Südäquatorialstrom. Von Westen kommt der Cromwellstrom, eine Tiefenströmung, die die Küsten des Archipels abkühlt. Vom Golf von Panama stammt der gleichnamige Strom, der Wärme aber wenig Nährstoffe transportiert. Er begünstigt die Entwicklung der Korallen. Diese Meeresströmungen beeinflussen zunächst das Klima der Inselgruppe und bewirken einen Wechsel von Regen- undTrockenzeiten. Für die Trockenzeiten sind Dauernebel (Garuas) typisch. Die Meeresströmungen transportierten auch Lebensformen heran, die sich an den Küsten der Galapagos-lnseln angesiedelt haben. Der größte Teil der riffbildenden Korallen ähnelt jenen, die die weit entfernten Barriereriffe des Indopazifiks aufbauen. Andere Tiergruppen, etwa die Stachelhäuter; die Weichtiere und die Krebse, zeigen hingegen Affinitäten zu den benachbarten Küstengebieten des amerikanischen Kontinents.

Die isolierte Lage des Archipels hatte auch unter Wasser seine Auswirkung. Der Kampf ums Überleben, der Darwin hier so richtig klar wurde, führte zur Evolution von ungefähr fünfzig Fischarten, die ausschließlich in diesen Gewässem leben. Ähnliches gilt für die Seeanemonen, die Algen und die Weichtiere. Die Lebensräume im Wasser sind nicht minder vielfältig als die auf dem Festland, und die Darwin-Finken, Schildkröten und Meerechsen haben ihre Entsprechungen auch im Wasser. Wer in den ziemlich kühlen Gewässern von Galapagos taucht, kann Korallengärten beobachten, algenbewachsene Lavaströme mit Meerechsen und steinige Böden, in denen sich Korallenstücke mit Gesteinsschutt mischt und wo man große Skorpions- und Fledermausfische aus nächster Nähe beobachten kann, weil sie keine Räuber fürchten. Die Galapagos-lnseln haben sich ohne den Menschen entwickelt, doch ihr Überleben hängt heute vom Menschen ab. Wir dürfen uns ihnen nur nähern, wenn wir in der Natur keine Schäden anrichten.