ANGELICA JACOBI

Es gibt nicht den Plan der mir sagt wie und wo ich leben soll.
Zur Zeit lebe ich in Mexico, in Progreso Yucatan.
Wo ich in einem Jahr sein werde, das weiss ich nicht.
Es gibt nicht den Plan der mir sagt wie und was ich malen soll.
Da ist die Neugier, das Nichtwissen und die Sehnsucht. Da ist die Realitaet,
die Imagination und die Inspiration. Gestern habe ich die Abstraktion, das Informelle
auf eine Leinwand gebracht, heute die riesige Welt eines Ameisenhaufens
oder die Gesichter vieler Menschen, morgen könnten es die Farben meiner Gedanken sein.
Ich bin nicht auf der Suche, ich male weil es mir Spass macht. Es gefällt mir Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und sie darzustellen oder Augenblicke in Zeitlupe wiederzugeben.
Im siebten Jahr bereise ich jetzt den amerikanischen Kontinent von Alaska bis Panama.
Manchmal verweile ich, wie jetzt hier in Mexico an einem Ort dem es egal ist, ob ich bleibe oder weiterziehe.
Es gibt Augenblicke, da ich nicht malen kann, wie nach dem Hurrikan Isidor, als die Natur die mich umgab, abstarb, als alle Blätter schwarz wurden und alle Farben tot waren.
Doch die Reise geht weiter - im Kopf - im Traum und in der Wirklichkeit Es ist eine Lebensreise.
Wann sie zuende geht, das weiss ich ebensowenig, wie ich nicht weiss, welches Bild ich morgen malen werde. Natürlich fliessen Eindrucke meiner Reise in die Bilder ein. Es sind keine fotografischen Wiedergaben,
es sind Gefühle und Erfahrungen, die mich beeinflussen und deren Wichtigkeit ich selbst oft erst Monate später in einem Bild wiedererkenne.
Durch das Reisen hat sich meine Art der Wahrnehmung geändert.
Der Ort der Verwurzelung, Deutschland, ist weit entfernt und die Art der Betrachtung wird neutraler,
vielleicht distanzierter. Manchmal ist dann eine Fliege oder eine Ameise fuer mich der Nabel der Welt.
Mir gefällt es ihre Schönheit zu malen .
Ich liebe Schrott und lass ihn wieder lebendig werden in einem Bild wie 'Junk'.
Ich weiss um das Aussterben der Palmen und male die Einsamkeit der noch lebenden in einem Bild wie
'Palma Sola' Ich habe Zeit und Ruhe. Ich kann mir die Menschen anschauen, mit all ihren kleinen Verruecktheiten, mit ihrer Selbstgefälligkeit und in ihrer Ignoranz.
Man mag sie dann wiederfinden in einem Bild wie "Mahomets Gesang".
Zeit und Ruhe gönne ich auch den Betrachtern meiner Bilder.

Progreso, Yucatan, Mexico - Januar 2003

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