(cit.Lex.: de.wikipedia.org) Weltwirtschaftskrise aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Als Weltwirtschaftskrise bezeichnet man den deflationären Zusammenbruch der kapitalistischen Wirtschaft in allen wichtigen Industrienationen Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre. Der gleichzeitige Zusammenbruch wurde gefördert durch die gewachsene Verzahnung der Einzelwirtschaften und Finanzströme (Globalisierung). Die Weltwirtschaftskrise beendete die Goldenen 20er. Ein zuerst nur leichter Rückgang des Wachstums der weltweit führenden Wirtschaft in den USA ließ den spekulativ überbewerteten Aktienmarkt der USA im Oktober 1929 (Schwarzer Donnerstag) zusammenbrechen. Dies erzwang eine Umkehr der Finanzströme. Gelder, die in den Jahren davor in andere Volkswirtschaften investiert worden waren, wurden überstürzt abgezogen. In Europa (aber auch in anderen Staaten der Welt) löste der Entzug der Gelder den Zusammenbruch der ohnehin schon schwachen Wirtschaften aus. In der Kette der Ereignisse kam es unter anderem zu Massenarbeitslosigkeit und einem massiven Rückgang des Welthandels. In den einzelnen Staaten wurde unterschiedlich auf die Herausforderung reagiert: Ausgehend von den skandinavischen Ländern (insbesondere Schweden) begannen die funktionierenden Demokratien mit dem Übergang zum Wohlfahrtsstaat mit Eingriffen in das Wirken der Marktgesetze (z. B. New Deal des US- Präsidenten Franklin D. Roosevelt) und wachstumsfördernden öffentlichen Investitionen, finanziert durch vermehrte Schuldenaufnahme. Andere Staaten wie das Deutsche Reich wollten durch Stärkung ihrer Währungen einhergehend mit rapidem Sozial- und Demokratieabbau aus der Krise kommen. Dies trug zu einer Radikalisierung der Politik bei, die den Aufstieg des Nationalsozialismus begünstigte. Siehe auch: Börsenkrach Inhaltsverzeichnis [AnzeigenVerbergen] 1 Ursachen der Weltwirtschaftskrise 2 Produktion 3 Arbeitsmarktsituation 4 Bankenkrise 5 Außenhandel 6 Maßnahmen zur Überwindung der Krise und deren Auswirkungen 7 Besonderheiten der Weltwirtschaftskrise 8 Begriffserklärungen 9 Literatur Ursachen der Weltwirtschaftskrise Die Weltwirtschaftskrise kann auf mehrere Ursachen zurückgeführt werden. Die Krise ging aus von einem weltweiten Preisverfall auf den Agrar- und Rohstoffmärkten, Im Ersten Weltkrieg hatten die USA, Südamerika und auch einige Kolonien ihre Produktion stark gesteigert, um die gewachsene Nachfrage der europäischen Staaten, die als Produzenten kriegsbedingt weitgehend ausfielen, zu befriedigen. Als Europa seine Produktion wieder aufnahm, kam es zu einem Überangebot, auf das die Märkte mit fallenden Preisen reagiert. Der große Krach an der New Yorker Börse vom Oktober 1929 hatte eine ähnliche Wirkung: Die Börse hatte in den Monaten zuvor eine nie zuvor erlebte Hausse gesehen, weshalb viele Bürger kurzfristige Kredite aufgenommen hatten, um am Boom teilzuhaben. Als die Kurse dann zu fallen begannen, konnten sie ihre Kredite nicht mehr halten und mussten verkaufen, was die Kurse weiter drückte. Das Ergebnis war ein mehrtägiger Kurssturz von bis zu 90%. Der 24. Oktober 1929 wird deswegen auch als Schwarzer Donnerstag bezeichnet und gilt als Anfang der Weltwirtschaftskrise. Durch den extremen Kursverfall wurden Milliarden Dollar, von denen die Amerikaner geglaubt hatten, sie besäßen sie (in Wirklichkeit war das nur Spekulationsgeld) auf einen Schlag quasi vernichtet. Dies führte zu einem deutlichen Rückgang der Investitionen, zu sinkendem Konsum und zu sinkenden Preisen, mit einem Wort: zu Deflation. Betrachtet man die Entwicklung der deutschen Aktienkurse genauer, so erkennt man, dass, nach einem relativ steten Anstieg der Börsenkurse vom