Papua-Neuguinea

Für den Biologen ist die Insel Papua-Neuguinea eine Art Füllhorn, die eine unübersehbare Vielfalt an Naturschönheiten bereit hält. Von den über 4200 Fischarten, die im tropischen Gebiet von der Küste Ostafrikas bis zur Küste Amerikas leben, kommen mindestens 2500 in den Gewässern dieser riesigen Insel vor: Hier gibt es noch tätigeVulkane, Regenwälder und Bergwälder, ewigen Schnee, schäumende Flüsse, Schlickküsten und Korallengärten, die zu den schönsten der ganzen Erde zählen. Die ungeheure biologische Vielfalt steht auch im Zusammenhang mit der geologischen Geschichte dieses Gebietes. Es gehört zur indisch-australischen Platte und driftete mit dieser nordwärts. Bei dieser Kontinentalverschiebung entstanden Inseln, wo zuerst nur Meer gewesen war.

Durch die Kollision der Platten wurden ungeheure Gesteinsmassen aufgefaltet und durch vulkanische Tätigkeit zusammengeschweißt. So entstand die der Fläche nach zweitgrößte Insel der Erde. Im Lauf der Eiszeiten kam es zu Schwankungen des Meeresspiegels, so daß die Insel Neuguinea immer wieder in Kontakt mit anderen Inseln und dem Festland Australien gelangte. Durch den Wechsel von Isolation und Verbindung konnten viele neue Arten entstehen. In dieser Zeit blieben die Temperaturen ziemlich konstant, was die Ansiedlung von Korallen begünstigte.

Dies geschah vor allem seit dem Eozän, als sich die riffbildenden Korallen stark ausbreiteten. Das Festland Neuguineas ist gebirgig und bewaldet. Durch die häufigen Regenfälle transportieren Flüsse und Bäche viel organisches Material ins Meer und trüben die Küstengewässer. Dies verhindert das Wachstum von Küstenriffen, so daß trotz der günstigen geographischen Lage nur ein Fünftel der Küsten von Saumriffen, Atollen und isolierten Koralleninseln umgeben sind. Zwischen ihnen liegen weite Bereiche aus Sand und Schlick, auf denen Seegras wächst. Steinkorallen können hier wegen des verhältnismäßig trüben Wassers nur bis in Tiefen von 25 m leben. Reicher ist die Südostküste, wo die Gezeiten in derArafurasee und in der Koraltensee, die beide durch dieTorres-Straße miteinander verbunden sind, für heftige Strömungen sorgen. Hier wachsen bis zur Wasseroberfläche Barriereriffe und verwandeln die Küsten in der Nähe der Torres-Straße in Labyrinthe, in der selbst die Örtlichen Fischer Mühe haben, sich zurechtzufinden. Die Situation ändert sich schlagartig weiter im Osten. Die Meeresströmungen verteilen die Nährstoffe der Küstensedimente, auf die das Plankton angewiesen ist, im Gebiet der Bismarck-lnseln und der Salomonen. So kommt es zu einem kräftigenwachstum des Planktons, und davon profitieren alle Meereslebewesen. Die Steinkorallen wachsen üppig, die Gorgonien entwickeln unglaubliche Fächer, Lederkorallen und Schwämme wetteifern miteinander um die ausgefallensten Farben und Formen. Die Zahl der Fische vervielfacht sich, angefangen vonwinzigen Grundein über die Falter- und Papageienfische bis zu den riesigen Mantas und den Walhaien. Ein einziger Schwarm von Barrakudas oder Stachelmakrelen kann hier Hunderte von Individuen umfassen.