Geheimniskrämerei
Sydneys Büro
Das Centre
Blue Cove, Delaware
"Guten Morgen, Jungs. Was gibt's?"
"Guten Morgen, Miss Parker. Hier ist ein Päckchen für Sie",
erwiderte Sydney.
"Wir glauben, daß es von Jarod kommt", fügte Broots hinzu.
Miss Parker hob die Brauen und lächelte innerlich.
"Ach, und was ist drin?"
Sydney gab sich gespielt entrüstet.
"Miss Parker, das Paket ist für Sie. Wir haben es natürlich nicht geöffnet."
"Dann sind Ihnen offenbar ein paar entscheidende Prozeduren des Centres
entgangen."
Sie ging zum Schreibtisch, betrachtete das Päckchen ein paar Sekunden lang und
nahm es dann in die Hand.
"Dann wollen wir mal sehen, was Ihr Wunderkind sich diesmal hat einfallen
lassen", meinte sie, während sie das Paket öffnete. Unter dem
Verpackungsmaterial kam eine einfache Schachtel zum Vorschein. Vorsichtig hob
sie den Deckel. Ihr Blick fiel zuerst auf eine Karte, auf der ihr Name stand.
Darunter befand sich eine dicke Schicht Füllmaterial. Vorsichtig griff sie
hinein, bis sich ihre Finger um einen glatten Gegenstand schlossen, den sie
langsam herauszog.
"Oh. Es ist eine Schneekugel", sagte Broots, der ihr über die
Schulter schaute.
"Gut erkannt, Schlaumeier", antwortete Miss Parker, allerdings ohne
jede Schärfe. Der Anblick, der sich ihr bot, faszinierte sie viel zu sehr. Die
Landschaft in der Kugel war ihr vertraut, und sie konnte kaum glauben, was sie
dort sah. Die Kugel enthielt eine Miniatur von Ben Millers Haus, einschließlich
aller Details. Behutsam schüttelte sie die Kugel und sah dabei zu, wie winzige
Schneeflocken durch das Wasser tanzten.
Miss Parker hielt den Atem an. Sie fragte sich, wann Jarod die Zeit gehabt
hatte, dieses Kunstwerk herzustellen. Ihr Gespräch über Ben konnte doch höchstens
ein paar Tage her sein... Das Klingeln ihres Handys unterbrach ihre Überlegungen.
"Ja?" fragte sie.
"Hast du es schon geöffnet?" wollte Jarod wissen.
"Gerade eben", antwortete sie und bemühte sich dabei, jegliche Wärme
und Zuneigung aus ihrer Stimme zu verbannen. Trotz ihrer jahrelangen Übung
darin fiel ihr das zunehmend schwerer.
"Ich hoffe, es gefällt dir", meinte Jarod voller Wärme. "Hast
du die Karte schon gelesen?"
"Dafür hatte ich bisher noch keine Zeit", erwiderte sie und griff
nach der Karte. Mit einer Hand klappte sie sie auf und begann zu lesen.
Die Vergangenheit hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Aber wir machen die
Zukunft zu dem, was sie einmal sein wird. Erinnerst du dich?
Miss Parker starrte auf Jarods Worte.
"Du hast das ernst gemeint", sagte sie dann langsam.
"Natürlich habe ich das. Ich liebe dich." Er zögerte kurz, bevor er
weiter sprach. "Sag meinen Namen", bat er sie dann.
"Wie bitte?"
"Komm schon. Ich möchte hören, wie du meinen Namen sagst. Ich weiß, daß
du nicht allein bist, also muß ich mich wohl damit begnügen. Fürs
erste."
"Du bist verrückt, Jarod."
"Danke. Bis heute Abend."
"Darauf kannst du dich verlassen."
Sie schüttelte den Kopf, dann sah sie Sydney an.
"Was wollte er?", erkundigte sich Sydney.
"Das Übliche. Mir auf die Nerven gehen."
...
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