Dezember 1925 bis zum April 1927 sich bereits ein Abwärtstrend entwickelte (1931/1932 wurden die Börsenkurse in Berlin zeitweise ausgesetzt). Diese Abwärtsentwicklung begründet sich auf einen Rückgang von staatlichen und privaten Investitionen besonders in den Jahren 1927/1928. Deswegen kann die amerikanische Börsenkrise nicht als Auslöser für die Wirtschaftskrise in Deutschland gesehen werden, denn sie beschleunigte die Entwicklung nur. In Deutschland spielten vielmehr die folgenden Gründe eine tragende Rolle: In der Hyperinflation von 1923, als Kapital fast zum Nulltarif zu haben gewesen war, hatten die deutschen Unternehmen stark investiert. Dem stand aber keine entsprechende Nachfrage gegenüber, so dass nun große Überkapazitäten entstanden. So betrug die Auslastung der industriellen Produktionskapazität 1929 ungefähr 73% und fiel in den nächsten drei Jahren kontinuierlich auf ca. 45%. Die optimale Auslastung liegt aber bei 90%. Die verringerte Nettoinvestition erzeugte zusammen mit der niedrigen Ausnutzung der Kapazitäten eine drastische Einkommensreduzierung, wodurch natürlich die Nachfrage nach Ge- und Verbrauchsgütern stark schrumpfte. Zusätzlich zog das Ausland seit 1929 in mehreren Wellen Kapital ab und so verringerten sich die inländische Geldmenge und damit auch die finanzielle Absicherung Deutschlands. Da es sich um eine weltweit auftretende Krise handelte, war es nicht möglich, durch den Export überschüssiger Waren einen Ausgleich zur rückläufigen inländischen Nachfrage zu schaffen, wie Reichskanzler Heinrich Brüning es eigentlich vorgehabt hatte: Durch Lohnsenkungen und Verbilligung der Lohnstückkosten wollte er den deutschen Export erhöhen, damit die Krise überwinden und den Reparationsgläubigern gleichzeitig beweisen, dass Deutschland Reparationen nur auf diesem – für die Empfängerländer sehr unangenehmen Wege – zahlen könne. Dieser Plan ging indes nicht auf, denn Zollerhöhungen und Handelsbeschränkungen zum Schutz der heimischen Wirtschaft standen überall auf der Tagesordnung, so dass auch die deutsche Wirtschaft (trotz eines gewissen Exportüberschusses) nicht genügend Waren im Ausland absetzen konnten, um die Überkapazitäten in der Produktion abzubauen. Brüning hielt dennoch an seiner Deflationspolitik mit, die aber die Krise deutlich verschlimmerte. Die oft gehörte These, er habe diese Politik absichtlich betrieben, um Deutschland von seinen Reparationsverpflichtungen zu befreien, wird neuerdings mit gewichtigen Gründen angezweifelt. (Zum Zusammenhang von Weltwirtschaftskrise, Deflationspolitik und dem Ende der Reparationen siehe Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg) Produktion Da die Börsenkurse nicht immer genau die wirtschaftliche Entwicklung wiedergeben oder sogar aus spekulativen Gründen der Anleger entgegengesetzte Trends zeigen, ist es wichtig, sich die Entwicklung der industriellen Produktion genauer anzusehen. Wenn man diese mit den Börsenkursen vergleicht, dann zeigt sich, dass die Börsenkurse in den USA trotz einer Stagnation in der wirtschaftlichen Entwicklung bis Mitte 1928 ganz deutlich anstiegen. In Deutschland dagegen war 1929 bereits ein Schrumpfen der Wirtschaft von 2% zu verzeichnen. Also war die Wirtschaftskrise auch in der Produktion nicht der Auslöser für den Abwärtstrend, da diese Entwicklung gleichfalls vorher eingesetzt hatte. Die Wirtschaftskrise hatte in Deutschland nicht nur früher begonnen als in den USA, sondern hatte auch nicht so starke Auswirkungen auf die Produktion gehabt. Bereits 1928 spitzte sich der Widerspruch zwischen der Ausdehnung der Produktionskapazität und der verringerten Nachfrage zu. Bis Mitte 1929 kann man nur von einer Stagnation der Produktion sprechen, die aber mit einer steigenden Arbeitslosigkeit einherging. Die Industrieproduktion halbiert sich bis 1932 und die Aktien verlieren sogar zwei Drittel ihres Wertes. Mitte 1931 wirkte sich der Zusammenbruch der Banken auf große Industriekonzerne aus, die durch die Schließung der Banken an Kreditaufnahme und Neuinvestitionen gehidnert wurden. Wenn man auch noch die Entwicklung anderer Industrieländer mit einbezieht, dann sieht man, dass es in jedem einen anderen Kursverlauf gibt, was darauf schließen lässt, dass zwar in allen ein Abwärtstrend erfolgt, aber Ausmaß, Anfangszeitpunkt und Ende der Krise sehr unterschiedlich waren. Diese Unterschiede haben mehrere Ursachen. Allein schon die Stärke des Gegensatzes zwischen übermäßigem Angebot und der verringerten Nachfrage in den einzelnen Ländern spielt hier eine Rolle, sondern ebenso inwieweit die inländische Produktion auf den Export ausgerichtet ist. In Ländern, in denen viele Arbeitskräfte in der Landwirtschaft arbeiteten und wenn diese auch nur wenig exportorientiert waren, dann wirkte sich die Krise weniger stark aus. In Deutschland betrug der Anteil der im primären Wirtschaftssektor Beschäftigen 30%. Zu Beginn der Krise erfolgte in der Agrarproduktion auch anfangs kein Abwärtstrend. Im Gegenteil, ab 1931 wurde die Produktion von Nahrungsmitteln sogar ausgeweitet, um einen Ausgleich zu den Einkommensverlusten, die durch Preisrückstände entstanden waren, zu schaffen. Arbeitsmarktsituation Die Weltwirtschaftskrise schien sich bis 1930 nicht von den ersten Nachkriegsjahren bis zur Ruhrbesetzung 1923, die durch eine starke Inflation gekennzeichnet waren , zu unterscheiden. Die Zahl der Arbeitslosen lag 1927 unter 5%; Ende September 1929 gab es 1,4 Mio. Arbeitslose, im Februar 1930 waren es aber bereits 3,5 Mio. Die Reichsregierung und die Reichsbank hofften auf eine Selbstheilung der Wirtschaft, obwohl die Arbeitslosenzahl schon Ende 1930 mit 5 Mio. Arbeitslosen im weltweiten Vergleich auf höchstem Niveau stand. Erst als sich der geringe Rückgang Mitte 1931 nicht fortsetzte, wurde man sich der extremen Entwicklung der Krise vollends bewusst. Zu dieser Zeit lief Brünings Sparprogramm bereits auf vollen Touren. Die öffentlichen Gehälter wurden um 25% vermindert und die Arbeitslosen- und Sozialhilfe wurden brutal gekürzt. Im Februar 1932 erreichte die Krise auf dem Arbeitsmarkt ihren Höhepunkt: Es standen 6.120.000, also 16,3%, Arbeitslose nur 12 Mio. Beschäftigten gegenüber. Zu den Arbeitslosen könnte man auch noch die große Masse der schlecht bezahlten Kurzarbeiter und Angestellten zählen, aber auch die kurz vor dem Ruin stehenden Kleinunternehmer. Bankenkrise Die deutsche Bankenkrise kennzeichnete den zweiten Teil der Wirtschaftskrise und hatte zwei Ursachen. Durch die Konkurrenz der großen Banken und aufgrund spekulativer Wertpapier- und Warengeschäfte haben die Banken 1925 wieder das Geschäftsvolumen von 1914 erlangt. Sie waren auf Expansion ausgerichtet, obwohl sie das nicht durch Eigenkapital und liquide Mittel absichern konnten. Hätten die Banken ihr Eigenkapital mit geringeren Dividendenzahlungen aufgestockt und wären weitere Aktien herausgegeben worden, wäre die Differenz beider Größen zu der Summe der Kreditoren bei weitem nicht so groß geworden. Was sich ebenfalls erheblich auf die deutschen Banken auswirkte, war die Instabilität des internationalen Kreditmarktes. Als wichtigstes Kennzeichen hierfür muss man den einseitigen Geld- und Kapitalstrom nennen. Von 1925 bis 1929 sind ausländische Kredite von insgesamt 21 Mrd. RM nach Deutschland geflossen. Es gab in diesem Zeitraum aber nur 7,7 Mrd. RM deutsche Anlagen im Ausland. Außerdem hätten niemals so viele kurzfristige Kredite von Deutschland angenommen werden dürfen, da diese binnen drei Monaten zurückgezahlt werden mussten. Bis 1929 wurden sie aber regelmäßig verlängert; ja die Banken liehen diese kurzfristigen Kredite mitunter mit langen Laufzeiten aus. Somit war die Situation der Banken bereits vor der Weltwirtschaftskrise kritisch: Sollten die ausländischen Gläubiger ihr Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Banken verlieren und die kurzfristigen Kredite einmal nicht verlängern, drohten sofort Devisenmangel und Illiquidität. Im Ausland führte die Krise ebenfalls zur Verknappung der Liquidität der Banken. Ab November 1930 bewirkte die starke Bankenkrise in den USA und in Frankreich, dass diese Länder die kurzfristigen Gelder aus Deutschland zurückbeorderten. In Deutschland erfasste die Krise hauptsächlich kleinere Banken, so dass das Ausmaß zunächst nicht so transparent war. Die großen Banken, die nach dem Krieg kleinere Banken aufgekauft hatten und so zu Großbanken wurden, besaßen aufgrund dessen nur noch ein geringes Eigenkapital und deswegen war deren Liquidität ebenfalls gering. Erst als die Zollunion von Österreich und Deutschland im Juni 1931 am Widerstand Frankreichs, welches das als einen Bruch des Versailler Vertrages ansah, scheiterte, verschlechterte sich die Situation der Banken in Österreich radikal. Dadurch kam es vor allem zu einem Abzug französischer Gelder aus Österreich, was den Zusammenbruch der größten österreichischen Bank bewirkte. Man befürchtete, dass sich diese Entwicklung ebenso in Deutschland auftreten könnte, so dass auch von dort die kurzfristigen Kredite gekündigt wurden. Brüning selbst hatte zu diesen Abzügen beigetragen, als er im Juni 1931 aus Propagandagründen die Reparationen öffentlich als "unerträglich" bezeichnet hatte, was auf eine bevorstehende Zahlungsunfähigkeit des Reiches zu deuten schien. Nun erfolgte auch ein massenhafter Ansturm der Bevölkerung auf die Banken in den Monaten Mai bis Juli 1931. Niemand hatte mehr Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der deutschen Banken. Deswegen mussten sie am 13. Juli 1931 ihre Zahlungen einstellen, weil sie einfach kein Geld mehr herausgeben konnten. Die Kreditorenbeträge sanken im Juni/Juli um 21,4%. Um die Bankenkrise zu überwinden, wurden die Banken für mehrere Tage geschlossen und der der Kontrolle der Regierung unterstellt. Auch die Börse blieb monatelang geschlossen – Kredite und Neuinvestitionen waren so für längere Zeit nicht möglich. Zudem war einen Monat zuvor das Hoover- Moratorium, das alle politischen Schulden für ein Jahr zur Wiederherstellung des Vertrauens stornierte, psychologisch verpufft. Da der Reichsbankpräsident Hans Luther den Abfluss von Devisen ins Ausland mit allen Mitteln stoppen wollte, erhöhte er den Reichsbankdiskont auf 15% und bewirkte dadurch eine inländische Kreditverteuerung und -verknappung. Der Banknotenumlauf betrug 1929 noch 5 Mrd. RM, aber durch Luthers Maßnahmen verringerte er sich um 30% auf 3,5 Mrd. RM im Jahre 1932. Außenhandel Im Ersten Weltkrieg und in den Nachkriegsjahren ging der Außenhandel erheblich zurück. Die Inflation von 1923 erschwerte den Wiederaufschwung der deutschen Industrie. Erst 1926 stellte sich der Stand von 1913 ein. Aber der Import überstieg bereits 1925 den Importwert des Vorkriegsjahres. Der Außenhandel wurde von der Weltwirtschaftskrise stark beeinträchtigt. Weil die Einfuhr schneller sank als die Ausfuhr, stellte sich ein Exportüberschuss ein. Das Verhältnis zwischen inländischen und ausländischen Waren verschob sich daher zugunsten Deutschlands. Die Preise fielen zwischen 1928 und 1933 für importierte Waren um 55% und für ausgeführte Waren um 26%. Im Verhältnis zu den Vorkriegsjahren hatte sich die Importstruktur nur geringfügig verändert. Die Fertigwareneinfuhr stieg von 13% 1913 auf ungefähr 17% 1925 bis 1933. Deren Ausfuhr betrug 1913 66% und in dem eben genannten Zeitraum 75%. Bei Nahrungsmitteln, Halbwaren und Rohstoffen gab es kaum Veränderungen. Die Nahrungsmitteleinfuhr betrug schon vor dem Krieg ein Drittel des gesamten Imports. Die Exportquote lag 1913 bei 19%, im Zeitraum von 1925 und 1931 bei ungefähr 15%, 1932 bei 11% und 1933 sogar nur etwa 9%. Maßnahmen zur Überwindung der Krise und deren Auswirkungen Die Wirtschaftskrise beeinträchtigte die deutsche Wirtschaft zunächst nicht direkt und die Rückforderungen von Krediten, die den Ländern und der Privatwirtschaft gegeben worden sind, waren bis zur Wahl Mitte September 1930, bei der die NSDAP als zweitstärkste Partei hervorging, gemäßigt. Danach wuchsen sie in schwindelerregende Höhen und brachten so die deutsche Wirtschaft ins Schwanken, denn im Ausland war man von der politischen Entwicklung beunruhigt. Aber nicht nur wegen des Wahlerfolges der NSDAP wurde ausländisches Kapital abgezogen; dieses Kapital sollte die Liquidität in den betreffenden Ländern erhöhen. Die Reichsregierung betrachtete die Wirtschaftskrise als ein Ungleichgewicht des Staatshaushaltes. Das Haushaltsdefizit betrug Ende 1929 1,5 Mrd. RM. Die Reichsbank unternahm erst etwas als die Deckung der Gold- und Devisenreserven des Geldumlaufs durch den Transfer der gekündigten Auslandskredite unter die gesetzlich festgelegte 40%-Grenze fielen. Ebenso wie der Reichsbankpräsident ergriff Reichskanzler Heinrich Brüning Maßnahmen, die die Krise noch verschlimmerten. Brüning hatte immer versucht, der Bevölkerung die Ursachen der Wirtschaftskrise und sein Konzept zur Abhilfe klarzumachen. Er erklärte, dass die getroffenen Regierungsentscheidungen zu einer Wiedergenesung der deutschen Wirtschaft führen würden, aber nur, wenn die Bevölkerung die sich daraus ergebenen Härten mit Geduld ertrüge. Er erhoffte sich, mit einer starken Deflation eine Wiederbelebung des Exportes zu erreichen, um genügend Devisenreserven für die Reparationszahlungen zu erhalten. Außerdem wollte Brüning so mehr Arbeitsplätze in der Industrie schaffen. Mit Hilfe von Notverordnungen wollte er die öffentlichen Ausgaben und vor allem den Staatsetat den sinkenden Preisen und Steuereinnahmen anpassen. Aber vermutlich war sein primäres Ziel, durch die Verschärfung der Krise die Alliierten davon zu überzeugen, dass die Reparationsforderungen in der Höhe in dieser Situation einfach nicht erfüllbar waren. Zudem würde die Einstellung der Zahlungen die radikalen politischen Kräfte schwächen. Brüning steckte in einer Zwickmühle: Er musste den Alliierten Deutschlands Willen, den Young-Plan zu erfüllen, zeigen, wodurch er aber insbesondere durch die politische Rechte angegriffen wurde. So strengte er die Zollunion mit Österreich an, die aber, wie bereits erwähnt, wegen Frankreich den Zusammenbruch des Bankensystems einleitete. Vom heutigen Standpunkt ist es erwiesen, dass Brüning mit seinem Plan der sparsamen Haushaltsführung wesentlich für die Verschärfung der Krise und die Beschleunigung des wirtschaftlichen Abwärtstrends mitverantwortlich war. Wahrscheinlich hätte er, wenn er weitere Kredite aufgenommen, sich nicht gegen eine Abwertung der Reichsmark gewehrt und das zusätzliche Geld in sinnvollen Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur verwandt hätte (historisches Beispiel: Schweden mit dem Ausbau des Wohlfahrtsstaates), ein staatlich gelenktes Beschäftigungsprogramm initiieren können. Hjalmar Schacht, Hitlers Wirtschaftsexperte, jedenfalls machte den Unternehmen Steuergeschenke und verwandte erhöhte Staatsausgaben für die Aufrüstung der Reichswehr. Während sich gleichzeitig die weltwirtschaftliche Konjunktur verbesserte, fiel durch diese Maßnahmen die Arbeitslosenzahl innerhalb eines Jahres von 6 Mio. im Januar 1933 auf unter 3,8 Mio. 1934. Besonderheiten der Weltwirtschaftskrise Das Besondere an der Weltwirtschaftskrise war, dass sie keine Krise in der Produktion wie die bis dahin bekannten war. In einer Produktionskrise sind nicht genügend Güter vorhanden, um die Menschen zu versorgen (so genannte Unterkonsumptionskrise, z.B. Hungerkrisen durch Missernten), aber bei einer Überakkumulationskrise wie der Weltwirtschaftskrise finden bereits produzierte Güter keinen Absatz mehr. Während einerseits die Lebensmittel in den Lagern verfallen, müssen tausende Menschen Hunger leiden. Zahlreiche Menschen verloren ihre Arbeit, weil viele Fabriken aufgrund des geringen Absatzes stillgelegt wurden. Die Betriebe hatten - getrieben von den spekulativen Erwartungen der Börsen und nicht orientiert an der Kaufkraft des Volkes - über den Bedarf des Marktes hinaus produziert. Hinzu kam dann noch die schwere Erschütterung des Vertrauens der Kreditmärkte durch den New Yorker Börsenkrach und durch die ungelöste Reparationsfrage, die zu weiterer Verknappung des Kapitals und zu einer Steigerung der Deflation führten. Einige Forscher meinen, dass die Krise nicht solch einen dramatischen Verlauf genommen hätte, wenn die ökonomisch Herrschenden und die politisch Verantwortlichen auf die Warnungen von Experten gehört hätten. Diese These ist aber sehr umstritten, seit der Münchner Wirtschaftshistoriker Knut Borchardt faktenreich nachzuweisen suchte, dass es zu der - im Nachhinein betrachtet sicher verfehlten - Deflationspolitik Brünings keine Alternative gegeben hätte. Begriffserklärungen Deflation: Sinken des Preisniveaus Devisen: ausländische Zahlungsmittel Diskont: Zinsabzug, Zinsvergütung Dumping: Preisunterbietung Geldtransfer: Geldüberweisung Kredit: befristete Überlassung von Geldern Kreditor: Gläubiger, Kreditgeber Liquidität: die Möglichkeit, das Vermögen in Geld umzuwandeln Moratorium: Zahlungsaufschub Wertpapier: Aktie, Anleihen [bearbeiten] Literatur Knut Borchardt: Wachstum, Krisen und Handlungsspielräume der Wirtschaftspolitik, Göttingen 1982. Herbert Matis/Dieter Stiefel: Die Weltwirtschaft. Struktur und Entwicklung im 20. Jahrhundert, Wien (Ueberreuter) 1991 - ISBN 3800091402 Weimarer Republik und Nationalsozialismus – Ernst Klett Schulbuchverlag Helmut Heiber/Martin Broszat: Die Republik von Weimar (= dtv-Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, Band 3), München (dtv) 1971 (5. Aufl.) Charles P. Kindleberger: Die Weltwirtschaftskrise 1929 - 1939, München (dtv) 1973 - ISBN 3423041242 - profunde, gut geschriebene Darstellung eines führenden Wirtschaftshistorikers. Harold James: Deutschland in der Weltwirtschaftskrise 1924 - 1936, Stuttgart (DVA) 1988. Albrecht Ritschl: Deutschlands Krise und Konjunktur, 1924-1934: Binnenkonjuktur, Auslandsverschuldung und Reparationsproblem zwischen Dawes- Plan und Transfersperre (= Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Beiheft 2), Berlin (Akademie Verlag) 2002 - ISBN 3050036508 John Kenneth Galbraith: Die Geschichte der Wirtschaft im 20. Jahrhundert. Ein Augenzeuge berichtet, Hamburg (Hoffmann und Campe) 1995 - ISBN 3455110614 - Erinnerungen eines führenden US-Ökonomen des 20. Jahrhunderts, schön zu lesen. John Kenneth Galbraith: Der große Crash 1929, München (Finanzbuch Verlag) 2004 - ISBN 3898790541, angekündigt für September 2004. Von "http://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise" Eingeordnet unter: Wirtschaftsgeschichte | Krise